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Kreditinstitute : Filialsterben in Rhein-Main

Längst Geschichte: Diese Filiale in Kronberg gibt es nicht mehr - hier ein Bild von 2016 Bild: Lukas Kreibig

Weniger Kunden in der Filiale, dafür mehr am Computer und am Handy: Die Banken dünnen ihr Netz weiter aus. Das gilt auch für die Rhein-Main-Region.

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          Die Zahlen sind alarmierend, und ein Ende ist nicht abzusehen. Einer Studie der KfW zufolge wurden seit dem Jahr 2000 in Deutschland 10. 200 Bankfilialen geschlossen, allein in den vergangenen beiden Jahren waren 2200 Standorte davon betroffen. Gegenwärtig existieren bundesweit noch etwa 27.900 Standorte. Der Rückbau der Filiallandschaft in Deutschland ist damit nicht nur in vollem Gange, er hat sich zuletzt sogar nochmals beschleunigt.

          Daniel Schleidt

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Die Gründe dafür sind auch auf jeder Pressekonferenz der regionalen Institute zu hören. Die Digitalisierung hat die Branche voll erfasst. Neue Wettbewerber, neue Technologien und veränderte Kundenerwartungen müssen von den Vorständen der Geldhäuser berücksichtigt werden. Oder anders formuliert: Weil viele Bankgeschäfte heute am Computer oder mit dem Smartphone abgewickelt werden, gehen Kunden immer seltener in eine klassische, mit Beratern besetzte Filiale. Da der gesamten Branche aufgrund der niedrigen Zinsen ein wichtiger Umsatzbringer fehlt und die Regulierungsauflagen die Kosten treiben, werden die Standorte der Banken zunehmend mit Argusaugen auf ihre Effizienz hin betrachtet. Und was sich nicht rechnet, wird geschlossen. Was für die Geldhäuser häufig nur eine Zahl ist, ist für die Kunden am Ort ein Verlust an Infrastruktur und gerade für ältere, weniger mobile Menschen nicht selten auch eine kaum überwindbare Hürde.

          Bis 2035 halbiert?

          Viele Beobachter prophezeien, dass das Filialsterben noch längst nicht am Ende angekommen ist. In der KfW-Untersuchung heißt es, werde das derzeitige Tempo der Schließungen von Niederlassungen beibehalten, werde sich die Zahl der Dependancen bis zum Jahr 2035 gegenüber dem Jahr 2000 halbiert haben.

          Auch die regionalen Institute haben in den vergangenen beiden Jahren reagiert und ihre Filialnetze unter die Lupe genommen. Die Schließung eines Standorts ist das eine. Viele Banken behelfen sich aber auch damit, aus mit Mitarbeitern besetzten Dependancen sogenannte Selbstbedienungsfilialen zu machen, in denen der Kunde nicht mehr von Menschen bedient wird, sondern nur noch Automaten gegenübersteht. Sechs Beispiele von großen Instituten aus der Region zeigen: In allen Fällen wurden in den vergangenen zwei Jahren Zweigstellen dichtgemacht.

          • Frankfurter Volksbank: Als die Frankfurter Volksbank 2014 ihre Filiale in Hofheim-Lorsbach schloss, sagte ein Sprecher, zuletzt seien vielleicht noch zwei oder drei Kunden in der Stunde gekommen, und bot an, die letzten mit dem Taxi an einen anderen Standort zu fahren, weil sogar das günstiger sei, als eine Filiale zu erhalten. In den vergangenen zwei Jahren hat das Institut sein Netz deutlich ausgedünnt und verfügt noch über 82 Geschäftsstellen, in denen die Kunden auf Mitarbeiter treffen. Das sind zwar nur drei weniger als Anfang 2016. Aber weil das Haus durch die Verschmelzung mit der Volksbank Höchst allein acht Filialen hinzugewonnen hat, wurden faktisch neun geschlossen und zwei weitere in SB-Filialen umgewandelt.

