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Flussschifffahrt : Die Primus-Linie bekommt auf dem Main Konkurrenz

Nur noch bis Ende März der Monopolist bei Main-Fahrten vor der Frankfurter Skyline: die Primus-Linie Bild: ©Helmut Fricke

Jahrelang hatte die Primus-Linie für Schifffahrten vor der Frankfurter Skyline ein Monopol. Künftig kreuzt auch die ungleich größere Köln-Düsseldorfer mit einem Schiff vor der Stadt auf und ab. Die Primus-Linie spricht von Wettbewerbsverzerrung.

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          Noch ist der Kiosk der Köln-Düsseldorfer am Eisernen Steg in Frankfurt verwaist. Gut ein Jahrzehnt lang hat das Unternehmen keine Fahrten mehr auf dem Main angeboten – zuletzt waren in dem Kiosk nur noch Speisen und Getränke verkauft worden. Doch in Kürze soll alles anders sein. In der Köln-Düsseldorfer Deutsche Rheinschiffahrt AG, die sich noch mit zwei „f“ schreibt, hat man sich entschieden, dem Firmennamen zum Trotz vom 10. April an auch wieder auf dem Main zu verkehren. Im Internet ist es schon nachzulesen: Die MS Palladium soll bis Ende Oktober alle 90 Minunten zu einstündigen Fahrten mit Blick auf Frankfurt aufbrechen – ein Stück den Main hinauf, ein Stück den Main hinab, dann wieder zum Eisernen Steg.

          Manfred Köhler

          Stellvertretender Ressortleiter des Regionalteils der Frankfurter Allgemeinen Zeitung und verantwortlicher Redakteur des Wirtschaftsmagazins Metropol.

          Anton Nauheimer findet das gar nicht lustig. Der Besitzer und Geschäftsführer der Primus-Linie blickt dem Ende seines Monopols bei derlei Fahrten mit Sorge entgegen. In den vergangenen Jahren war es allein sein Unternehmen, das mit Schiffen, die Nautilus oder, ganz heimatverbunden, Johann Wolfgang von Goethe heißen, die Schönheiten Frankfurts vom Fluss aus zeigte. Vom 1. April an verlässt jede halbe Stunde ein Schiff den Anleger am Eisenern Steg und fährt in 50 Minuten entweder mainaufwärts bis zur Gerbermühle oder mainabwärts bis zur Schleuse Griesheim und zurück. Mit den fünf Schiffen der Primus-Linie, die sich offiziell Frankfurter Personenschiffahrt Anton Nauheimer GmbH – auch mit nur zwei „f“ – nennt, bietet auch noch andere Fahrten an, bis Aschaffenburg und zur Loreley. Aber die Fahrten vor der Skyline, die etwas hochtrabend „Kreuzfahrten“ genannt werden, sind doch das Brot-und-Butter-Geschäft der Reederei. Ein Drittel seines Umsatzes erziele er mit diesem Geschäftsfeld, berichtet Nauheimer.

          100 Minuten für 8,95 Euro

          Einen Heimvorteil mag er nicht erkennen. Zwar sei den Frankfurtern die Primus-Linie bekannt, doch das Gros der Kunden seien Touristen, denen eher noch die Köln-Düsseldorfer etwas sage. Beim Preis liegen beide Unternehmen nahe beeinander: die Primus-Linie verlangt für eine 50-Minuten-Fahrt in eine Richtung, also zum Beispiel zur Gerbermühle und zurück, 6,95 Euro, wer nach dem Anlegen am Eisernen Steg sitzen bleibt und noch bis zur Schleuse Griesheim und retour fährt, zahlt für 100 Minuten auf dem Wasser 8,95 Euro. Die Fahrten der Köln-Düsseldorfer dauern eine Stunde und kosten 7,80 Euro.

          Anton Nauheimer, dessen Familie seit 1880 Schifffahrt auf dem Main betreibt, fürchtet nicht den Wettbewerb als solchen, findet ihn aber unfair. Die Köln-Düsseldorfer habe eine Tochtergesellschaft in Luxemburg gegründet und spare dadurch ungefähr 20 Prozent ihrer Kosten. So entfielen etwa die bei Arbeitsplätzen auf dem Wasser besonders hohen Beiträge für die Berufsgenossenschaft. Vorwürfe, zu denen sich eine Sprecherin der neuen Konkurrenz nicht äußert. Die Tochter in dem Nachbarland sei nicht gegründet worden, um Kosten zu sparen, sondern um die Ausweitung des Geschäfts voranzutreiben, sagt sie sie lediglich. Ein wenig scheint Nauheimer auch mit Blick auf den Römer verschnupft zu sein. Das Verkehrsdezernat hat nämlich einer fälligen Verlängerung des Pachtvertrags für die Fläche, auf der der Kiosk der Köln-Düsseldorfer steht, nur unter der Auflage zugestimmt, dass dort in Zukunft nicht nur Cola und Würstchen, sondern auch Schiffsfahrkarten verkauft werden.

          Älteste durchgehend notierte AG der Welt

          Der bevorstehende Konkurrenzkampf von zwei Schifffahrtsunternehmen mit nahezu gleichem Angebot zu nahezu gleichem Preis an der nahezu gleichen Anlegestelle wird auch ein wenig die Auseinandersetzung zwischen Klein und Groß sein. Anton Nauheimer besitzt fünf Schiffe, die Köln-Düsseldorfer 15; die Primus-Linie ist ein Familienunternehmen, die Köln-Düsseldorfer eine Aktiengesellschaft, deren Geschichte bis 1827 zurückreicht, weshalb sie sich als älteste, durchgehend notierte AG der Welt bezeichnet. Sie ging nach einer Ertragskrise vor einigen Jahren an die Münchener Beteiligungsgesellschaft Premicon AG, die nach eigenen Angaben für Kapitalanleger in Wachstumsmärkte investiert, wozu neben der Fluss-Schifffahrt auch das Hochseekreuzfahrtschiff MS Astor und Containerschiffe zählen.

          Mit solchen Strukturen kann Nauheimer nicht mithalten. Sein Unternehmen sei zu klein, um etwa ebenfalls eine Tochtergesellschaft in Luxemburg zu gründen, sagt er. Er biete in der Saison 80 Menschen Arbeit, von denen dann die Hälfte fest angestellt sei, und zahle Gewerbesteuer in Frankfurt. Dass er schließlich auch Fahrten bis zur Loreley veranstalte, also mitten in das Gebiet der bis Mainz verkehrenden Köln-Düsseldorfer, lässt er als Argument für deren neues Eindringen nicht gelten – zwischen Mainz und Rüdesheim kooperierten doch sogar die beiden Unternehmen, indem sie gegenseitig die Fahrscheine anerkennen würden. So muss er wohl bis auf weiteres auf seine Spezial-Angebote vertrauen. Einen Tango-Abend auf dem Main, After-Work-Shipping mit Tanz und einen Abend mit einem Zauberer auf den Wellen – das bietet in Frankfurt auch in Zukunft ganz allein Anton Nauheimer an.

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