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Flughafen-Ausbau : Rogowski unterstützt Bender beim Großprojekt

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Der Ausbau des Frankfurter Flughafens ist erstens unbedingt erforderlich und muß zweitens als nationale Aufgabe verstanden werden - nicht als Begehren von lediglich regionaler Bedeutung. Daß Fraport-Vorstandschef ...

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          Der Ausbau des Frankfurter Flughafens ist erstens unbedingt erforderlich und muß zweitens als nationale Aufgabe verstanden werden - nicht als Begehren von lediglich regionaler Bedeutung. Daß Fraport-Vorstandschef Wilhelm Bender und sein Lufthansa-Amtskollege Wolfgang Mayrhuber diese Auffassung vertreten, ist bekannt. Gestern nun sprang ihnen Michael Rogowski, Präsident des Bundesverbandes der deutschen Industrie (BDI), bei einem Pressegespräch am Frankfurter Flughafen zur Seite. Um konkurrenzfähig arbeiten zu können, sei die deutsche Industrie auf eine gute Mobilität angewiesen - gerade auch auf einen bedarfsgerecht organisierten Flugverkehr, sagte Rogowski.

          Kapazitätsengpässe müßten möglichst rasch durch einen Ausbau des Flughafens beseitigt werden; auf diese Weise lasse sich die internationale Wettbewerbsfähigkeit der Luftverkehrsindustrie sichern. "Stranguliere" man aber das Drehkreuz Frankfurt, riebe sich die Konkurrenz die Hände, "und die sitzt nicht in Deutschland, sondern im Ausland", äußerte Rogowski. Die Luftverkehrsbranche sieht er als eine strategische Schlüsselindustrie, die als Technologie- und Exportmotor funktioniere. Das hohe Wachstumspotential der Branche würde aber durch strukturelle Schwächen wie zu geringe Kapazitäten, zu lange Planungszeiträume und Genehmigungsverfahren sowie zu hohe Standortkosten gefährdet. Vor allem sind aus Rogowskis Sicht die Kosten für die Sicherheitsvorkehrungen an Flughäfen eine originäre Aufgabe des Staates und sollten nicht weiterhin die Fluggesellschaften belasten. Michael Kerkloh, Vorsitzender der Geschäftsführung des Flughafens München, sieht das ganz ähnlich: Nach den Terroranschlägen vom 11. September 2001 in New York seien diese Kosten um etwa 100 Prozent gestiegen. "Das kann so nicht sein", meinte er gestern.

          Die Bundesregierung denkt allerdings zur Zeit nicht daran, die Airlines zu entlasten. Ganz im Gegenteil ist eine Kerosinsteuer im Gespräch. Vor Ideen dieser Art warnte der Industrie-Präsident die Regierung erwartungsgemäß eindringlich. Den Luftverkehr auch noch mit zusätzlichen Kosten zu belasten - die Kerosinsteuer würde mit etwa fünf Milliarden Euro zu Buche schlagen -, mache kein einziges Flugzeugtriebwerk umweltfreundlicher, gefährde aber mit großer Wahrscheinlichkeit Arbeitsplätze, führte Rogowski aus.

          Welche Bedeutung die Luftverkehrsbranche als Arbeitgeber alleine für die Rhein-Main-Region hat, machte Mayrhuber deutlich: Sein Unternehmen beschäftige in diesem Ballungsraum 33000 Menschen und sei damit der größte Arbeitgeber im Bundesland Hessen. Zudem sei die Bandbreite der im Luftverkehr angebotene Jobs so groß wie in kaum einer anderen Branche - vom Ladearbeiter bis hin zum hochqualifizierten Experten.

          Wie Mayrhuber weiter erläuterte, zahlen die am Flughafen Frankfurt tätigen Firmen zur Zeit im Jahr eine Lohnsumme in Höhe von etwa 2,7 Milliarden Euro - Geld, das zu einem guten Teil wieder in der Region ausgegeben werde und so der regionalen Wirtschaft zugute komme.

          Derzeit arbeiten am Flughafen Frankfurt nach Angaben der Betreibergesellschaft Fraport alles in allem 63000 Menschen. Nach dem Ausbau, vor allem der Schaffung der umstrittenen Landebahn nordwestlich des heutigen Flughafengeländes, soll es 100000 Arbeitsplätze am und rund um den Frankfurter Flughafen geben.

          Was Verzögerungen beim Ausbau des Flughafens betrifft, übt sich der Lufthansa-Chef zumindest öffentlich in Langmut: Die Engpässe in Frankfurt könne seine Fluggesellschaft derzeit noch mit einem Ausweichen auf München kompensieren. Frankfurt und München seien aber keine Alternative, sondern ein "Sowohl-Als auch", hob Mayrhuber hervor. Die Lufthansa brauche Frankfurt, und je früher der Ausbau gelinge, um so besser sei es.

          Grundsätzlich beurteilt der Chef der Kranich-Airline die Aussichten für die Branche gut: Die zyklische Krise nach der Lungenkrankheit Sars und den Anschlägen vom 11. September 2001 sei überwunden, was man an Wachstum und Kapazitäten auf den Markt bringe, werde gekauft - "und zwar zu vernünftigen Preise", so Mayrhuber.

          Aus Sicht von Fraportchef Wilhelm Bender hat der Frankfurter Flughafen gute Chancen, eines jener Mega-Drehkreuze des internationalen Luftverkehrs zu werden, von denen es auf der Welt nach einer Untersuchung der Boston Consulting Group nur wenige, in Deutschlands allenfalls eins geben wird. 53 Prozent der Fluggäste stiegen in Frankfurt um. Das sei in Europa der höchste Wert, führte Bender weiter aus. Dies zeige, wie wichtig der Flughafen als Drehscheibe sei. Ohne einen Ausbau des Flughafens und eine Kapazitätserweiterung auf 120 Starts und Landungen in der Stunde werde Frankfurt die Position eines Mega-Hubs im internationalen Luftverkehr aber kaum erreichen können. Das würde der Studie zufolge bedeuten, daß Frankfurt einer jener Standorte werden könnte, an denen beispielsweise gerade erst fertiggestellte Terminals weitgehend unausgelastet blieben und sich als Fehlinvestitionen erwiesen.

          Die Fluglinien, so prognostizierten es die Autoren der Studie, würden versuchen, den steigenden Kostendruck an die Flughäfen weiterzugeben. Eine zu geringe Auslastung und "schlechte Kostenstrukturen" brächten auf diese Weise manchen Flughafen, der bisher allein auf Wachstum ausgerichtet seien, in Schwierigkeiten.Jochen Remmert

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