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Familien-Discounter : Großer Kreis von Bietern für Woolworth

„Im operativen Geschäft auf einer Null“

Auch in anderer Hinsicht sind die in dem Unternehmen verbliebenen Filialen einheitlicher gestaltet. Woolworth belegt bis auf Ausnahmen nur noch Ladenlokale mit 1000 bis 1500 Quadratmetern. Deshalb gab die Kette nicht nur Kleinfilialen auf, die zum Großteil an NKD und Schlecker gingen, sondern trennte sich auch vom früheren Flaggschiff an der Zeil in Frankfurt, zumal dieser Standort zu teuer ist. „Wir brauchen keine 1-A-Lage, weil wir auch keine 1-A-Ware verkaufen“, sagt Hermann. Das Sortiment wurde von 50.000 auf 30.000 Artikel verringert.

Umgekehrt hat der Woolworth auch bisherige Lücken im Sortiment gefüllt: An manchen Standorten bietet man nun auch Sportartikel an, den Anfang machte die Filiale in Frankfurt-Sachsenhausen. Die Markenhersteller Adidas und Nike zeigten sich zwar anfangs irritiert, da Woolworth ihre über einen Lieferanten in Oberhausen bezogenen Schuhe und Textilien um 40 bis 60 Prozent billiger anbietet, als sie gewöhnlich kosten. Doch hat Hermanns Team alles marken- und vertriebsrechtlich geprüft, wie der Anwalt versichert.

Der Umbau hat das 4500 Mitarbeiter zählende Unternehmen im Alltag immerhin an die Gewinnschwelle geführt: „Im operativen Geschäft sind wir auf einer Null“, sagt Hermann. Am Ende des Jahres soll ein positives Ergebnis vor Zinsen und Steuern stehen. Eine Voraussetzung für die Ertragswende war auch Verzicht durch die Arbeitnehmer. Leitende Angestellte mussten auf bis zu ein Fünftel ihrer Bezüge verzichten, in den unteren Lohngruppen hat Woolworth dagegen die Entgelte angehoben. Unter dem Strich hat der Händler die Personalkosten, die im Branchenvergleich zuvor hoch gewesen sind, merklich gesenkt, wie Hermann sagt.

„Kurzfristig eine Lösung finden“

Der neue Auftritt in der Nische des Familien-Discounters zahlt sich nicht nur durch den Zulauf der Kunden aus, er hat auch Investoren auf den Plan gerufen. In den vom Bankhaus Rothschild geleiteten Investorenprozess haben sich laut Hermann sowohl Handelsunternehmen als auch Finanzinvestoren aus Deutschland und anderen Ländern Europas sowie aus Übersee eingeschaltet: „Es ist ein großer Kreis von Bietern.“ Mit dem Abschluss will er nicht mehr lange warten, sondern „kurzfristig eine Lösung finden“. Das Ergebnis soll nicht zuletzt zum Wohle der Gläubigerschar sein, denen die alte Woolworth eine mittlere dreistellige Millionensumme schuldet.

Auf die Frage, ob er sich eine Frist gesetzt habe, antwortet er: „Haben wir“, geht aber nicht ins Detail. Die Verträge der Mitarbeiter, das steht fest, sind bis Ende Juni verlängert. Somit hat Hermann den Verdi-Sekretär Johann Rösch schon widerlegt. „Bis Ende des Jahres muss es einen Investor geben, sonst hat Woolworth keine Chance“, hatte der Gewerkschafter zwei Monate nach jenem Dienstag im April gewarnt.

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