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Alteingesessenes Fachgeschäft : Junger Finanzberater führt Meder in Bornheim

Bembel statt Börse: Banker Christian Völker in seinem Laden Bild: Wonge Bergmann

Als Finanzberater ist Christian Völker viel in der Welt herumgekommen. Nun führt er das alteingesessene Haushalts- und Spielwarengeschäft Meder in Frankfurt-Bornheim – und setzt damit die Familientradition fort.

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          Es gehört zu Bornheim wie das Uhrtürmchen und der Wochenmarkt. Noch vier Jahre, dann wird das Haushalts- und Spielwarengeschäft Meder 150 Jahre alt. Generationen von Familien haben hier Kneipchen und Messbecher für die Küche gekauft – und für die Kinder Märklin-Loks und Legosteine. Wann immer etwas fehlt, „der Meder“, wie das alteingesessene Fachgeschäft bei seiner Stammkundschaft nur heißt, hat es bestimmt.

          Petra Kirchhoff
          Redakteurin in der Rhein-Main-Zeitung.

          Und so soll es bleiben. Mit Christian Völker hat, gerade einmal 29 Jahre alt, im Februar ein Familienmitglied in fünfter Generation das Geschäft übernommen. Völker ist der Neffe des bisherigen Geschäftsführers Franz Steul, der sich zusammen mit Bruder und Schwester in den Ruhestand verabschiedet hat. Ein ungewöhnlicher Schritt. Als Finanzberater ist Völker nach dem Studium in der ganzen Welt herumgekommen. Nun kehrt er zu den Wurzeln zurück. „Ich bin mit dem Laden groß geworden. Das hier war immer meine Heimat“, erzählt der neue Inhaber.

          Als Kind durch den Laden geflitzt

          In seiner Kindheit – als erster Enkelsohn hatte er ein besonders gutes Verhältnis zum Großvater – sei er quasi jeden Tag durch den Laden geflitzt. Das Geschäft sei bis heute „Dreh- und Angelpunkt“ für die Familie. Jeden Samstagnachmittag trifft man sich bei Kaffee und Kuchen, dann sitzen schon mal 20 Personen um den Tisch, der in einer Wohnung über dem Laden steht. Das Wohn- und Geschäftshaus gehört der Familie.

          Unvorstellbar für Christian Völker, dass es das alles eines Tages womöglich nicht mehr hätte geben sollen. Daher hatte er schon während seines Studiums ein Meder-Jahr eingeschoben, um sich den Einzelhandel genauer anzuschauen. Als er dann vor der Entscheidung stand, habe er die Risiken durchaus kritisch hinterfragt. „Möchte ich das in so einer schwierigen Situation für den stationären Einzelhandel?“ Völker sagte zu, obwohl er in der Finanzbranche mehr Geld hätte verdienen können, wie er sagt.

          Seitdem arbeitet er als sein „eigener Berater“ und fragt sich: „Was kann ich optimieren?“ Die Arbeitstage seien lang. „Ich muss mich ja erst mit allem vertraut machen.“ Zu tun gibt es reichlich. Der Onlineshop müsse von Grund auf erneuert werden. Seit zwei Monaten gibt es bereits einen professionelleren Auftritt bei Instagram. In der Spielzeugabteilung soll es fortan mehr Nachhaltiges aus Holz geben. An der Märklin-Abteilung will Völker festhalten. „Diese Nische ist wichtig für uns.“

          Veränderung braucht Zeit

          Für bauliche Veränderungen fehlt nach der Geschäftsübernahme erst einmal die finanzielle Kraft. „Außerdem möchte ich nicht von heute auf morgen alles verändern“, sagt Völker. Viel wichtiger sei es, den Markenkern des Unternehmens stärker herauszustellen. Etwa die Sortimentstiefe und Preisvielfalt von günstig bis teuer. Oder die Beratung. „Wir sind Profis in bestimmten Bereichen.“ Zum Meder-Markenkern zählt er auch den Service: „Wir packen notfalls alles aus und erklären.“

          Auf einen Preisvergleich mit dem Internet oder dem Spielzeug-Konkurrenten in der Nachbarschaft will sich Völker erst gar nicht einlassen. Zu solchen Preisen könne er teilweise nicht einmal einkaufen, sagt er. Das wolle er den Kunden transparent vermitteln.

          Wenn der neue Geschäftsführer im Laden steht, kann es passieren, dass ein älterer Kunde hereinkommt und erzählt, schon seine Großeltern hätten bei Meder eingekauft. Solche Begegnungen motivieren den jungen Nachfolger. Dann wisse er: „Genau dafür mache ich das hier.“

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