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Erfinderische Eventmanager : Mit Kreativität gegen die Krise

Ideen gesucht: Wann Preisverleihungen wie der Lea-Award wieder in klassischer Form stattfinden können, ist unklar. Bild: Wolfgang Eilmes

Abgesagte Straßenfeste, Kongresse und Hochzeiten: Wer sonst Veranstaltungen für viele Gäste organisiert, hat jetzt wenig zu tun. Das bringt manchen Eventmanager auf interessante Ideen.

          3 Min.

          Mit den ersten Lockerungen geht ein Seufzen durch die Branche der Eventmanager. Bis wieder Bälle, Kongresse, Hochzeiten, Straßen- und Volksfeste mit vielen hundert Besuchern organisiert werden können, dauert es noch, und so suchen manche nach neuen Betätigungsfeldern. Holger Helmiss, der gewöhnlich große Straßenfeste wie das Theatrium in Wiesbaden plant, hat die Zeit genutzt, um an einem Thema zu arbeiten, dass ihn schon lange vor der Corona-Pandemie beschäftigt hat: Händewaschen bei Großveranstaltungen.

          Patricia Andreae

          Redakteurin in der Rhein-Main-Zeitung.

          Zusammen mit dem Schausteller Thomas Roie hat er eine mobile Waschstation entwickelt und produzieren lassen. An Markttagen haben sie in den vergangenen Wochen ihr neues Waschbecken in der Wiesbadener Innenstadt aufgestellt und getestet. „Die Leute waren begeistert“, berichtet Helmiss. Denn gerade im öffentlichen Raum sei es oft schwierig, sich öfter die Hände zu waschen. Bei Straßenfesten und Festivals stünden meist nur Toilettenanlagen mit wenigen Waschbecken zur Verfügung und vor denen bildeten sich oft lange Schlangen. Bei den Testläufen kam die Waschstation nicht nur bei den Marktleuten und deren Kunden gut an, sondern auch bei anderen Passanten. „Ein Schuldirektor meinte, das könnte er sich auch für seinen Schulhof vorstellen“, erzählt Helmiss. Wie er und sein Kompagnon die Waschstation, die mit Frischwasser und biologisch abbaubarer Seife aus dem Spender bestückt ist, nun vermarkten werden, ist noch nicht ganz klar. Helmiss kann sich vorstellen, dass sich ein Unternehmen, das Hygienelösungen für Großveranstaltungen anbietet, dafür interessieren könnte. So könnte die Station beispielsweise auch bei der Dippemess’ in Frankfurt im Herbst zum Einsatz kommen. An deren Hygienekonzept wird gerade gearbeitet, damit sie im September stattfinden kann.

          An Gelegenheiten zum Händewaschen mangelt es in den großen Hotels und Hallen, die für Preisverleihungen, Galas und Kongresse gebucht werden, gewöhnlich nicht. Dennoch ist die Lage für diejenigen schwierig, die solche Veranstaltungen organisieren. „Ich rate derzeit allen, die bei mir anfragen, ihre Hochzeit auf das nächste Jahr zu verschieben“, sagt Friederike Mauritz, die auf solche Feiern spezialisiert ist und angehende Hochzeitsplaner ausbildet. Schließlich könne ja kein Brautpaar wollen, dass der schönste Tag in ihrem Leben als derjenige in Erinnerung bleibt, bei dem sich jemand mit dem Virus infiziert hat. Zumal Feste, die die Hochzeitsplaner betreuten, oft mehr als die bald erlaubten 100 Gäste hätten.

          „Das wird so nicht wiederkommen“

          Kopfzerbrechen bereitet Mauritz derzeit mehr, dass sie die drei Hochzeitsmessen, die sie für dieses Frühjahr organisiert hatte, absagen musste. Verzagt ist sie deshalb aber keineswegs, gerade hat sie einen Online-Kurs zum Thema Event-Technik absolviert. „Das wird in Zukunft immer wichtiger werden, nicht nur, um auch erkrankte Verwandte an einer Hochzeit teilhaben zu lassen. Das hatten wir in den vergangenen Jahren schon“, sagt Mauritz, die auch Veranstaltungen für Unternehmen organisiert. Derzeit seien das statt großer Grundsteinlegungen mit vielen Gästen für einen namhaften Projektentwickler allerdings eher kleinere Events wie die Organisation von Foodtruck-Caterings als Aufmunterung für die Mitarbeiter auf Baustellen. Aber auch dafür sei es wichtig, sich mit Technik und Vorschriften auszukennen.

          Ein Unternehmer aus Wiesbaden hat die Zeit genutzt und eine mobile Handwaschstation für Veranstaltungen entworfen und getestet.

          Das ist auch ein Anliegen von Victoria Liebrecht, die im Auftrag von Agenturen für Kunden wie die Lufthansa Veranstaltungen mit 200 bis 1000 Gästen organisiert, wie sie beispielsweise zur Einführung eines neuen Flugzeugtyps üblich waren. Sie vermisse diese Zusammenkünfte und den Austausch mit den Kunden in Agenturen und Unternehmen. „Es ist traurig, wenn man sieht, wie viel derzeit zusammenbricht.“ Liebrecht ist sich sicher: „Das wird so nicht wiederkommen – jedenfalls nicht so bald.“ Sie selbst sei ein Allrounder und könne vieles machen, darum sorge sie sich nicht um die Zukunft. Derzeit arbeitet sie an einer App, die auf langen Reisen besondere Restaurants und Hotels entlang der Strecke anzeigen soll, damit man nicht auf Autobahnraststätten angewiesen sei. Zudem habe sie sich auf ihre Leidenschaft, die Fotografie besonnen und produziere Postkarten. „Ich habe so viel mit kreativen Leuten zusammengearbeitet, man kann immer etwas Neues entwickeln.“

          Neue Veranstaltungsformate sind das, worauf die ganze Branche setzt. Der Verband der Veranstaltungsorganisatoren hat seine Mitglieder zu den aktuellen Herausforderungen befragt. Hierbei werde deutlich, dass trotz der anhaltenden Krisensituation rund um Covid-19 und der dadurch weiterhin unklaren Zukunft die meisten Mitglieder zuversichtlich scheinen, heißt es in einer Mitteilung, die unter das Motto „Keep Calm and Plan Your Event!“ gestellt wurde. Betrachtet man die Umfrage, so liest man zwischen den Ergebnissen, dass es einen Wandel von Offline- in Online-Veranstaltungen gibt, der aber vor allem den momentanen Verboten geschuldet ist. Doch auch für die Zukunft plane ein großer Teil der Unternehmen, dies im Angebot zu behalten.

          Hybride sind das Schlagwort dazu, die Verquickung von Digitalem und klassischen Zusammenkünften. Darauf setzen auch Patricia Rosemeier und Fiona Haep von H&R Communications aus dem Taunus und nutzen die freie Zeit für Fortbildungen, um ihr Portfolio um digitale Angebote zu ergänzen. Sonst planen sie eifrig an Veranstaltungen ihrer Stammkunden für das nächste Jahr. Denn wie ihre Kollegen sind sie der Meinung, dass digitale Formate zwar eine gute Ergänzung seien, das Zusammentreffen von Menschen aber nicht ersetzen könnten.

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