          „Frequenz in einigen Stellen rückläufig“

          • Wiesbadener Volksbank: Die Volksbank in der Landeshauptstadt hebt hervor, das Filialsterben innerhalb ihres Verbreitungsgebietes sei eine Reaktion auf das sich ändernde Kundenverhalten. „Unter anderem aufgrund der zunehmenden Nutzung unseres Online-Angebotes war die gemessene Frequenz in einigen Stellen rückläufig“, teilt ein Sprecher mit. Zudem werde die Beratung der Kunden, unter anderem durch die zunehmende Regulierung, derart komplex, dass man sich tendenziell lieber auf größere Standorte mit entsprechend in allen Fragen des Bankgeschäfts geschultem Personal konzentrieren wolle. Seit Januar 2016 haben die Wiesbadener vier kleinere Stellen geschlossen und vier weitere zu SB-Standorten gemacht, und sie legen Wert darauf, immer noch flächendeckend im Verbreitungsgebiet vertreten zu sein. Weil in Wiesbaden ein Standort speziell für Wertpapierkunden neu eröffnet wurde, kommt das Haus nun auf 23 personenbesetzte und zehn SB-Standorte. Weitere Veränderungen seien derzeit nicht geplant, heißt es weiter.

          • Mainzer Volksbank: Gerne werden Filialschließungen als Zusammenlegungen bezeichnet. So gibt etwa die Mainzer Volksbank die Auskunft, man habe seit 2016 das Standortnetz an das veränderte Nutzungsverhalten angepasst und „Beratungskompetenz zusammengelegt“. Waren Anfang 2016 noch 36 Standorte im Verbreitungsgebiet mit Beratern besetzt, sind es nun nur noch 29. Aus 36 Filialen und 44 SB-Centern hat die Bank 13 sogenannte Regionalcenter, 16 Filialen und 48 SB-Stellen gemacht – und nennt dies „das dichteste Standortnetz in Rheinhessen“.

          • Frankfurter Sparkasse: Bei der Sparkasse in der Finanz-Metropole legt man Wert darauf, mit 77 Filialen und Beratungscentern sowie 21 SB-Stellen immer noch „das dichteste Niederlassungsnetz eines Kreditinstituts in Frankfurt“ zu haben, wie eine Sprecherin sagt. Doch um dieses Netz aufrechterhalten zu können, müsse man sich an betriebswirtschaftlichen Kriterien orientieren. Im Endeffekt handelt es sich um eine Abstimmung mit den Füßen. „Letztlich entscheiden die Kunden, wie viele Filialen sie nutzen wollen.“ In den vergangenen zwei Jahren hat die Kasse zwei Filialen geschlossen und zwei weitere in SB-Stellen umgewandelt.

          „Wettlauf um Standortschließungen“

          • Taunussparkasse: Die Bank mit Sitz in der Hochtaunus-Kreisstadt Bad Homburg hat ihr Filialnetz in den vergangenen Jahren am wenigsten angefasst. Zwar schlossen sich im März vergangenen Jahres in einer Niederlassung in Niedernhausen endgültig die Pforten, ansonsten hat das Haus zuletzt seine Standorte erhalten. Zudem sei die Stelle in Niedernhausen auch nur deshalb geschlossen worden, weil das Gelände, auf dem das Gebäude der Bank stand, durch einen Investor neu entwickelt worden sei, heißt es. Insgesamt ist die Taunussparkasse nun an 72 Standorten vertreten, 47 davon sind mit Beratern besetzt.

          • Nassauische Sparkasse: Eine Sprecherin betont, in einen „Wettlauf um Standortschließungen“ nicht eintreten zu wollen, und hebt hervor, dass die Wahrscheinlichkeit, einen Standort zu erhalten, mit der Zahl der Kundenbesuche steige. Die Nassauische Sparkasse, deren Geschäftsgebiet sich über mehrere Landkreise erstreckt und die zum Teil an Standorten wie auch Frankfurt in Konkurrenz zu weiteren Stadt- und Kreissparkassen steht, hat derzeit 109 personenbesetzte Finanz- und 33 SB-Center, also insgesamt 142 Standorte. In den vergangenen Jahren wurden zwei Filialen in rein mit Automaten besetzte Niederlassungen umfunktioniert, zwei kleinere Dependancen komplett geschlossen.

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