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Eveline Metzen : „Für Trump ist Deutschland sehr wichtig“

Neu-Frankfurterin: Eveline Metzen hat ihr Büro nun am Börsenplatz. Bild: Wolfgang Eilmes

Als neue Geschäftsführerin des Unternehmerverbands Amcham Germany in Frankfurt will Eveline Metzen die deutsch-amerikanischen Beziehungen vertiefen. Ein Gespräch mit ihr.

          3 Min.

          Haben Sie Donald Trump jemals persönlich getroffen?

          Falk Heunemann
          Wirtschaftsredakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Ja, am Rande des Parteitags der Republikaner im Sommer, bei einem Fundraising-Lunch. Es war faszinierend zu sehen, wie er die Menge für sich gewann und seinen Kritikern den Wind aus den Segeln nahm, indem er sich selbst auf die Schippe nimmt.

          Hatten Sie seinen Sieg erwartet?

          Ja.

          Da waren Sie aber eine der wenigen.

          Wenn ich diese Prognose zu Zeiten des Wahlkampfes äußerte, wurde das in Deutschland oft so interpretiert, dass ich ihm den Sieg wünsche. Aber wenn man sich so lange mit den Vereinigten Staaten beschäftigt wie ich und mit vielen Menschen dort spricht, merkt man, wie sehr das Land sich verändert hat. Es ist nicht mehr das Land der unbegrenzten Möglichkeiten, in dem allen alles offensteht. Viele haben nicht länger die Hoffnung, dass es ihren Kindern besser gehen wird als ihnen selbst. Was man hierzulande auch unterschätzt hat, war das Bedürfnis nach Veränderung in der Bevölkerung.

          Als neue Amcham-Germany-Geschäftsführerin wollen Sie von Frankfurt aus die transatlantischen Wirtschaftsbeziehungen pflegen. Interessiert Berlin oder Washington, was die deutsche Amcham denkt?

          Definitiv. Für die Vereinigten Staaten ist Deutschland weiterhin eines der wichtigsten Länder, vor allem wirtschaftlich. Das Interesse an den hiesigen politischen Entwicklungen und daran, wie die Akteure hier die Entwicklungen in den Vereinigten Staaten sehen, ist groß. Gerade den Deutschen begegnen die Amerikaner mit sehr großem Enthusiasmus. Und innerhalb Deutschlands ist die Rhein-Main-Region diejenige mit den stärksten transatlantischen Wirtschaftsbeziehungen, da hier die meisten amerikanischen Unternehmen eine Niederlassung haben.

          Die transatlantischen Beziehungen haben zuletzt sehr gelitten. Wird das mit der neuen Regierung in Washington noch zunehmen, weil sie eher auf Protektionismus setzt?

          Da muss man differenzieren. Trump ist nicht dezidiert gegen freien Handel, es geht ihm um fairen Handel – fair für die Vereinigten Staaten. Er hat einen sehr starken Wirtschaftsfokus. Er hat zudem erfahrene Leute in seinem Stab: Sein designierter Handelskommissar Robert Lighthizer etwa war bereits in der Reagan-Regierung und hat damals zahlreiche Handelsabkommen ausgehandelt.

          Also wird sich gar nicht so viel verändern?

          Doch, es wird einiges anders. Trumps „America First“-Politik wird natürlich zu einer anderen Art von Handelspolitik führen. Viele haben ihn für unberechenbar gehalten und dabei nicht erkannt, dass er konkrete Ziele verfolgt: Steuern senken, Infrastruktur ausbauen und Jobs kreieren – selbst wenn das neue Schulden für den Staatshaushalt bedeutet.

          Ist mit dem Amtswechsel in Washington das europäisch-amerikanische Freihandelsabkommen TTIP am Ende?

          Es steht zu befürchten, dass der neue Präsident eher auf bilaterale Verträge setzt. Vor allem das transpazifische Freihandelsabkommen TPP hat er im Wahlkampf wiederholt kritisiert. Ich glaube nicht, dass er den derzeitigen Verhandlungsstand von TTIP in einem Handstreich vom Tisch wischen wird, Deutschland und Europa sind zu wichtige Wirtschaftsräume für Amerika. Deswegen erwarte ich, dass nach einiger Zeit wieder Gespräche darüber aufgenommen werden – zwar mit anderen Schwerpunkten als bisher, aber es wird sie geben.

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