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Frankfurt : Bikinis eher in XL als XS gefragt

  • -Aktualisiert am

Ganz schön bunt: Bikinis der Unternehmerin Franziska Hannig Bild: Wolfgang Eilmes

Öko-Bikinis aus wiederverwertetem Plastikmüll mögen eine gute Idee sein. Doch bis sie genügend Käufer finden, ist es ein weiter Weg, wie zwei Existenzgründerinnen erfahren mussten.

          Nur wer aus seinen Fehlern lernt, wird auf Dauer Erfolg haben. Franziska Hannig und Katharina Wagner nehmen diese Binsenweisheit ernst. Die beiden jungen Gründerinnen aus Frankfurt haben im vergangenen Hochsommer das Bikini-Label Inaska auf den Markt gebracht – und dabei viel Lehrgeld bezahlt. Beide Frauen kommen beruflich aus dem Marketing und wollten einen Bikini entwickeln, der auch bei sportlicher Betätigung hält, optimal passt, gut aussieht und noch dazu aus umweltfreundlichen Materialien besteht.

          Herausgekommen sind schlichte, aber farbenfrohe Stücke ohne kneifenden Verschluss oder lästige Knoten, an deren Oberteil man Stoffschlaufen so vielseitig verschieben kann, dass alles optimal sitzt. Franziska Hannig, 32 Jahre alt und junge Mutter, spielt Beach-Volleyball, ist groß, athletisch und war lange vergeblich auf der Suche nach dem richtigen Bikini für ihren Sport. Dann aber setzten sie und ihre Kollegin die Idee gleich ganz professionell um, mit Hilfe einer Designerin aus Bad Homburg, einem Stofflieferanten aus Italien und einem Produzenten aus Spanien. Der Stoff heißt Econyl und wird zu fast 80Prozent aus dem zu Fasern versponnenen Granulat von recyceltem Plastikmüll und Fischernetzen aus den Weltmeeren hergestellt: Der Rest ist konventionelles Elasthan.

          „Bei 70 Euro liegt die Schmerzgrenze der Kundinnen“

          Am Esstisch ihrer geräumigen Wohnung in Bockenheim, die zugleich als Büro und Zwischenlager dient, streicht Franziska Hannig über die Farbmuster für die Kollektion der nächsten Saison und rekapituliert. Fehler Nummer eins: „Wir sind letztes Jahr im Sommer viel zu spät gestartet, mit Bademode muss man Ende März auf dem Markt sein.“ Und Nummer zwei: „Wir haben zu sehr auf Farben gesetzt, die uns selbst gut gefallen.“ Oberteile, bei denen die eine Brust neonpink, die andere lila leuchtet, sind vielen Kundinnen aber zu schrill.

          Also lassen sie nun viel mehr schwarze und dunkelblaue Bikinis produzieren, haben das zu weit und sexy ausgeschnittene Modell ganz weggelassen, bieten nur noch zwei verschiedene Oberteile und zwei Hosentypen an. Statt mit dem ursprünglich doppelt genähten Stoff in kontrastierender Farbe sind die Teile nun mit dünnerem in Türkis, der Markenfarbe, gefüttert. So kann man sie zwar nicht abwechselnd in zwei verschiedenen Farben tragen, aber dafür sie sind leichter geworden. Das ist beim Beach-Volleyball egal, aber beim Schwimmen wichtig.

          Solche Anregungen, Hinweise und Kritik ihrer meist sportlichen Kundinnen sind den beiden Start-up-Unternehmerinnen ganz wichtig, und sie setzen sie gleich um.

          Fehler Nummer drei: Für 94 Euro waren die Bikinis schlichtweg zu teuer. „Bei 70 Euro liegt die Schmerzgrenze der Kundinnen“, sagt Hannig. Deshalb lässt das Unternehmen Inaska – ein Akronym aus den Endungen der Vornamen der beiden Gründerinnen – jetzt nicht mehr in Spanien, sondern in Portugal produzieren, denn das senkt die Kosten. Dass die Produktion wenigstens in Europa bleibt, war beiden wichtig. In China könnten sie einen Bikini für sechs Euro nähen lassen, in Deutschland kostet das 40 Euro. In Europas Süden liegen sie bei rund 25 Euro. Eine einfache Rechnung für die beiden Marketing-Frauen. Auch das Ökomaterial ist teurer als herkömmlicher Stoff. Deshalb kann ein Bikini bei H&M oder anderen Modeketten für zwölf Euro oder noch weniger angeboten werden. 69Euro werden die Inaska-Modelle in der neuen Saison kosten.

          Nicht zu schnell aufgeben

          Fehler Nummer vier: Anfangs hatten sie auch viel zu viele kleine Größen produzieren lassen. Jetzt setzen sie mehr auf Frauen, die M, L oder XL brauchen und nicht, wie Modezeitschriften oder die Werbung oft glauben machen wollen, XS-Maße mitbringen. 600 Bikinis haben die beiden im vergangenen Jahr produzieren lassen, nur die Hälfte davon haben sie jedoch verkauft. Bis jetzt haben beide viel mehr Geld ausgegeben als eingenommen: „In der ersten Runde haben wir nur danach geschaut, was uns gefällt, jetzt schauen wir auch, was sich gut verkauft, passen aber auch auf, dass wir trotzdem wir selbst bleiben“, resümiert Franziska Hannig.

          Deshalb wollen sie nun auch an größere, aber umweltbewusste Online-Shops andocken, nicht mehr nur über die eigene Website verkaufen. In Hamburg, Heiligenhafen und auf Fehmarn gibt es Inaska-Bikinis in Surfer-Shops von Freunden. 1000 Stück müssten sie jetzt produzieren, damit alles besser läuft. Und auch die Modells für die Werbung brauchen das richtige Ambiente. Die ersten Bikinifotos haben sie im Streetstyle auf einer Skateranlage aufnehmen lassen, aber bei Bikinis will die Kundin eben doch lieber Strand und Wasser sehen.

          Noch haben die beiden Gründerinnen jeweils auch noch einen anderen Beruf. Aber sie machen entschlossen weiter. „Wer zu schnell aufgibt, ist für ein Start-up ohnehin nicht geeignet“, sagt Franziska Hannig.

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