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Event-Branche : Wer noch da ist, kann jetzt feiern

Es darf aufgefüllt werden: Weingläser bei der Mainzer VDP-Weinbörse Ende April Bild: Wonge Bergmann

Diejenigen, die ihr Geschäft mit Veranstaltungen machen, hat die Corona-Krise hart getroffen. Nun ist wieder alles möglich, aber nicht alles machbar.

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          Der sogenannte Wonnemonat Mai ist für Veranstaltungsprofis stets eine Herausforderung. Etwa für Friederike Mauritz. „In den letzten Wochen hatten wir so viele Anfragen wie noch nie“, sagt die Inhaberin der Agentur Celebrations, die Tagungen, Kongresse, Hochzeitsfeiern und auch Hochzeitsmessen organisiert. So mancher hole jetzt die abgesagten oder verschobenen Feiern nach, manchmal gleich mit Taufe.

          Patricia Andreae
          Redakteurin in der Rhein-Main-Zeitung.

          Doch was sie nach zwei Jahren Corona und etlichen ausgefallenen Veranstaltungen glücklich machen könnte, bereitet ihr zugleich Kopfzerbrechen. Denn während sie die Pandemiezeit mit der Organisation von Onlineveranstaltungen und kleinen Firmenevents für langjährige Kunden recht gut überstehen konnte, wie sie sagt, hatten viele ihrer bewährten Kooperationspartner große Schwierigkeiten. „Manche sind gar nicht mehr da.“ So habe sie kürzlich lange herumtelefonieren müssen, um ein Busunternehmen zu finden, das bei einer Tagung 150 Gäste zwischen zwei Veranstaltungsorten hin- und hertransportieren kann. Schließlich habe sie ein Unternehmen aus Kaiserslautern engagiert. „Das Geschäft ist sehr schwierig geworden, denn auch bei Hotels oder Caterern sind oftmals die früheren Kapazitäten nicht mehr da, weil sie Mitarbeiter freisetzen mussten und nun keine finden“, schildert Mauritz die Lage.

          Erholung könnte noch dauern

          Das bestätigen die Arbeitsagenturen, die inzwischen regelmäßig einen hohen Mangel an Fachkräften im Gastgewerbe feststellen. Einer Studie des Zeitarbeitsunternehmens Zenjob zufolge haben beispielsweise vor der Pandemie noch etwa 33 Prozent der Studierenden und andere Nebenjobber in der Gastronomie und Hotellerie gearbeitet, im Corona-Jahr 2020 waren es nur noch acht Prozent. Nach den Lockdowns seien viele nicht zurückgekehrt. Allerdings geht Zenjob davon aus, dass sich der Trend mit dem Ende der Pandemie im Gastgewerbe wie in der Event- und Entertainmentbranche wieder umkehren könnte, auch wegen der inzwischen erhöhten Löhne.

          Friederike Mauritz fürchtet allerdings, dass in der Eventbranche eine echte Erholung noch dauert. Zum einen gebe es Unsicherheiten, was längerfristige Planungen sehr schwierig mache. Zum anderen hätten viele Unternehmen in der Branche damit zu kämpfen, dass die Kosten für Lager und Unterhalt weitergelaufen seien, ohne dass sie Einnahmen gehabt hätten. Es sei zwar toll, dass es staatliche Unterstützung gegeben habe, doch so manche seien da durchs Raster gefallen. Und für diese sei die Corona-Krise eben nicht vorbei.

          Hinzu kommen die Lieferkettenpro­bleme und Preissteigerungen bei Lebensmitteln und Kraftstoffen. Budgets für Events seien aber die ersten, die gestrichen würden, wenn Unternehmen sparen müssten. Zudem könnten viele, die ihren Betrieb von 100 auf null hätten herunterfahren müssen, nicht so schnell wieder hochfahren, weil ihnen die Infrastruktur fehle. So manche aus der Eventbranche hätten ihr Geschäft still und leise aufgegeben. „Es gibt nur noch die Hälfte an Dienstleistern“, sagt die Mitbegründerin eines Branchenverbands. Und sie rechnet damit, dass es noch weniger werden könnten.

          140 Messen im zweiten Halbjahr 2022

          Auftrieb für die Branche verspricht indes die Fachmesse Imex für Business Events, die in der nächsten Woche vom 31. Mai bis 2. Juni auf dem Frankfurter Messegelände stattfindet. Nach Angaben des Veranstalters erwarten dort mehr als 160 Aussteller mehrere Tausend Besucher. Es präsentieren sich Tagungshotels, Veranstaltungszentren, Event-Agenturen ebenso wie Technologie-Dienstleister. Zudem ist ein umfangreiches Veranstaltungsprogramm mit Vorträgen und Workshops geplant, bei denen es um Themen wie Nachhaltigkeit, Diversität und Inklusion bei der Eventplanung, Ansätze für flexible Preisgestaltung bei Business Events sowie innovative Formen des Event-Designs geht.

          Bei der Messe Frankfurt sieht man die Event-Messe als nächsten Schritt in Richtung Normalisierung des Veranstaltungsgeschäfts, die begonnen hat, nachdem Anfang April die Corona-Auflagen für Veranstaltungen weggefallen sind. 35 Gastveranstaltungen mit insgesamt mehr als 110 000 Teilnehmenden waren dort allein für den Monat Mai gebucht. Seien 2021 noch fast 70 Prozent der Gastveranstaltungen verschoben oder abgesagt worden, seien für das zweite Halbjahr 2022 auf dem Messegelände bereits wieder 140 Messen, Kongresse, Events und Konzerte terminiert. „Das entspricht dem Anteil eines Halbjahres wie vor den herausfordernden beiden letzten Jahren“, heißt es von der Messe.

          „Wir freuen uns sehr, dass die Veranstaltungsbranche nun wieder uneingeschränkt Begegnungen gestalten kann“, so Michael Biwer, Bereichsleiter Guest Events bei der Messe Frankfurt. Als Gastgeber für sämtliche Veranstaltungsformate – inklusive Kongressen, Tagungen, Konzerten, Sportveranstaltungen und Corporate Events – sei die Messegesellschaft angewiesen auf die Lebhaftigkeit der Branche. „Mit der Imex erhält der Restart eine Plattform“, so Biwer.

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