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Zentrum für Sozialunternehmer : Finanzsorgen im Social Impact Lab

Vor einer ungewissen Zukunft: Büroräume des Social Impact Labs in Frankfurt-Bockenheim. Bild: Frank Röth

Acht Social Impact Labs gibt es in Deutschland. Das Frankfurter Gründerzentrum für Sozialunternehmer verliert nun seine Geldgeber und gibt sein Coworking-Büro auf. Die Betreiber hoffen auf Hilfe vom Staat.

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          Ein Start-up, das Pfleger aus Italien rekrutiert und ihnen auch Deutsch beibringt; ein soziales Netzwerk, in dem sich Behinderte und Nichtbehinderte verabreden können; eine Bankingsoftware für Mikrokreditgeber in Uganda; ein ehemaliger Gefängnisinsasse, der Schülern zu einem gesetzestreuen Leben rät; eine Wettervorhersage für Bauern in Kenia. Wer Michael Wunsch nach Beispielen für erfolgreiche Gründungen fragt, die aus dem Social Impact Lab hervorgegangen sind, muss sich viel Zeit nehmen, so viele kann er aus dem Kopf benennen.

          Falk Heunemann

          Wirtschaftsredakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Seit fünf Jahren gibt es das spezielle Gründerzentrum an der Falkstraße in Frankfurt, das sich um sogenannte Sozialunternehmer, auch „Social Entrepreneurs“ genannt, kümmert. Gründer also, die hoffen, eine Lösung für soziale und gesellschaftliche Missstände gefunden zu haben und daraus eine Geschäftsidee entwickeln wollen. Mehr als 120 solcher Start-ups hat das Social Impact Lab unterstützt, die Gründer konnten das Coworking-Büro nutzen und erhielten laufend Beratung. Gründerpreis-Sieger wie die Flüchtlings-Schneiderei Stitch by Stitch und die Kreditplattform Awamo haben in dem Großraumbüro in Bockenheim ihre Geschäftsmodelle entwickelt. Politiker, Wirtschaftsförderer und Wirtschaftsvertreter haben sich gern im Social Impact Lab gezeigt, das für einen sanften Kapitalismus zu stehen schien.

          Keine dauerhafte Unterstützung

          Doch die Tage des Social Impact Lab scheinen gezählt. Schon Ende November müssen die ersten Gründer ausziehen. Die beiden wichtigsten Geldgeber, die KfW-Stiftung und die Beisheim-Stiftung, haben angekündigt, zum Jahresende die Förderung einzustellen. Es sei von Anfang an nur eine Anschubfinanzierung geplant gewesen, sagt Martina Köchling, Programmdirektorin der KfW-Stiftung. „Wir können das nicht dauerhaft unterstützen.“ Sie fände es schade, wenn sich keine Anschlussfinanzierung finden würde, denn die Einrichtung sei ein Erfolg. „Das Lab hat vielen Sozialunternehmern geholfen, ihre Idee marktreif zu entwickeln.“ Wie hoch die Summe war, die an das Social Impact Lab geflossen ist, wollen die beiden Stiftungen nicht mitteilen. Aus dem Gründerzentrum heißt es, nun müsse eine Finanzlücke von 250.000 bis 300.000 Euro im Jahr geschlossen werden. Ein erheblicher Teil davon wird für die Miete des mehr als 600 Quadratmeter großen Coworking-Büros benötigt, wie Birgit Heilig erläutert, die zusammen mit Wunsch das Social Impact Lab in Frankfurt leitet.

          Acht solcher „Labore“ gibt es bundesweit, unter anderem in Hamburg, Leipzig, München und Stuttgart. Ihr Träger ist eine gemeinnützige GmbH aus Potsdam, die geleitet wird von Norbert Kunz, der 2011 das erste Social Impact Lab in Berlin eröffnet hatte. Finanziert werden die Einrichtungen von Stiftungen, Wohlfahrtsverbänden, Bundes- und Landesministerien, dem Europäischen Sozialfonds und auch Unternehmen wie SAP und Haniel. Die Mittel fließen dabei fast immer an konkrete Projekte. In Frankfurt gibt es das Förderprojekt „Andersgründer“, das Gründerprogramm „Chancennutzer“ für Migranten und „StartHope@Home“, bei dem Flüchtlinge in ihren Heimatländern Start-ups aufbauen. „Chancennutzer“ und „StartHope@Home“ sind bis mindestens Mitte 2020 finanziell gesichert. Nicht aber das für die Einrichtung zentrale Programm „Andersgründer“.

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