https://www.faz.net/-gzg-t1bh

Flughafen Frankfurt : Umfrage: Mehrheit für Ausbau wächst

Mittagsruhe oder einen Arbeitsplatz für den Enkel: In Raunheim stellt sich die Frage besonders kraß Bild: AP

Mehr als 60 Prozent der Anwohner im Einzugsgebiet des Frankfurter Flughafens befürworten dessen Ausbau. Gleichzeitig fühlen sich mehr Menschen vor allem durch nächtlichen Fluglärm belastet.

          2 Min.

          Die Zustimmung in der Region für einen Ausbau des Frankfurter Flughafens ist nach einer - von der Betreibergesellschaft Fraport AG in Auftrag gegebenen - Umfrage in den vergangenen vier Jahren gewachsen. Danach sind inzwischen 62 Prozent der Anwohner „eher dafür“, daß die Kapazität erweitert wird. Im Vergleich zu 2002 ist das ein Anstieg um elf Prozentpunkte (siehe Grafik). 76 Prozent der Interviewten teilen die Auffassung der Fraport AG, langfristig würden durch den Ausbau neue Arbeitsplätze geschaffen (2002: 65 Prozent).

          Helmut Schwan

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Andererseits ergab die Erhebung aber auch, daß sich die Menschen in der Region vor allem nachts durch Fluglärm mehr gestört fühlen als früher. Die Belastung empfinden 32 Prozent der Befragten mittlerweile als „stark“ oder „sehr stark“; 2002 lag die Quote noch bei 21 Prozent. Insgesamt haben 60 Prozent der Befragten den Eindruck, der Fluglärm sei in den vergangenen zehn Jahren „eher stärker“ geworden (2002: 47 Prozent).

          Das Institut TNS Infratest, München, hatte im April und Mai 1500 Anwohner im Umland zur „Zukunft des Frankfurter Flughafens“ befragt. Die Region reicht vom Großraum Mainz/Wiesbaden im Westen bis Friedrichsdorf und Nidderau im Norden, Hanau im Osten und Darmstadt im Süden. Die Haushalte wurden laut TNS Infratest ebenso zufällig ausgewählt wie die dort befragten Personen, die allerdings mindestens 18 Jahre alt sein mußten. Seit 1998 läßt der Flughafenbetreiber ein solches Meinungsbild zur Akzeptanz des Flughafens erstellen.

          62 Prozent in der Region sind laut Umfrage für die Erweiterung des Frankfurter Flughafens

          Schaffung von Zehntausenden Arbeitsplätzen

          Fraport-Vorstandsvorsitzender Wilhelm Bender sieht sich durch die Ergebnisse in der Auffassung bestätigt, eine deutliche Mehrheit der Region stehe hinter dem Ausbauprojekt und erwarte, daß es durchgesetzt werde. Jene Politiker, die weiterhin planten, Sand ins Getriebe zu streuen, sollten sich überlegen, daß sie damit meist gegen die Mehrheit in ihren Kommunen oder Landkreisen agierten. Als erstaunlich bezeichnete er in diesem Zusammenhang die Zustimmungswerte in Offenbach (65 Prozent/100 Befragte) und Mainz (61 Prozent/100 Befragte), wo der Widerstand gegen den Ausbau bisher als besonders hoch angenommen worden sei. In Frankfurt, das je nach Stadtteil unterschiedlich von einer neuen Landebahn belastet wäre, befürworten 58 Prozent (250 Befragte) den Ausbau. Bender sagte zu den Sorgen einer wachsenden Lärmbelastung, indem Fraport im Zuge des Ausbaus ein Nachtflugverbot beantragt habe, habe man die stärkste Form gewählt, die Vorgaben der Mediation zum Schutz der Anwohner zu realisieren.

          Als „deutliche Bestätigung für den Kurs von Ministerpräsident Roland Koch (CDU), den Flughafenausbau konsequent voranzutreiben“, wertete der Sprecher der Landesregierung, Dirk Metz, die Ergebnisse der Umfrage. Die Menschen hätten ein Gespür für die Bedeutung der Ausbauentscheidung für die Zukunft des Rhein-Main-Gebiets und Hessens und für die Schaffung von Zehntausenden Arbeitsplätzen. Ähnlich äußerte sich der frühere Wirtschaftsminister Dieter Posch als verkehrspolitischer Sprecher der FDP-Landtagsfraktion. Er erinnerte daran, daß die FDP sich als erste Partei für den Bau einer vierten Bahn ausgesprochen habe. Die Grünen bezeichneten die Ergebnisse hingegen als „bestellte Propaganda“: Wenn trotz eines gewaltigen Einsatzes der Fraport AG „und ihrer Verbündeten bis hin zur Landesregierung“ magere elf Prozentpunkte mehr Zustimmung präsentiert würden, dann sei das keine Sensation, sondern eher ein „Armutszeugnis für die Ausbaufetischisten“, sagte der Parlamentarische Geschäftsführer der Grünen-Fraktion im Landtag, Frank Kaufmann.

          Raunheims Bürgermeister Thomas Jühe (SPD), der Vorsitzender der Frankfurter Fluglärmkommission ist, kritisierte, durch die Methode der Befragung seien vom Fluglärm Betroffene und weitgehend nicht Betroffene in einer Gruppe zusammengefaßt worden. Es wäre besser dort gefragt worden, „wo der Lärm die Menschen verzweifelt macht und zur Abwanderung treibt“.

          Weitere Themen

          Tschaikowksy, auf links gedreht

          Neuer „Nussknacker“ : Tschaikowksy, auf links gedreht

          Tim Plegge hat für seinen „Nussknacker“ nicht nur die Familie neu erzählt, sondern den Groove in der Musik entdeckt. Er erzählt Anfang, Mitte und Ende mit offenen Fragen.

          Topmeldungen

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.