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Smart City Frankfurt : Wenn die Mülltonne zum Sender wird

Ein LoRaWan-Gateway steht auf dem Dach der Mainova-Zentrale in Frankfurt. Sie kann Signale aus bis zu 15 Kilometern Entfernung empfangen. Bild: Mainova

Die Mülltonnen bestellen die Abfuhr quasi selbst. Und der Hausmeister kontrolliert per App, ob alle Fenster im Gebäude geschlossen sind. Mit dem neuen LoRaWan-Netz soll das auch in Frankfurt möglich werden.

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          Den meisten Vergleichsstudien zufolge ist Frankfurt vom Ideal einer Smart City weit entfernt. Das will nun die Mainova ändern und treibt die Vernetzung und Nutzung von digitaler Technik in der Stadt voran. Gerade hat der stadteigene Energieversorger dafür ein neues Funknetz in Betrieb genommen, für dessen Nutzung und Nutzen die Initiatoren schier unendliche Möglichkeiten sehen. Die Mainova wolle zum Architekten der „Smart City“ werden, sagte zu diesem Anlass Mainova-Vorstandsmitglied Diana Rauhut. Das Unternehmen habe schließlich das Knowhow, um Infrastruktur zu betreiben. Für Energieversorger sei das Thema Smart City eine der größten Marktchancen seit der Liberalisierung der Energiemärkte.

          Inga Janović
          Wirtschaftsredakteurin in der Rhein-Main-Zeitung.

          Grundgerüst dieses neuen Geschäftsfeldes soll das LoRaWan-Netz sein, das die Mainova seit Jahresbeginn aufbaut und das bereits die gesamte Stadt abdeckt. Die Abkürzung steht dabei für „Long Range Wide Area Network“, gemeint ist ein Funknetz, in dem Daten über große Entfernungen übermittelt werden können. Dafür braucht es auf der einen Seite Sensoren, die vor allem Messwerte, etwa Luftfeuchtigkeit, Ladeleistung oder Helligkeit erfassen und senden, und auf der anderen Seite Empfänger, sogenannte Gateways, die diese Daten auffangen und via Internet weiterleiten. Gerade wird das neunzehnte Gateway installiert, 60 sollen es bis Mitte nächsten Jahres werden, um damit nicht nur überall ins Stadtgebiet funken zu können, sondern auch bis tief in Gebäude, Keller und Schächte.

          Läuft fast ohne Strom

          Das sind unter anderem Einsatzorte, an denen die Mainova bislang eintausend Sender verbaut hat. Seit nun auch die Software dafür läuft, kann sie Mengen an den Verteilstationen der Fernwärmeleitungen, die Füllmenge von Wasserspeichern, die Raumtemperatur in Umspannwerken oder den Wasserverbrauch auf Baustellen kontrollieren, ohne dafür einen Mitarbeiter auszusenden. Für solche Aufgaben ist die LoRa-Wan-Technologie, die in Darmstadt schon länger im Einsatz ist, besser geeignet als der Mobilfunk. Denn die Geräte dafür sind viel günstiger, gefunkt wird außerhalb der lizenzpflichtigen Bereiche, und die Technik verbraucht nur sehr wenig Energie. Einmal aufgebaut, können Antenne und Sender jahrelang arbeiten, ohne dass die Batterie ausgetauscht werden muss. Dafür geht der Datentransport eher langsam, und es können auch nur kleine Pakete transportiert werden, die Rede ist von einer SMS jede Viertelstunde pro Sender. Das genügt aber völlig, um im Blick zu behalten, ob die Ladesäule für Elektroautos gerade frei ist.

          Oder wessen Mülltonnen geleert werden müssen,ob die Batterie im Rauchmelder noch hält, wo die Erde um einen Baum zu trocken ist und gegossen werden müsste. Oder ob am anderen Ende der Frankfurter Innenstadt noch mehr Parkplätze frei sind als rund um die Hauptwache. Solche Anwendungsbeispiele zählte Peter Feldmann (SPD) auf, der als Oberbürgermeister auch Aufsichtsratsvorsitzender der Mainova ist und nach seinem Auftritt bei der Messe zur Netzeröffnung gratulieren kam. Mit dem Aufbau einer nachhaltigen und vernetzten Stadt könne die Mainova mit ihren Partnerunternehmen „das Leben der Bürger erleichtern und verbessern“, sagte Feldmann.

          In diesem Sinne, so erklärte Rauhut, liefen schon viele Gespräche, unter anderem mit verschiedenen städtischen Dezernaten und Gesellschaften wie dem Entsorgungsunternehmen FES sowie der Frankfurter Verkehrsgesellschaft. Noch tüftelt man über Prototypen und entwickelt Anwendungsszenarien, aber das Interesse sei da. „Wir bauen das größte LoRaWan-Netz in Deutschland auf“, sagte Rauhut. Dafür interessiere sich die Stadt, aber auch Unternehmen, Gewerbetreibende und sogar überregionale Akteure hätten bereits angefragt. Diese neue Vernetzung bedeute auch einen Wandel der Mainova als Unternehmen: „Der Erfolg des Projekts hängt an der Zusammenarbeit“, sagte Diana Rauhut.

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