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Flebbe eröffnet Kino im MyZeil : Vom Saulus zum Paulus

In der Lounge: Kino-Unternehmer Hans-Joachim Flebbe, Gründer der Astor-Filmkette Bild: dpa

Der Hamburger Kino-Unternehmer Flebbe eröffnet eine Astor Filmlounge im Frankfurter Einkaufszentrum My Zeil. Als Konkurrent der lokalen Betreiber sieht er sich nicht.

          Wer ungern über den Popcorn-Teppich der vorigen Vorstellung läuft und den Mief lauwarmer Käsesauce und Nachos nicht leiden kann, gibt womöglich ein paar Euro mehr aus für ein besonderes Kinoerlebnis. Das würde Hans-Joachim Flebbe selbst auch tun. Obwohl er, in einem früheren Leben, als Gründer der Multiplex-Kinos Cinemaxx der Schrecken der Traditionskinos war. 2008 war damit Schluss, seitdem setzt Flebbe als Einzelunternehmer auf das besondere Kinoerlebnis.

          Eva-Maria Magel

          Kulturredakteurin in der Rhein-Main-Zeitung.

          Allerdings weniger, was das Programm angeht, das sei „gehobener Mainstream“. Eher, was das Ambiente betrifft. Valet-Parking, Garderobe, Begrüßungsgetränk und elektrisch verstellbare Sessel mit Beinfreiheit: Was in Köln, Hamburg, Berlin und München schon funktioniert, will der Hamburger Kinounternehmer Hans-Joachim Flebbe in wenigen Tagen auch in Frankfurt bieten. Eine Astor Filmlounge, wie es sie vor gut drei Jahren noch in der Zeilgalerie gegeben hatte. Nur mit noch mehr Räumen, Service und Komfort. „Es wird eine Filmpremiere zur Eröffnung geben - welche, wissen wir noch nicht“, sagt Flebbe. Ende September solle Eröffnung sein, „April war angedacht, aber wir haben keinen Druck.“

          Mit gehobener Ausstattung

          Alte Kinos neu zu bespielen war schon früh in der Karriere des 1951 in Hannover geborenen Unternehmers eine Konstante. Der Wandel vom Saulus der Branche zum Paulus hat dazu geführt, dass in Berlin der traditionsreiche Zoopalast und in München das Arri Kino jetzt mit gehobener Ausstattung, aber auch gehobenen Preisen weiterbetrieben werden. Mittlerweile modelt er große Cinemaxx-Multiplexe zu bequemeren Kinos mit besserem Ton um: „Im Saal sitzen und den Ton der anderen hören gibt es nicht.“ Derzeit baut er in Braunschweig ein Cinemaxx zu einer „neuen Art von Multiplex“ um, ein Upgrade für mehr als 2600 Plätze. Diese neuen Multiplexe und die Astor Filmlounges, die oft in historischen Kinos angesiedelt sind, bilden Flebbes Unternehmen. Seine Frau sei der Scout für die Filme, die Kinder, 22 und 25 Jahre alt, können sich vorstellen, weiterzumachen. „Mir macht das Spaß.“

          Vor zehn Jahren hat er mit dem Konzept angefangen, gerade 2018/19 ist ein umtriebiges Jahr: „Wir machen innerhalb eines Jahres vier Kinos auf“, berichtet er, unter anderem in Hamburg und München. In Frankfurt investiert er allein sechs Millionen Euro. Für alles, was über den Rohbau hinaus geht, steht er selbst gerade. „Das ist viel Geld für überschaubar große Kinos“, gibt er zu. Schlaflose Nächte bereite ihm das nicht: „Ich bin schon lange im Geschäft.“ Technisch sei das neue Kino, wie alle Astor Filmlounges, auf dem neuesten Stand, vor allem das Dolby-Atmos-Tonsystem biete „3D für die Ohren“. Überhaupt solle es „mehr Theateratmosphäre“ geben.

          Wie eine Bibliothek ausgestattete „Clubkinos“

          Mittlerweile ist die Speiseetage Foodtopia im My Zeil mit allen Restaurants eröffnet, in den Kinos wird aber noch gearbeitet. Der Anspruch ist hoch: Ein Saal mit 200 Plätzen, zwei mittelgroße Säle und zwei wie eine Bibliothek ausgestattete „Clubkinos“ soll die Astor Filmlounge bieten. Wegen der vielen Richtlinien, die in einer Shopping Mall und einem Hochhaus bei Brandschutz und Sicherheit einzuhalten seien, sei der Bau aufwendig gewesen: „Es wird eines der sichersten Kinos in Deutschland“, sagt Flebbe. Der Aufwand ist auch für ihn eine neue Erfahrung. Noch nie hat er mit einem Einkaufszentrum zusammengearbeitet.

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