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Folgen der Finanzkrise : Helaba erwartet in Banken deutlichen Stellenabbau

Allen Demonstrationen zum Trotz werden bei der Dresdner Bank und der Commerzbank in Frankfurt infolge der Übernahme Stellen gestrichen Bild: Wonge Bergmann

Die Landesbank Hessen-Thüringen erwartet einen deutlichen Beschäftigungsrückgang in der Bankbranche im Zuge der Finanzkrise. Chefvolkswirtin Traud sieht aber Chancen für Frankfurt, relativ zu „Randfinanzzentren“ wie Düsseldorf an Bedeutung zuzulegen.

          Die Landesbank Hessen-Thüringen erwartet einen deutlichen Beschäftigungsrückgang in der Bankbranche im Zuge der Finanzkrise. Chefvolkswirtin Gertrud Traud sagte auf einer Pressekonferenz eine Reduzierung in zweistelliger prozentualer Höhe voraus. Nach dem Platzen der Dotcom-Blase zu Anfang des Jahrzehnts war die Beschäftigtenzahl in Frankfurt in der Spitze um mehr als fünf Prozent zurückgegangen. Allerdings wurden in der Folge in Frankfurt weit schneller neue Stellen geschaffen, als in ganz Deutschland, was Traud als Konzentration auf den Finanzplatz Frankfurt auslegte.

          Tim  Kanning

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Auch in der jetzigen Krise sieht Traud Chancen für Frankfurt, relativ zu „Randfinanzzentren“ wie Düsseldorf und München an Bedeutung zu gewinnen. Standortvorteile wie die zentrale Lage, die gute Infrastruktur und die hohe Kaufkraft der Region hätten Frankfurt schon vor der Krise ausgezeichnet und blieben nun weiter bestehen. Hinzu komme der Sitz der Europäischen Zentralbank, die in der Krise zur wichtigen Liquiditätsquelle geworden sei. Ausländische Banken müssten zu dem Schluss kommen: „Wenn Deutschland, dann Frankfurt.“

          Auch im internationalen Wettbewerb der Finanzzentren habe Frankfurt zusammen mit Paris insbesondere gegenüber London Boden gut gemacht, da das angelsächsische Bankensystem, in dem Investmentbanking eine größere Rolle spiele, in der Krise besonders gelitten habe. Ein Vorteil Deutschlands sei zudem, dass es hier anders als in den Vereinigten Staaten, Frankreich oder Spanien keine Immobilienblase gebe.

          Zehn Kreditinstitute weniger in Frankfurt

          Andererseits sei klar, dass sich die Zahl der Banken mit Hauptsitz in Frankfurt verringern werde, sagte Traud weiter. Schon Ende des Jahres 2008 habe man in Frankfurt nur noch 230 Kreditinstitute mit Hauptsitz gezählt, nach 240 im Herbst. In der vorherigen Krise sei die Zahl um sieben Prozent zurückgegangen. „Ich vermute, dass der Rückgang diesmal stärker ausfällt“, sagte Traud, nicht zuletzt wegen weiterer Zusammenschlüsse von Banken.

          Traud sprach sich dafür aus, dass es nun keine Konsolidierung des Marktes um jeden Preis geben dürfe. Je weniger Akteure es gebe, desto größer sei die Gefahr der Instabilität, wenn einer wackele. Mit einem Verweis auf das Nebeneinander von Sparkassen, Genossenschaftsbanken und Privatbanken sagte sie: „Vielfalt ist wichtig.“

          Eine Kreditklemme sei in Deutschland noch nicht festzustellen, sagte Traud weiter, betonte aber, dass dies durchaus noch folgen könnte. Die Nachfrage nach Krediten sowohl von Privatpersonen als auch von Unternehmen sei hierzulande bislang weit weniger gesunken als in der gesamten Eurozone. Zugleich seien die deutschen Banken weniger restriktiv bei der Vergabe als jene in der gesamten Eurozone. Ein gewisses Maß an Zurückhaltung bezeichnete Traud indes als notwendig, da viele der jetzigen Probleme auf zu billige Kredite in der Vergangenheit zurückzuführen seien.

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