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Frank Lehmann : Der Kontaktriese

  • -Aktualisiert am

Frank Lehmann wird 65 und tritt in den Ruhestand Bild: Helmut Fricke / F.A.Z.

Mit seiner Finanzberichterstattung wurde Frank Lehmann bundesweit bekannt. An diesem Freitag präsentierte er ein letztes Mal die „Börse im Ersten“. Ein Porträt von Peter Lückemeier.

          Wer sich Frank Lehmanns Arbeitsplatz besonders aufregend oder gar romantisch vorstellt, der irrt. Eine Etage über der Baustelle des Börsenparketts im Gebäude der Industrie- und Handelskammer geht es eher schlicht zu. Nebenan spricht die Kollegin von „n-tv“ ihre mittäglichen Wasserstandsmeldungen in die Kamera, Lehmann sitzt in einem schlichten Räumchen mit Tisch, drei Stühlen, einer Flasche Wasser und keinen Gläsern und schaut dauernd auf die Uhr.

          An seinem vorletzten Tag an der Börse häufen sich die Termine und Interview-Anfragen: Der Mann, der am 17. Januar 65 wird, zählt zu den prominentesten Fernsehgesichtern Deutschlands. Heute abend wird er ein letztes Mal die „Börse im Ersten“ präsentieren, drei Minuten und exakt 42 Sekunden lang, also etwas ausführlicher als sonst meistens. Er wird einen Astrologen zu Gast haben, zwei Models in Geldscheinkostümen und einen Hobbysänger, mehr wird nicht verraten. Wird er aufgeregt sein vor seiner letzten Börsensendung? „Ein bißchen Lampenfieber gehört immer dazu“, sagt der Mann, der seit mehr als 30 Jahren vor der Kamera steht, „Schweißausbrüche habe ich nicht mehr, aber eine gewisse innere Unruhe spüre ich immer noch, und das ist auch gut so, man wird dadurch besser.“

          Interview mit dem Turnschuhminister

          Ins Fernsehgeschäft war der gebürtige Berliner, der so wunderbar Frankforderisch spricht, als Seiteneinsteiger gekommen, gefördert von Valentin Senger. Ein Naturtalent muß er aber damals schon gewesen sein, als er als Praktikant vor der Kamera für einen Kollegen einsprang, der ein Glas zuviel getrunken hatte, die Sendung hieß „Der Markt - Wirtschaft für jedermann“. Nach diesem Praktikum arbeitete er tagsüber als Wirtschaftsredakteur bei der Nachrichtenagentur VWD, abends stundenweise beim Fernsehen. Seit 1978 ist er endgültig beim Hessischen Rundfunk angestellt, zuletzt als „Abteilungsleiter Fernsehen Börse“.

          Ebenjene Berichterstattung über das Auf und Ab am Wertpapiermarkt, für die Lehmann bundesweit bekannt wurde, scheint ihm aber gar nicht das Aufregendste in seinem Journalistenleben gewesen zu sein. Seine Jahre bei der „Hessenschau“ hätten ihn viel mehr geprägt und auch die Zeit, als er für die Zulieferung für die ARD-Tagesschau verantwortlich war. In jene Jahre fielen die militanten Auseinandersetzungen um die Startbahn West. Lehmann war mit seinem Kamerateam auch einer der ersten an der Stelle, an der ein Flugzeug auf das Auto des Pfarrers Jürges gestürzt war: „Der Anblick der verkohlten Leiche mit den Händen am Steuer hat sich mir tief eingeprägt.“

          Ebenso erinnert er sich an eine Auseinandersetzung im Bahnhofsviertel, bei der sechs Serben und Kroaten ums Leben gekommen waren - „hier zeigte sich längst vor Titos Tod ein Konflikt, der später ein ganzes Volk erreichte“. Und ebenso lebhaft ist Lehmann sein erstes Interview für die „Hessenschau“ mit dem frisch vereidigten Turnschuhminister in Erinnerung, bei dem Joseph Fischer wortkarg nur mit Nein und Ja antwortete - erboste Anrufe beim Sender galten aber dem Politiker, nicht dem Interviewer.

          Engagement für gute Zwecke

          Heute wird Lehmann auf der Straße erkannt und angesprochen, aber solche Reaktionen sind ihm fast immer angenehm. Und da er selbst ein jovialer Typ ist, ein freundlicher Mann des schnellen Witzes, nimmt er es auch nicht übel, wenn ein Fremder ihm kräftig auf den Rücken haut und lacht: „Ich seh' am liebsten Horrorfilme und Börse im Ersten.“ Nahe ist ihm dagegen der Anrufer gegangen, der an der Börse sein ganzes Geld verspielt hatte und mit Selbstmord drohte. Und einmal sprach ihn im Parkhaus eine Frau an und berichtete, sie habe am Neuen Markt ihre Altersvorsorge durchgebracht. Er selbst besitzt vor allem Aktienfonds, bei Einzelwerten kann schnell der Vorwurf von Insiderkenntnissen aufkommen; vor allem aber, sagt Lehmann, könne man seine Unbefangenheit verlieren, wenn man selbst größere Posten einer bestimmten Aktie besitze: „Vielleicht tut sich der Berichterstatter dann doch schwer damit, noch eine weitere schlechte Nachricht über diesen Wert zu verbreiten.“

          Ganz loslassen wird den Pensionär das Geschehen an der Börse nicht. Auch im Ruhestand wird Frank Lehmann weiter Vorträge in Sparkassen oder Volksbanken halten und wird wohl noch ein Buch schreiben. Auch sein ehrenamtliches Engagement will er forcieren, etwa im Vorstand der Hessischen oder im Kuratorium der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau. Obwohl selbst evangelisch, engagiert sich der Vater dreier erwachsener Kinder auch in der katholischen Gemeinde seiner Frau an ihrem gemeinsamen Wohnort Hanau-Steinheim. Dort sammelt er Geld für die Restaurierung einer kleinen gotischen Kirche, die zu verfallen droht. Ihm, dem Kontaktriesen, fällt es nicht schwer, Leute für einen guten Zweck zu begeistern. Oder mit ihnen zu feiern. Das tut er am 17. Januar, wenn er ins Volkstheater einlädt. Und als Überraschungsgast in der Vorstellung des „Weißen Röss'l“ auftauchen wird.

          Die besten Sprüche von Frank Lehmann


          „Nichts betäubt die Sinne mehr als leicht verdientes Geld.“

          „Die Logik der Börse ist, daß sie sehr oft unlogisch ist.“

          „An der Börse kann man tausend Prozent gewinnen, aber nur hundert Prozent verlieren.“

          „Mit Geld ist es wie mit Klopapier: Wenn man es braucht, dann braucht man es dringend.“

          „Geld ist weder bös noch gut, es liegt nur an dem, der es brauchen tut.“

          „Reichtum erhärtet ein Herz schneller als kochendes Wasser ein Ei.“

          „Wenn der Deutsche nix mehr zu jammern hat, dann beginnt das große Wehklagen.“

          „Mit Geld ist es wie mit den Frauen: Wenn man sie behalten will, dann muß man sich darum kümmern.“

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