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Flughafen Frankfurt : Fraport setzt verstärkt auf Immobilien

Soll Wachstum für den Flughafenbetreiber bringen: das geplante Airrail Center Bild: Simulation IVG

Fraport hat im Immobiliengeschäft in diesem Jahr bislang kräftig verdient. Der Umsatz ist um 3,6 Prozent auf 1,62 Milliarden Euro gewachsen. Doch Konzernchef Bender warnt: Ohne den Flughafenausbau werde das Wachstum stagnieren.

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          Der Frankfurter Flughafenbetreiber Fraport AG will sein Immobiliengeschäft neu ordnen, zum zweiten Kerngeschäft entwickeln und möglicherweise komplett in eine eigenständige Immobilien AG auslagern. Das sagte der Vorstandsvorsitzende des Unternehmens, Wilhelm Bender, als er die Neun-Monats-Zahlen des Konzerns präsentierte. Sie weisen unter anderem einen um 3,6 Prozent auf 1,62 Milliarden Euro gesteigerten Umsatz und ein um fast 48 Prozent auf gut 200 Millionen gestiegenes Ergebnis aus.

          Jochen Remmert

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung, zuständig für Flughafen und Offenbach.

          Als Abkehr vom bisherigen Kerngeschäft will Bender die neue Immobilienstrategie des Konzerns freilich nicht gedeutet wissen: „Ohne Flieger wären auch die Immobilien nicht attraktiv“, hob er hervor. Selbstverständlich könne nur ein weiterhin florierender Flugbetrieb in Frankfurt den Wert der Immobilien auf den 19 Quadratkilometern Flughafenfläche und auf den neuen Arealen wie Gateway Gardens, Airrail Center und Mönchhofgelände auf Dauer sichern. Ohne den zügigen Ausbau der Kapazitäten - der geplanten Nordwestlandebahn - sei weder das eine noch das andere möglich.

          Stagnation am Heimatstandort Frankfurt

          Wie lukrativ eine effiziente Bewirtschaftung der Immobilien am Flughafen sein kann, verdeutlicht ein Beispiel: In den Terminals läßt sich je Quadratmeter und Jahr ein Ertrag von bis zu 9000 Euro erwirtschaften. Jeder zusätzliche Zehn-Quadratmeter-Laden würde also das Ergebnis um bis zu 90.000 Euro verbessern, ohne daß größere Investitionen vorausgehen müßten. Deshalb gehört es auch zur neuen Immobilienstrategie der Fraport AG, die Bestände daraufhin zu überprüfen, wo lukrativ zu vermarktende Quadratmeter derzeit noch von Fraport selbst belegt werden. Die unternehmenseigenen Abteilungen sollen dann in weniger gewinnträchtige Lagen umgesiedelt werden. Bei Fraport verspricht man sich gerade von einer besseren Nutzung bestehender Immobilien in nächster Zeit deutliche Ertragszuwächse, wie ein Sprecher sagte.

          Laut Bender steht dem robusten Wachstum im Konzern, der gut 28.000 Mitarbeiter zählt, eine Stagnation am Heimatstandort Frankfurt gegenüber, wo rund 17.500 beschäftigt sind. Noch zu Beginn des Jahres habe sein Haus mit einem Wachstum der Passagierzahlen von zwei Prozent für das laufende Jahr gerechnet, nun habe man die Erwartungen für Frankfurt auf ein Prozent Zuwachs zurücknehmen müssen. Anders als Gegner des Flughafenausbaus will Bender das aber nicht als Indiz dafür gelten lassen, daß sich die Nachfrage bei den Fluggesellschaften nach Start- und Landezeiten geringer entwickelt als erhofft. Vielmehr seien Airlines aus Asien, insbesondere aus China, die auf den europäischen Markt drängten, gerade an solchen Slots in Frankfurt interessiert, die man aber zur Zeit nicht oder nicht in den attraktiven Zeiten des Tages anzubieten habe.

          Für 2007 wird ein geringerer Gewinn erwartet

          Freie Kapazitäten, die beispielsweise mit dem Wegfall der Charterflüge für amerikanische Soldaten entstanden sind, liegen meistens in den Tagesrandzeiten zwischen fünf und sechs Uhr am Morgen oder zwischen 22 und 23 Uhr am Abend, wie Bender weiter sagte. Die aber seien für die internationalen Airlines nicht attraktiv. Anders als sonst üblich vermied Bender es gestern, ein Datum für die mögliche Inbetriebnahme der Nordwestlandebahn zu nennen.

          Bender rechnet zwar nach wie vor damit, daß der notwendige Planfeststellungsbeschluß, wie vom Hessischen Wirtschaftsminister avisiert, bis Ende 2007 vorliegen wird. Genauso sicher geht er allerdings davon aus, daß sogenannte Stoppanträge beim hessischen Verwaltungsgerichtshof in Kassel gegen diesen Beschluß gestellt werden.

          Für 2007 rechnet Fraport mit einem leichten, aber geringeren Gewinn als in diesem Jahr, wie Finanzvorstand Stefan Schulte sagte. Sondereffekte wie das Auflösen von Rückstellungen, die erhaltene Zahlung für das Projekt in der philippinischen Hauptstadt Manila und der Erlös aus dem Verkauf einer Unternehmenstochter, die das Ergebnis 2006 verbesserten, fielen dann weg. Sowohl am Flugbetrieb als auch an der Flugzeugabfertigung am Boden wird Fraport wohl auch nicht mehr soviel verdienen wie in diesem Jahr. Bei der Bodenabfertigung wirkt sich aus, daß die Fluggesellschaften auf niedrigere Gebühren drängen.

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