https://www.faz.net/-gzg-85klv

Das Verbraucherthema : Der kecke Fonds-Neuling

Mit allen per du: Vaamo fällt auf. Bild: Unternehmen

Bei vielen Anlegern hat die Bankenbranche in der Finanzkrise Kredit verspielt. Dies versucht sich das Finanz-Start-up Vaamo aus Frankfurt zunutze zu machen. Verbraucherschützer vermissen die Beratung.

          Frechheit fällt auf. Und Vaamo (sprich Va-amo) gibt sich ziemlich keck in diesen Tagen. Der junge Finanzdienstleister aus Frankfurt nimmt in einer Radio-Kampagne die „lieben Banken“ aufs Korn. Und das hört sich etwa so an: Eine Frau mit samtweicher Stimme bedankt sich für „die viel zu hohen Gebühren“, „die falschen Produkte“ und „die schlechten Öffnungszeiten“, um schließlich Vaamo werbend ins Spiel zu bringen.

          Thorsten Winter

          Wirtschaftsredakteur und Internetkoordinator in der Rhein-Main-Zeitung.

          Das Start-up wirbt mit dem Angebot, „eine neue Art, Vermögen aufzubauen, für jedermann“. Und zwar „online, einfach und rentabel“, wie es auf der Internetseite der Vaamo Finanz AG heißt. Das junge Unternehmen ist keine Bank, sondern gilt vom aufsichtsrechtlich als Finanzanlagenvermittler. Als solcher nutzt Vaamo einen Freiraum, den das Kreditwesengesetz lässt: Weil das Start-up Investment-Anteile von europäischen Kapitalanlagegesellschaften vermittelt, kann es nach Information der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungen (Bafin) ohne Erlaubnis der Behörde arbeiten.

          Online Sparziel und Risiko angeben

          Konkret vermittelt Vaamo derzeit nur Fonds der in England registrierten Fondsgesellschaft Dimensional. Sie wurde 1981 in den Vereinigten Staaten gegründet und bietet seit 2002 ihre Fonds auch für das europäische Festland an. Dabei greifen die Frankfurter auf fünf Fonds zurück: drei Fonds, die jeweils in eine Vielzahl von Aktien aus der ganzen Welt investieren; in den zwei anderen stecken jeweils Anleihen von Staaten und Schuldverschreibungen von Banken und Unternehmen. Einer dieser Fonds investiert in Zinstitel mit bis zu fünf Jahren Laufzeit, der zweite in Papiere, die in zwei Jahren fällig werden. Die Wertpapiere laufen in der Regel auf den Euro, wie es heißt.

          Wer über Vaamo sein Geld anlegen will, muss dies selbständig über die Internetseite tun und dort Sparziel und Risikobereitschaft festlegen. Eine Beratung für Anleger gibt es nicht. Über die grundsätzlichen Risiken informiert Vaamo früh auf der Seite. Sie werden nach einem weiteren Klick eingehend erläutert. Der Fondsvermittler aus dem Gallus gibt seinen Kunden selbst drei Risikostufen vor. Der Anleger kann wählen, ob er vier Prozent Rendite, fünf Prozent oder sechs Prozent im Jahr durchschnittlich erwartet.

          Zum Vergleich: Nach einer Faustregel werfen Investments in Aktien im Durchschnitt acht Prozent im Jahr ab. Vaamo weckt mithin keine überzogenen Erwartungen mit seinen Vorgaben, wie selbst vorsichtige Marktbeobachter anmerken.

          Ähnliches Konzept wie Easyfolio

          Unabhängig vom Renditeziel und egal, ob der Anleger zehn Euro oder 100 Euro im Monat sparen will: Vaamo steckt das Geld stets in die gleichen Fonds, die jedoch jeweils unterschiedlich verteilt sind. Je höher die gewünschte Rendite, desto höher der Aktienanteil. 80 Prozent Aktien, ein Fünftel Anleihefonds – das ist etwa die Mischung für Anspruchsvolle (sechs Prozent Rendite). Den Mittelweg sollen die Kunden mit 60 Prozent Aktien- und 40 Prozent Anleihefonds erreichen. Das ist auch die klassische Aufteilung, die viele Vermögensverwalter wählen. Ein ähnliches Konzept verfolgt etwa der Anbieter Easyfolio, dessen Fonds über die Börse zu haben sind.

