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Flughafen Frankfurt : Das Tor zur Welt ist zu

  • -Aktualisiert am

Ein Airbus A380 der Fluggesellschaft Lufthansa steht nach der Landung am Flughafen Frankfurt in seiner Parkposition. Bild: dpa

Die Pandemie hat den Flughafen Frankfurt und die Lufthansa mit bislang nicht vorstellbarer Wucht getroffen. Und doch müssen beide längst wieder intensiv an einer Strategie für den Start nach Corona arbeiten.

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          Stefan Schulte, der Chef des Frankfurter Flughafens, wird dieser Tage keine Freude an seinem Job empfinden. Einen Flughafen mit laufenden Kosten in Millionenhöhe praktisch ohne Umsatz fahren zu müssen ist etwas, das bis vor wenigen Wochen allenfalls in den schlimmsten aller anzunehmenden Albträume eines Airport-Managers vorgekommen ist. Nicht weniger schlimm hat es seinen Hauptkunden und Lufthansa-Vorstandschef Carsten Spohr getroffen. Wie mag jemand noch Schlaf finden, dessen Unternehmen gerade je Stunde eine Million Euro Liquidität verliert, unmittelbar nach den drei besten Geschäftsjahren überhaupt. Genau das ist gerade Realität geworden – durch das Coronavirus.

          Es ist eine Wirklichkeit, die auch der durchaus adrett gekleidete, durch ein Handicap gebeugt gehende Mann am anderen Ende der Einkommensskala spürt, der an diesem Vormittag unauffällig in die Edelstahl-Müllbehälter des Frankfurter Flughafens späht. Der Gekrümmte sucht Flaschen. Doch wo keine durstigen Passagiere sind, finden sich in den Behältern auch keine in Eile weggeworfenen Plastikflaschen oder Dosen, für die sich ein paar Cent erlösen lassen: Auch dem Pfandflaschensammler nimmt das Coronavirus die Einnahmen. Wohl auch deshalb will er nicht über seine Lage sprechen, er winkt ab und geht weiter mit seinem Trolley, mit dem man ihn auf den ersten flüchtigen Blick für einen Reisenden hätte halten können. Genau wie die Frau, die – wie beinahe immer – einen Stock tiefer auf einer Bank im Abflugbereich A mit leichtem Reisegepäck sitzt. Nur ist in Koffer und Reisetasche keine Garderobe, sondern, in besseren Zeiten, ebenfalls Pfandgut.

          347.000 Passagiere weniger

          Aber die Zeiten sind schlechter als je zuvor in den vergangenen Jahrzehnten. Auch schlechter als in der Finanzkrise 2007/2008. Gerade auch für den Frankfurter Flughafen und alle Fluggesellschaften, die hier sonst an einem einzigen Tag für rund 1400 Flugbewegungen sorgen. Zuletzt waren es in einer kompletten Kalenderwoche nicht mehr. Hauptkunde Lufthansa hat vor Corona 350.000 Passagiere am Tag in den Konzernairlines befördert, derzeit sind es noch 3000, also tatsächlich 347.000 weniger.

          Für Fraport und die Lufthansa ging es mit dem Ausbruch der Krise und der Gewissheit darüber, mit welcher Brutalität die Luftverkehrswirtschaft getroffen werden würde, darum, den Betrieb geordnet, aber schnellstmöglich herunterzufahren: um die Kosten rasch zu senken, denn die Einnahmen waren plötzlich im freien Fall. Für den Chef des größten deutschen Flughafens war das eine extrem bittere Pille: ein Terminal ganz, das andere in Teilen und dann auch noch zwei Pisten stillzulegen und eine als Parkplatz zu vermieten.

          Schlimmer geht fast nicht, aber nur fast: Lufthansa-Chef Carsten Spohr hat in kürzester Zeit 700 von den gut 760 Flugzeugen des Konzerns abstellen müssen. Und weil auch er und seine Lufthanseaten genau wissen, dass keine Zeit ist, in Schockstarre zu verharren, liegt dem Konzernchef schon ein Konzept vor, wie die Lufthansa nach der Krise aussehen wird. Sicher ist, sie wird schrumpfen: Die Flotte wird demnach rund 100 Flugzeuge kleiner sein. Das bedeutet rechnerisch, dass auch 10.000 Mitarbeiter weniger benötigt werden, wobei die Lufthansa mit umfassenden Teilzeitangeboten versuchen will, diese Zahl so stark wie möglich nach unten zu drücken.

          Das Management setzt dabei auch auf die Solidarität der Lufthanseaten untereinander. Etwa die Piloten sind bereit, für zwei Jahre auf bis zu 45 Prozent ihres Gehalts zu verzichten, wie die Vereinigung Cockpit mitteilte. Doch ungeachtet eines solchen beachtlichen möglichen Beitrags zur Rettung des Unternehmens, sind bei einem Einschnitt, wie ihn die Lufthansa vor sich hat, realistischerweise auch betriebsbedingte Kündigungen nicht auszuschließen.

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