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Im Gespräch: Florian Rentsch : „Energiewende wirtschaftlich unsinnig“

  • Aktualisiert am

„Entscheidungen 2011 waren ein Fehler“: Florian Rentsch Bild: Frank Röth

Aus Sicht der hessischen FDP stehen in Hessen schon mehr als genug Windräder. Ausschließlich auf erneuerbare Energien zu setzen sei ein Fehler, sagt der FDP-Fraktionschef im Landtag, Florian Rentsch im Interview mit der F.A.Z.

          Hessische FDP-Politiker führen neuerdings wieder das böse Wort „Windkraftmonster“ im Mund. Was ist das Ungeheuerliche an Windrädern?

          Zunächst einmal finde ich es ungeheuerlich, dass Windräder dort aufgestellt werden, wo sie erwiesenermaßen volkswirtschaftlich keinen Sinn haben. Die Windgeschwindigkeiten weichen an vielen Stellen von der prognostizierten Stärke ab. Die 5,75 Meter pro Sekunde, die nicht zuletzt dank der FDP als Minimum im Landesentwicklungsplan verankert sind, werden an vielen Stellen gar nicht erreicht.

          Das heißt, es werden Windräder gebaut, wo sie gar nicht stehen dürften?

          Sie werden gebaut, wenn Gutachten sagen, dass der Wind dort stark genug weht. Die Realität widerlegt die Prognosen aber gelegentlich.

          Warum „Windkraftmonster“?

          Das ist natürlich eine überspitzte Formulierung, aber wir spielen damit darauf an, dass die Anlagen immer höher ausfallen, um überhaupt noch profitabel sein zu können. Derzeit sind in Hessen gut 800 Windräder in Betrieb; bliebe es bei der jetzigen Höhe, müssten es mindestens 4000 werden, um die Resultate aus den Beschlüssen des Energiegipfels zu erfüllen. Auch wenn das eine Zielvorgabe bis zum Jahr 2050 ist, muss man sich doch Gedanken darüber machen, ob man das in Hessen tatsächlich will. Wenn der grüne Wirtschaftsminister Tarek Al-Wazir jetzt von weniger Anlagen spricht, dann kann das doch nur bedeuten, dass er auf deutlich höhere setzt.

          Oder auf technisch leistungsfähigere Turbinen, die den Wind auch in geringerer Höhe effektiver nutzen.

          Das ist nicht abzusehen. Die geeignetsten Standorte für die Erzeugung von Windenergie sind schon belegt, und alles, was jetzt noch hinzukommt, ist deutlich weniger effizient. Die Energiemenge, die man aus neuen Anlagen herausholen kann, wird immer geringer.

          Was heißt das für die FDP?

          Wir haben auf einem Parteitag im vergangenen November fast einmütig einen Ausbaustopp für Windenergie beschlossen. Es hat keinen Sinn weiter zuzubauen, solange die Speicherfrage nicht geklärt ist.

          Minister Al-Wazir weist auf die große Zustimmung zur Energiewende hin.

          Mein zentrales Argument ist, dass die Energiewende volkswirtschaftlich unsinnig ist. Abgesehen davon, verliert die Politik in dieser Frage aber auch an Akzeptanz. Nur noch eine knappe Mehrheit, 57Prozent, ist laut aktuellen Umfragen mit der Energiewende einverstanden – es waren einmal zwei Drittel. Der Trend geht klar nach unten, und wenn die Debatte im gleichen Stil wie bisher weitergeführt wird, ist es bald nur noch eine Minderheit. Das sollte auch dem hessischen Wirtschaftsminister zu denken geben.

          Die Grundzüge der Energiewende in Hessen sind Ende 2011 bei einem Energiegipfel vereinbart worden, mit Zustimmung der FDP.

          Wir sind damals von Windrädern mit einer wesentlich geringeren Höhe ausgegangen. Heute reden wir von Anlagen deutlich über 200 Metern, und wenn ich Herrn Al-Wazir richtig verstehe, geht er davon aus, dass die Anlagen weiter wachsen. Dann muss man sich konsequenterweise auch über größere Mindestabstände zur Wohnbebauung Gedanken machen. Die FDP hat in Sachen Energiewende schon immer gebremst und musste sich dafür gerade von den Grünen kritisieren lassen. Aber ich gebe auch zu: Ich würde viele Entscheidungen, die wir vor dem Hintergrund von Fukushima getroffen haben, heute nicht noch einmal so treffen. Das war zu emotional.

          Heißt das: zurück zur Atomkraft?

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