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Familien-Discounter : Großer Kreis von Bietern für Woolworth

Einleuchtend: Im Insolvenzverfahren hat Woolworth die Filialen und das Sortiment neu geordnet – wie etwa im Offenbacher Ringcenter zu sehen ist Bild: Rainer Wohlfahrt

Vor einem Jahr schien das Ende nahe in dem schmucklosen Bau an der Lyoner Straße in Niederrad. Doch sieht es jetzt bedeutend besser aus für die Frankfurter Woolworth-Kette. Der Verkauf soll kurzfristig erfolgen, wie der Insolvenzverwalter Hermann sagt.

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          An einem Dienstag im April 2009 scheint das Ende nahe in dem schmucklosen Bau an der Lyoner Straße in Niederrad. Die Mutter in Amerika – sie ist schon lange nicht mehr. Ihr Sprössling in Großbritannien wird ihr bald folgen, wie sich zeigen soll. Und nun also auch die deutsche Tochter, die mit vollem Namen DWW Woolworth Deutschland GmbH & Co. KG heißt, seit langem vor sich hinkrebst und nun gar kein Geld mehr hat zum Überleben?

          Thorsten Winter

          Wirtschaftsredakteur und Internetkoordinator in der Rhein-Main-Zeitung.

          Nach einem Jahr gehört dieses düstere Szenario der Vergangenheit an: „Geschäftlich sind wir zufrieden“, sagt Ottmar Hermann in seiner Kanzlei an der Bleichstraße. Der Frankfurter Anwalt ist Insolvenzverwalter der alten Woolworth Deutschland und gleichzeitig auch Gesellschafter der Deutsche Woolworth GmbH, die er Mitte 2009 gründete und mit der er die Geschäfte der Billigkaufhauskette fortführt.

          Insolvenzverfahren „relativ einzigartig“

          Der erfahrene Insolvenzverwalter, der den Baukonzern Philipp Holzmann abwickelt und sich auch um den zahlungsunfähigen Autozulieferer Karmann kümmert, hält sich gemeinhin mit großen Worten zurück. Nicht so im Fall Woolworth. Dieses Insolvenzverfahren „ist schon relativ einzigartig“, hebt er hervor. „Wir haben etwas ganz Neues geschaffen, das es zuvor gar nicht gab – das geht über eine reine Restrukturierung hinaus.“ Familien-Discounter heißt der Auftritt, mit dem die Kette an bessere Zeiten anknüpfen soll.

          Insolvenzverwalter Ottmar Hermann kümmert sich um die Frankfurter Woolworth-Kette

          Der Name Woolworth, im Volksmund gerne als „Wollwoort“ oder wahlweise „Wollwert“ verballhornt, hat Tradition hierzulande. Die deutsche Tochter des 1879 in Amerika gegründeten Konzerns wurde 1926 im Berliner Hotel Adlon gegründet, Mitte 1927 folgte das erste Woolworth-Geschäft in Bremen, jeder Artikel kostete 25 oder 50 Pfennige. Woolworth zog vor allem Menschen mit wenig Geld an – mit den Jahren allerdings immer weniger. Discounter und andere Billiganbieter gruben dem Frankfurter Händler zunehmend das Wasser ab.

          Filialnetz verkleinert - Läden abgegeben

          Der Finanzinvestor Argyll Partners reagierte mit Personalabbau. 2008 bekamen gut 900 der seinerzeit 11.800 Mitarbeiter die Kündigung, nachdem zu dieser Zeit 600 Beschäftigte das Unternehmen schon verlassen hatten. Im November desselben Jahres hieß es bereits, die 9200 Mitarbeiter starke Woolworth Deutschland stehe vor dem Kollaps, ein halbes Jahr später war es tatsächlich so weit.

