https://www.faz.net/-gzg-9vyfk

Feldmann und die Automesse : Warum Frankfurt die IAA verloren hat

Schaufahren bei der IAA in Frankfurt. Bild: dpa

Dass Frankfurt nach sieben Jahrzehnten die Autoschau IAA verliert und damit Deutschlands größte Messe, liegt auch am Oberbürgermeister der Stadt. Aber es gibt noch andere Gründe.

          1 Min.

          Peter Feldmann hatte einen Wunsch. „Ich möchte ehrlich sein: Frankfurt braucht mehr Busse und Bahnen, aber nicht mehr SUVs.“ Dieser Satz steht in einer Rede, die er angeblich zur Eröffnung der Internationalen Automobilausstellung im September halten wollte. Er hat ihn dort nicht ausgesprochen, denn er stand nie auf der Rednerliste, aber erfüllt wird der Wunsch dennoch. Dicke Autos wird es zur IAA in Frankfurt nicht mehr geben, weil es die IAA in Frankfurt nicht mehr geben wird. So hat es der Autoherstellerverband nun entschieden.

          Was für ein Verlust an Reputation, an Tradition und an Wirtschaftskraft, für die Messestadt und für die gesamte Region. Von Deutschlands besucherstärkster Messe, die seit 69 Jahren weltweit als „Frankfurt Motor Show“ bekannt war, werden fortan Hoteliers, Gastronomen, Messebauer und Einzelhändler in einer anderen Stadt profitieren.

          Provokante PR-Aktion

          Nun ist es leicht und auch nicht falsch, Peter Feldmann für diesen Verlust in Haftung zu nehmen. Er trägt ganz allgemein eine politische Verantwortung dafür, weil er der Oberbürgermeister ist. Konkret aber auch, weil er im September clever sein wollte, ohne klug zu handeln. Mit seiner provokanten PR-Aktion zur Eröffnung wollte er Punkte bei linken Aktivisten sammeln, ohne die Folgen zu bedenken. Feldmann war sich aber offenbar zu selbstsicher, dass Frankfurt die IAA schon nicht verlieren werde, und düpierte unnötig den Herstellerverband, der die Messe ausrichtet.

          Doch an Feldmann allein hat es nicht gelegen. Das würde ihm viel zu viel Bedeutung beimessen. Weitaus schwerer wiegt für den Herstellerverband, dass die bisherige Messe nicht mehr funktioniert. Nicht etwa weil sie Autos mit Verbrennermotoren zeigt, die sind beliebt wie je, das zeigen die steigenden Zulassungszahlen. Sondern weil viele Hersteller die Schau schlicht als zu teuer empfinden. Internetmarketing oder auch Auftritte bei der Fashion Week erscheinen ihnen lohnender. Vor allem deshalb verzichteten immer mehr Hersteller aus Amerika und Asien, die viele Besucher angelockt hätten, auf einen Stand auf der IAA. Die Kosten sind auch der Grund, warum deutsche Konzerne nicht länger zur Auto Show nach Detroit wollen.

          Der Autoherstellerverband, der sich hauptsächlich aus den Einnahmen der Messe finanziert, wollte nun ein Signal des Neuanfangs für die Messe setzen. Und das erschien ihm offenbar am leichtesten durch einen Standortwechsel in eine attraktive Millionenstadt – unabhängig davon, wie dort das Stadtoberhaupt gerade heißt und was es von Autos hält.

          Falk Heunemann

          Wirtschaftsredakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Folgen:

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          In der indischen Stadt Ahmedabad nimmt ein Arzt einen Abstrich von einem möglicherweise erkrankten Patienten.

          Indien : Die Apotheke der Welt öffnet ihre Tür

          Nach den Drohungen des amerikanischen Präsidenten exportiert Indien nun doch wichtige Corona-Medikamente an bedürftige Länder. Die Tür zur Apotheke der Welt ist aber nur einen Spalt breit geöffnet.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.