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Finanzplatz Frankfurt : Pokern, Bangen und Warten im Bankenviertel

Der Mutterkonzern Allianz will die Dresdner Bank in zwei „marktfähige Institute” aufspalten Bild: dpa

Die Bankenwelt ist im Fluss: In fast allen Geldinstituten werden derzeit Fusionsmöglichkeiten und Strategiewechsel durchgespielt. Die anstehenden Fusionen könnten den Finanzplatz Frankfurt stärken - oder auch schwächen.

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          Die Deutsche Bank ist eine Baustelle. Zumindest, was ihre beiden Türme an der Frankfurter Taunusanlage anbelangt. Hier und da ist die glitzernde Spiegelglasfassade abmontiert, dahinter ist schnöder Beton zu sehen. Sonst ist wenig zu sehen hinter den großen Bauzäunen, ab und zu schallt ein dumpfes Rumoren herüber. Wenn der Doppelturm fertig saniert ist, soll alles an dem Gebäude effizienter sein.

          Tim  Kanning

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Die Baustelle taugt als Sinnbild für die deutsche Bankenlandschaft. Bei einigen Häusern hat die Finanzkrise die Fassade demoliert, und es scheint hierzulande kaum ein größeres Kreditinstitut zu geben, in dem nicht heftig über Strategiewechseln und Fusionsplänen nachgedacht wird. Nur wenig dringt nach außen, allenfalls das eine oder andere Gerücht.

          Fusionen könnten viele Stellen kosten

          Für den Finanzplatz Frankfurt könnten die Umbauten weitreichende Folgen haben. Beispiel Dresdner Bank: Bis Ende des Monats will der Mutterkonzern Allianz seine Tochter in zwei „marktfähige Institute“ aufspalten, vornehmlich um die relativ erfolgreiche Privat- und Geschäftskundenbank zum Verkauf anzubieten, wie in der Branche gemunkelt wird. Fast wöchentlich werden neue Interessenten dafür ins Gespräch gebracht. Dem neuesten Gerücht zufolge schaut die China Development Bank in die Bücher. Hartnäckig hält sich aber auch die Information, wonach die Commerzbank den Konkurrenten übernehmen wolle.

          Diese „Frankfurter Lösung“ fürchten vor allem die Mitarbeiter. Denn von der Hausverwaltung bis in die Führungsetagen dürften mit dem Zusammenschluss in den ähnlich strukturierten Banken viele Stellen doppelt besetzt sein. Die Gewerkschaft Verdi fürchtet, dass in beiden Häusern jeweils bis zur Hälfte aller Arbeitsplätze wegfallen könnten.

          Doch nicht nur die Banken selbst, auch die mit ihnen verwobenen Finanzdienstleister in der Stadt müssten neu aufgestellt werden. Die Fondsgesellschaft Allianz Global Investors zum Beispiel, der Nachfolger der Dit, die an der Mainzer Landstraße knapp 1000 Mitarbeiter beschäftigt, vertreibt ihre Produkte zu zwei Dritteln über die Dresdner-Bank-Filialen. Bei der Commerzbank spielt die Cominvest eine ähnliche Rolle. Insider rechnen damit, dass bei einem Zusammengehen der beiden Banken auch solche Einheiten zur Verhandlungsmasse würden.

          Internationale Lösung bedeutet keine Jobgarantie

          Commerzbank-Chef Martin Blessing bekräftigte in einem Schreiben an die Aktionäre, dass das Haus „für externes Wachstum gut aufgestellt“ sei. Allerdings zeigten die Quartalszahlen, die die zweitgrößte deutsche Bank vorlegte, dass die Finanzkrise weiter anhält. Der operative Gewinn war abermals nicht einmal halb so groß wie jener im Vorjahreszeitraum. Die Dresdner Bank legt am Freitag ihre Zahlen vor. Bei der Deutschen Bank betrug der von April bis Juni erwirtschaftete Vor-Steuer-Gewinn gerade ein Viertel dessen des Vorjahreszeitraums. Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann, der im Februar als Erster Interesse an der ebenfalls zum Verkauf stehenden Postbank gezeigt hatte, sagte jüngst, das aktuelle Marktumfeld sei „nicht gerade verlockend“.

          Es ist auch noch längst nicht ausgemacht, dass es zu einer rein deutschen Lösung kommt. Die Dresdner Bank ruft auch ausländische Interessenten auf den Plan. Die spanische Banco Santander oder auch die Bank of America könnten über den Silberturm den Einstieg ins deutsche Privatkundengeschäft suchen, wie es heißt. Viele Mitarbeiter zumindest sähen einen solchen Einstieg lieber, weil dabei ihrer Ansicht nach die bestehenden Strukturen genutzt und nicht abgebaut würden.

          Eine Jobgarantie bedeutete eine internationale Lösung aber auch nicht. Seit 2005 in ausländischer Hand ist die HypoVereinsbank, die in und um Frankfurt etwa 600 Männer und Frauen beschäftigt. Trotz recht überzeugender Vierteljahreszahlen wird spekuliert, dass die italienische Mutter Unicredit sich aus dem deutschen Privat- und Geschäftskundenmarkt zurückziehen und die HVB nur noch das Kapitalmarktgeschäft machen lassen könnte. Das aber wird von München aus betrieben.

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