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Thorsten Winter (thwi)

Kommentar zu Standort-Kritik : Frankfurt braucht alle Industrieparks für Chemiebetriebe

Aufnahmefähig: Die Infrastruktur des Industrieparks Griesheim ist nicht ausgelastet - auch deshalb kämen die zwei möglichen Neuzugänge gerade recht Bild: Wolfgang Eilmes

Den Industriepark Griesheim als Chemie-Standort in Frage zu stellen, geht zu weit. Vor Wohnhäusern gab es dort Chemieproduktion. Und Frankfurt hat ohnehin zu wenige Fläche für die Industrie, nicht zu viele.

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          „Chemiebetriebe von Griesheim nach Höchst verlagern“ – dass diese Forderung nach dem Unfall in Griesheim abermals erhoben wird, kann nicht verwundern. Sie erscheint vielmehr auf den ersten Blick sogar verständlich. Der Störfall von 1993 in diesem Werk, als nachts giftiger „gelber Regen“ fiel, ist vielen Frankfurtern noch präsent. Ende 2015 trat dort Salzsäure aus, was einen Alarm nach sich zog. Nach dem Vorfall am Dienstag blieb es zum Glück bei massiven Verkehrsbehinderungen in Griesheim und Nied, die für die Anlieger ärgerlich genug waren.

          Der neuerliche Vorfall mit Salzsäuredämpfen zeigt: Hundertprozentige Sicherheit gibt es in Chemieanlagen nicht. Das lehren auch in der Vergangenheit liegende Unfälle in den Industrieparks Fechenheim und Höchst, denen Haarrisse in Anlagen oder menschliche Fehler zugrunde lagen und bei denen Beschäftigte zum Teil erheblich verletzt wurden.

          Verbundenheit mit dem Standort

          Angesichts dieses grundsätzlichen Risikos den Industriepark Griesheim als Chemie-Standort in Frage zu stellen geht aber erheblich zu weit. Es sei daran erinnert, dass schon seit 1856 die Chemieindustrie an dieser Stelle vertreten ist. Es handelte sich damals um eine ländliche Gegend, Wohnhäuser wurden mit der Zeit in der Nähe der Fabrik gebaut, nicht umgekehrt.

          Nun war, wie auch im Fall des Höchster Werks, die Verbundenheit mit dem Standort in früheren Jahrzehnten stärker, als sie heutzutage ist. Das liegt am Verlust von vielen hundert Stellen im Werk Griesheim, was zur Folge hat, dass nicht annähernd so viele Ortsansässige dort arbeiten, wie das ehedem der Fall war.

          Dessen ungeachtet braucht die Stadt Frankfurt den Standort für die Chemieindustrie. Die Branche erwirtschaftet einen ordentlichen Teil des Geldes, mit dem die Stadt etwa Infrastrukturprojekte und das Kulturleben finanziert. Umgekehrt müsste die Stadt den Chemiefirmen in Griesheim das Geld für einen Umzug geben, falls das politisch gewollt wäre. Das ist aus guten Gründen nicht so. Frankfurt hat ohnehin zu wenige Fläche für die Industrie, nicht zu viele.

          Thorsten Winter
          Wirtschaftsredakteur und Internetkoordinator in der Rhein-Main-Zeitung.

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