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Analysten sehen Unterbewertung : Familienversicherung so hoch im Kurs wie noch nie

Aufsteiger: Sitz der Deutschen Familienversicherung in Frankfurt Bild: Ricardo Wiesinger

Die Aktie der Deutschen Familienversicherung bereitet ihren Besitzern nach leichten Anlaufschwierigkeiten bisher nur Freude. Gerade ist das Insurtech aus seiner Handelsspanne der vergangenen Wochen nach oben ausgebrochen.

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          Corona-Krise? Welche Krise? Zumindest die Aktionäre der Deutschen Familienversicherung mit Sitz in Frankfurt haben davon nichts mitbekommen, jedenfalls nicht mit Blick auf den Kursverlauf. Bis auf einen kleinen Rücksetzer im März hält sich das Papier auffallend stabil. Das zeigt sich zum Beispiel im Vergleich zur ungleich größeren Allianz. Während die Notiz des Branchenriesen binnen sechs Monaten 18 Prozent eingebüßt hat, liegt die kleine Online-Versicherung mit mehr als einem Drittel im Plus. Zum Ende der vergangenen Woche hat sie ein neues Hoch erreicht, das sie am Montag ausbaut.

          Thorsten Winter

          Wirtschaftsredakteur und Internetkoordinator in der Rhein-Main-Zeitung.

          Gleichwohl sehen Analysten, die das sogenannten Insurtech beobachten und bewerten, noch Luft nach oben. In frischen Analysen verweisen die Spezialisten von Mainfirst und der Privatbank Hauck & Aufhäuser auf die Bewertung, die der vor dem Börsengang stehende amerikanische Versicherer Lemonade genieße. Hauck & Aufhäuser sieht demnach einen Abschlag von 85 Prozent zu Lasten des Kurses der Hessen. Dies werfe ein Licht auf die Unterbewertung der Deutschen Familienversicherung, an deren Spitze ihr Gründer Stefan Knoll steht. Dessen ungeachtet sieht sich das Unternehmen wegen einer Übereinkunft der Tarifpartner der chemischen Industrie in Deutschland vor schönen Zeiten.

          Pflegezusatzversicherung als Treibsatz

          Vom 1. Juli 2021 an werden Tarifarbeitnehmer der klassische Chemiefirmen und der Pharmaunternehmen hierzulande über eine tarifliche Zusatzversicherung im Pflegefall besser abgesichert. Diese Versicherung wird durch die Arbeitgeber finanziert. Ein Novum für eine ganze Branche in Deutschland, wie die Industriegewerkschaft Bergbau-Chemie-Energie stolz hervorhebt. „Durch die Pflegezusatzversicherung verringert sich der Eigenanteil um satte 1000 Euro im Monat“, erläutert die Gewerkschaft. Sie bezieht sich auf ein Fallbeispiel der Unterbringung eines Bedürftigen mit Pflegestufe 3 in einem Heim und Gesamtkosten von fast 3200 Euro im Monat. Die Familienversicherung ist Teil eines Konsortiums, das diese Zusatzversicherung betreut.

          Stefan Knoll, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Familienversicherung, beobachtet den Markt genau.

          Das Unternehmen werde sich in naher Zukunft verdoppeln, sagte ein Sprecher schon im März der F.A.Z. Das gelte für die Zahl der Verträge wie für den Umsatz. Erstere werde durch das neue, Careflex genannte Versicherungsprodukt auf eine Million steigen, so lautet jedenfalls die Planung. Vorteil der Familienversicherung:  Anders als andere Versicherer hat sie nicht wegen der Folgen des Coronavirus den Vertrieb einschränken müssen. Sie ist als Insurtech ähnlich als Fintechs genannten Fondsvermittler wie Moneyfarm und Ginmon nicht auf Vertreter angewiesen.

          Kursziele bei 25 und 27 Euro

          So hat das Unternehmen im ersten Quartal mehr Neugeschäft gemacht als gedacht, wie sie im Mai berichtet. 25.000 erwarteten Verträgen standen demnach 27.718 abgeschlossene Kontrakte gegenüber. Das seien zwar 3000 weniger als vor einem Jahr. Nur sei das Neugeschäft seinerzeit von einem neuen Produkt für den Henkel-Konzern angetrieben worden. „Ohne Berücksichtigung dieser Verträge lag die Vertriebsleistung im ersten Quartal 2020 in Bezug auf die Neuverträge um 31,7 Prozent über dem Vorjahr“, meldeten die Frankfurter, die noch am Sprung über die Gewinnschwelle arbeiten. Nach dem ersten Quartal stand ein Minus von 5,6 Millionen Euro zu Buche.

          „Ob das gesteckte Jahresziel für das Neugeschäft nach Abschluss des zweiten Quartals weiter aufrechterhalten werden kann, hängt vom Umfang der Lockerungen im Bereich der Touristik und der Wiederbelebung der Wirtschaft ab“, hieß es im Mai zum Ausblick. Angesichts der bestehenden Unsicherheiten halte die DFV aber zunächst an ihren Absatzzielen fest. Sie will demnach 100.000 Neuverträge generieren und das Bestandsvolumen um 25 bis 30 Millionen Euro steigern.

          Mitte vergangener Woche hat der Titel seine enge Handelsspanne zwischen 17 und 18,50 Euro verlassen und ist zum Wochenschluss mit 23 Euro aus dem Xetra-Handel gegangen. Zu Wochenbeginn ging es bis auf 24,50 Euro weiter aufwärts. Hauck & Aufhäuser hat das Papier der DFV (WKN: A2NBVD) zuletzt zum Kauf empfohlen und das Kursziel bei 25 Euro gesteckt. Aus Sicht von Mainfirst wäre der Titel bei 27 Euro fair bewertet.

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