          Für den Erwerb von Fondsanteilen über Vaamo fallen weder Transaktionsgebühren noch Ausgabeaufschläge an, die bei aktiv gemanagten Aktienfonds gemeinhin fünf Prozent betragen. Der Anleger trägt aber die laufenden Verwaltungskosten, wie sie bei Fonds stets anfallen. In diesem Fall liegen sie bei deutlich unter einem Prozent. Zudem stellt Vaamo eine Jahrespauschale in Rechnung. Sie sinkt prozentual, je höher der Depotwert ist. Bei einem Volumen von bis zu 30.000 Euro berechnet das Start-up 0,99 Prozent des Depotwerts.

          Das Start-Up wirbt derzeit überall in der Stadt.

          Die Fondsanteile, die ein Anleger über Vaamo kauft, sind Sondervermögen. Der Vermittler hat keinen Zugriff auf das Kundengeld, wie auch die Firma hervorhebt. Vielmehr erhalte jeder Anleger ein Depot bei der Fil Fondsbank in Kronberg, die zum Fonds-Riesen Fidelity zählt.

          Wie hoch die Renditechancen über Vaamo auf lange Sicht sind, ist auch für Fachleute im Moment schwer einzuschätzen. Verbraucherschützer wie Wolf Brandes, Finanzfachmann bei der Verbraucherzentrale Hessen, bemängeln die fehlende Beratung. Das bräuchten viele Leute, die Geld anlegen wollten. Der Erwerb von Fonds dürfe nicht isoliert betrachtet werden. Es gelte etwa zu berücksichtigen, ob der Anleger ein Haus und Kinder habe, oder ob er eine Erbschaft erwarte. Die Vaamo-Vorstände Oliver Vins und Thomas Bloch argumentieren, man wolle Sparwilligen auf einfache Weise einen Zugang zum Kapitalmarkt eröffnen. Das sei für die Altersvorsorge sinnvoll. Die meisten Anleger seien zudem zwischen 25 und 40 Jahren alt und halbwegs mit Finanzdingen vertraut.

          Damit Anleger nicht zum falschen Zeitpunkt kaufen oder verkaufen, hat die Firma eine Art Ampel eingeführt, mit der die Anleger auf den ersten Blick im Netz erkennen sollen, wo sie stehen. Grün bedeutete demnach: alles im Lot. Rot signalisiert: Der Anleger muss etwas ändern. Allgemein empfiehlt Vaamo, die Anteile mindestens fünf Jahre zu halten.

          Dass der Dienstleister seine Kunden im Internet konsequent dutzt, mögen konservative Naturen vielleicht frech finden. Ob die Frechheit in diesem Fall siegt, muss die Zeit jedoch erst zeigen. Das Start-up muss nach eigenen Angaben 200 bis 300 Millionen Euro an Fondsvermögen vermitteln, damit sich das Geschäft für die Firma lohnt. Bisher hat Vaamo an die zehn Millionen Euro bei Anlegern eingesammelt.

          Wer ist Vaamo?

          Die Vaamo Finanz AG sitzt im Frankfurter Gallus. Das Start-up zählt zu den sogenannten Fintech-Unternehmen, eine Kurzform für Finanztechnologie. An der Spitze der Firma stehen seine Gründer Thomas Bloch und Oliver Vins. Beide haben zum Start eigenes Geld in die Firma gesteckt und im Herbst 2013 eine halbe Million Euro bei erfahrenen Unterstützern (Business Angels) aus der Geldbranche eingesammelt.

          Ende 2014 folgte eine zweite Finanzierungsrunde über 2,5 Millionen Euro, bei der der Wagniskapitalgeber Route 66 Ventures als größter Geldgeber auftrat, sich aber wiederum Business Angels beteiligten. Die Gründer verzichten nach ihren Worten bewusst auf strategische Investoren wie etwa Fondsanbieter, um unabhängig zu bleiben. (thwi.)

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Putschgerüchte : Minister stellen sich hinter May

          Nach Gerüchten über einen möglichen Putsch gegen Theresa May meldet sich ein Mann zu Wort, der in den angeblichen Plänen eine wichtige Rolle spielen sollte – und lobt die Premierministerin.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.