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Frankfurt : Einzelhandelsverband warnt vor Skyline Plaza

Brache? Modell des Skyline Plazas. Bild: Vivico

Der Vorsitzende des Frankfurter Einzelhandelsverbands, Frank Albrecht, hat seine Mitglieder davor gewarnt, Ladenflächen im geplanten Einkaufszentrum Skyline Plaza neben der Messe zu mieten. Dies drohe zu einer „Brache“ zu werden.

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          Der Vorsitzende des Frankfurter Einzelhandelsverbands, Frank Albrecht, hat seine Mitglieder davor gewarnt, Ladenflächen im geplanten Einkaufszentrum Skyline Plaza neben der Messe zu mieten. Dies drohe zu einer „Brache“ zu werden, sagte er am Mittwoch während der Vorstellung eines Gutachtens über die Perspektiven des Einzelhandels in Frankfurt. Denn es sei reine Spekulation, dass tatsächlich Käufer aus dem Taunus, die Bewohner der anliegenden Häuser und „müde Messebesucher“ für genügend Umsatz sorgen würden, fügte Albrecht an. Der Standort neben der Messe sei ebenso „hochproblematisch“ wie das Honsell-Dreieck unweit der Großmarkthalle im Ostend, auf dem ebenfalls ein Einkaufszentrum entstehen soll.

          Manfred Köhler

          Stellvertretender Ressortleiter des Regionalteils der Frankfurter Allgemeinen Zeitung und verantwortlicher Redakteur des Wirtschaftsmagazins Metropol.

          Albrecht warf dem Frankfurter Wirtschaftdezernenten Markus Frank und Planungsdezernent Edwin Schwarz (beide CDU), die das Gutachten gemeinsam mit ihm vorstellten, Kirchturmdenken vor. Denn sie argumentierten, mit den zusätzlichen Geschäften sollten Kunden aus den umliegenden Städten und Kreisen angelockt werden. Statt dessen würden aber dadurch die etablierten Einzelhändler in den Stadtteilen bedroht. Allein der für die nächste Jahre erwartete Zuwachs der Bevölkerungszahl Frankfurts rechtfertige den Bau der Einkaufszentren keineswegs.

          Es werde viel unternommen, um die Stadtteile zu stärken

          Schwarz und Frank widersprachen Albrecht. Über Jahre habe man zugesehen, wie im Umland zusätzliche Geschäfte entstünden, gegenwärtig durch die Erweiterung des Main-Taunus-Zentrums. Es werde viel unternommen, um die Stadtteile zu stärken. Der Planungsdezernent bekräftigte seinen eigenen Vorschlag aus dem Jahr 2002, kleine Geschäfte in den Vororten zu subventionieren, fügte aber sogleich hinzu, „da habe ich bestimmt in ein Wespennest gestochen“.

          Bei dem von der Gesellschaft für Markt- und Absatzforschung aus Ludwigsburg erstellten Gutachten handelt es sich um die Fortschreibung einer Studie aus dem vergangenen Jahrzehnt, die Grundlage des 2008 von der Stadtverordnetenversammlung beschlossenen Einzelhandels- und Zentrenkonzept war. Das Ziel der Politiker ist es, den Einzelhandel in der Innenstadt und den Stadtteilen zu stärken, während Geschäfte außerhalb dieser Viertel allenfalls mit Auflagen zugelassen werden sollen. Das entspricht auch den Vorgaben des regionalen Einzelhandelskonzepts, das im Dezember beschlossen wurde.

          Öffentlicher Raum solle attraktiver gestaltet werden

          Das gestern vorgestellte Gutachten soll wiederum Grundlage für einen Beschluss der Stadtverordnetenversammlung sein. Die Überarbeitung erschien notwendig, weil die Daten der ersten Studie von 2002 stammten und seither viel geschehen ist; für die neue Untersuchung wurden die Daten im Jahr 2009 erhoben. Danach ist die Fläche aller Geschäfte in Frankfurt in den sieben Jahren dazwischen von 930.770 auf 976.749 Quadratmeter gewachsen bei erheblichen Verschiebungen zwischen den einzelnen Branchen (siehe Grafik unten links). Die Gutachter haben errechnet, dass im Jahr 2020 in Frankfurt weitere 68.000 Quadratmeter „wünschenswert“ seien, und dies auch nach Branchen aufgeschlüsselt. Auf die Einkaufszentren Skyline Plaza und Honsell-Dreieck sind sie bei dieser Berechnung nicht gesondert eingegangen. Allein dort sollen im einen Fall 33.000 Quadratmeter, im anderen 27.500 Quadratmeter Handelsfläche entstehen, von weiteren 15.000 Quadratmetern ist bei der Neubebauung des Universitätsgeländes in Bockenheim die Rede, von ebenfalls 15.000 Quadratmetern im neuen Büroviertel Gateway Gardens, zudem sind weitere Flächen im Flughafen vorgesehen. Die Entwicklung in den Stadtteilen war in den vergangenen Jahren unterschiedlich; nicht überall sind die Handelsflächen zurückgegangen.

          Die Gutachter geben auch an, dass Frankfurt noch Handelsflächen für Möbelgeschäfte von 11.000 Quadratmeter vertrage. Eine Vertreterin der Verfasser sagte gestern, weder Ikea noch Flamme seien Vollsortimenter im klassischen Sinne. Allerdings haben solche Möbelhäuser heute eine weitaus größere Fläche als 11.000 Quadratmeter; Segmüller in Weiterstadt kommt auf das Dreifache. Schwarz rühmte sich gestern, dass sich Frankfurt nicht für die Ansiedlung eines weiteren Segmüller-Hauses in der Region hergegeben habe, obwohl dort Arbeitsplätze vor allem für ältere Menschen entstanden wären. Mit dem jetzt geplanten Standort in Bad Vilbel habe Frankfurt allerdings „nur so halb gewonnen“, setzte er hinzu. Albrecht wiederum wandte sich dagegen, dass in dem Gutachten überhaupt von einem zusätzlichen Bedarf an Flächen für Möbel die Rede sei.

          Der für Einzelhandel zuständige Geschäftsführer der Industrie- und Handelskammer Frankfurt, Andreas Freundt, forderte von der Stadt, den öffentlichen Raum attraktiver zu gestalten. Dem schloss sich Albrecht an, er rief zur Neugestaltung der Konstablerwache, der Ostzeil und der Töngesgasse auf.

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