          Seitdem hat Hermann mit seiner Mannschaft einschließlich Geschäftsführer Heinz Thünemann das Unternehmen von 311 auf 162 Filialen verkleinert und ihm, aufbauend auf einem Konzept des früheren Lidl-Mangers Stefan Rohrer, ein neues Gesicht gegeben. Der „unordentliche Wooli“ ist passé. Die Läden sind luftiger gestaltet als früher und nach drei Warengruppen eingeteilt. Zu besichtigen ist das zum Beispiel im Ringcenter Offenbach: rechts Textilien, in der Mitte Aktionsartikel, links sogenannte Hartwaren von Elektrogeräten über Toilettenartikel bis hin zu Tassen, Tellern und Papierwaren, Süßigkeiten nicht zu vergessen. Zwischen den Zonen verlaufen Gänge, die den Blick vom Eingang bis ans Ende des Verkaufsraums gestatten. Außerdem können sich auch zwei Kinderbuggys ohne Kollisionsgefahr begegnen. Die Regale sind höher als früher. Zudem stehen sie parallel zur Laufrichtung und nicht mehr frontal dazu.

          „Im operativen Geschäft auf einer Null“

          Auch in anderer Hinsicht sind die in dem Unternehmen verbliebenen Filialen einheitlicher gestaltet. Woolworth belegt bis auf Ausnahmen nur noch Ladenlokale mit 1000 bis 1500 Quadratmetern. Deshalb gab die Kette nicht nur Kleinfilialen auf, die zum Großteil an NKD und Schlecker gingen, sondern trennte sich auch vom früheren Flaggschiff an der Zeil in Frankfurt, zumal dieser Standort zu teuer ist. „Wir brauchen keine 1-A-Lage, weil wir auch keine 1-A-Ware verkaufen“, sagt Hermann. Das Sortiment wurde von 50.000 auf 30.000 Artikel verringert.

          Umgekehrt hat der Woolworth auch bisherige Lücken im Sortiment gefüllt: An manchen Standorten bietet man nun auch Sportartikel an, den Anfang machte die Filiale in Frankfurt-Sachsenhausen. Die Markenhersteller Adidas und Nike zeigten sich zwar anfangs irritiert, da Woolworth ihre über einen Lieferanten in Oberhausen bezogenen Schuhe und Textilien um 40 bis 60 Prozent billiger anbietet, als sie gewöhnlich kosten. Doch hat Hermanns Team alles marken- und vertriebsrechtlich geprüft, wie der Anwalt versichert.

          Der Umbau hat das 4500 Mitarbeiter zählende Unternehmen im Alltag immerhin an die Gewinnschwelle geführt: „Im operativen Geschäft sind wir auf einer Null“, sagt Hermann. Am Ende des Jahres soll ein positives Ergebnis vor Zinsen und Steuern stehen. Eine Voraussetzung für die Ertragswende war auch Verzicht durch die Arbeitnehmer. Leitende Angestellte mussten auf bis zu ein Fünftel ihrer Bezüge verzichten, in den unteren Lohngruppen hat Woolworth dagegen die Entgelte angehoben. Unter dem Strich hat der Händler die Personalkosten, die im Branchenvergleich zuvor hoch gewesen sind, merklich gesenkt, wie Hermann sagt.

          „Kurzfristig eine Lösung finden“

          Der neue Auftritt in der Nische des Familien-Discounters zahlt sich nicht nur durch den Zulauf der Kunden aus, er hat auch Investoren auf den Plan gerufen. In den vom Bankhaus Rothschild geleiteten Investorenprozess haben sich laut Hermann sowohl Handelsunternehmen als auch Finanzinvestoren aus Deutschland und anderen Ländern Europas sowie aus Übersee eingeschaltet: „Es ist ein großer Kreis von Bietern.“ Mit dem Abschluss will er nicht mehr lange warten, sondern „kurzfristig eine Lösung finden“. Das Ergebnis soll nicht zuletzt zum Wohle der Gläubigerschar sein, denen die alte Woolworth eine mittlere dreistellige Millionensumme schuldet.

          Auf die Frage, ob er sich eine Frist gesetzt habe, antwortet er: „Haben wir“, geht aber nicht ins Detail. Die Verträge der Mitarbeiter, das steht fest, sind bis Ende Juni verlängert. Somit hat Hermann den Verdi-Sekretär Johann Rösch schon widerlegt. „Bis Ende des Jahres muss es einen Investor geben, sonst hat Woolworth keine Chance“, hatte der Gewerkschafter zwei Monate nach jenem Dienstag im April gewarnt.

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