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Finanzstaatssekretär Kukies : „Unsere Banken sind dramatisch zu teuer“

Zu Gast bei den Familienunternehmen: Staatssekretär Jörg Kukies. Bild: Andreas Pein

Ein ehemaliger Frankfurter in Berlin: Der frühere Goldman-Sachs-Chef Jörg Kukies ist heute Staatssekretär im Bundesfinanzministerium. Kritik wegen der Bankenfusion will er nicht auf sich sitzen lassen.

          Mit einer Sache möchte Jörg Kukies jetzt endlich aufräumen. Die Frankfurter Bankenfusion ist gescheitert, Commerzbank und Deutsche Bank bleiben, wie sie sind, doch die Nacherzählung dieser Geschichte stört den Finanzfachmann, der vor einem Jahr von der Spitze der Investmentbank Goldman Sachs in Deutschland als Staatssekretär zu Olaf Scholz (SPD) ins Bundesfinanzministerium gewechselt ist. Von dort aus, so war immer wieder zu lesen und zu hören, soll Kukies den Zusammenschluss der beiden größten Privatbanken des Landes angebahnt haben.

          Daniel Schleidt

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          „Jeder, der das behauptet, ignoriert die Fakten“, sagte Kukies am Dienstagabend beim Verband „Die Familienunternehmer“, der eigenen Angaben zufolge die Interessen von 180.000 Unternehmern in Deutschland repräsentiert. Natürlich, so erläuterte Kukies, sei es für einen Staatssekretär mit Zuständigkeit für den Finanzmarkt Teil seiner Aufgabenbeschreibung, regelmäßig mit den Managern der wichtigsten deutschen Banken zu sprechen. Aber letztlich sei es doch allein deren Entscheidung, ob ihre Häuser fusionierten oder nicht.

          Kukies war an diesem Tag von Berlin, seinem Dienstsitz, nach Frankfurt gekommen, der Region, die seine Heimat ist und in der er nach wie vor wohnt. In Mainz ist er aufgewachsen, bevor er auf Elite-Unis wie der Sorbonne und Harvard studiert hat. Bei Goldman Sachs in Frankfurt hat er Karriere gemacht. Das, was Kukies im Berliner Finanzministerium tut, ist manchmal erklärungsbedürftig: Er kümmert sich Regulierungsregeln, haftendes Kapital, faule Kredite, Brexit-Folgen. Ein Termin vor Unternehmern war da eine willkommene Gelegenheit, die komplexe Berliner Welt einmal greifbar zu machen.

          Philosophie von nationalen Champions

          In den vergangenen Wochen war der 51 Jahre alte ehemalige Manager und heutige Beamte in der Region in die Kritik geraten, weil er die Bankenfusion zu stark gefordert und befördert haben soll, was viele Experten am Finanzplatz als Einmischung in privatwirtschaftliche Angelegenheiten verstanden haben. Und die, so hieß es, stehe der öffentlichen Hand nun einmal nicht zu.

          Kukies scheint über das Scheitern der Fusion auch nicht nachhaltig verärgert, oder zumindest zeigte er es am Dienstag nicht. Sicher, Deutschland brauche global tätige, wettbewerbsfähige Banken, doch das müsse nicht eine einzige Großbank sein. Im Gegenteil. Die Philosophie von nationalen Champions, wie sie Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) in seiner nationalen Industriestrategie vertritt, hält Kukies in seinem Spezialgebiet für nicht sinnvoll. „Es wäre völlig ungesund, wenn es in der deutschen Volkswirtschaft nur eine Großbank gäbe, aber davon sind wir zum Glück weit entfernt.“

          Viel wichtiger als die reine Größe einer Bank sei das Verhältnis von Kosten und Erträgen, und das gibt dem Staatssekretär Anlass zur Sorge: „Da sind unsere Banken dramatisch zu teuer.“ Eine deutsche Bank muss im Schnitt 75 Cent aufwenden, um einen Euro zu verdienen. Diese sogenannte Cost-Income-Ratio ist laut Kukies damit europaweit „mit Abstand am höchsten“. In spanischen Geldhäusern beträgt der Wert im Schnitt 50, in italienischen Instituten 55 Prozent.

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