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Eurox Pharma : Eine Spritze voller Cannabis

Blütenverarbeitung bei Eurox Pharma: Die Kittel der Mitarbeiter haben keine Taschen, und es liegt ein süßlicher Geruch in der Luft. Bild: Lucas Bäuml

Eurox Pharma will aus Cannabisblüten hoch dosierte Wirkstoffe gewinnen - und damit Marktführer werden. In Bensheim steht bereits eine Produktionsanlage, errichtet mit dem Kapital und dem Wissen eines 75 Jahren alten Homöopathieherstellers.

          4 Min.

          Bensheim ⋅ Die kleine Spritze ist potent. Gerade mal ein Gramm an einer öligen Flüssigkeit enthält sie, doch das reicht, um Patienten bis zu 200 Dosen an Dronabinol zu verabreichen, einem Wirkstoff, der unter Nichtpharmazeuten auch als der berauschende Wirkstoff THC bekannt ist – und aus Cannabis gewonnen wird. Die Flüssigkeit in der Glasspritze hat allerdings so gar keine Ähnlichkeit mit den getrockneten Blüten, mit denen das Rauschmittel normalerweise verbunden wird. Der Unterschied ist Bernhard Babel und David Reckeweg-Lecompte wichtig. Die beiden Gründer des Unternehmens Eurox Pharma in Bensheim sehen sich nämlich nicht als Rauschmittel-Händler, sondern als seriöse Pharmaproduzenten, für die Cannabis schlicht ein Rohstoff ist, aus dem sich Wirkstoffe für neue Medikamente gewinnen lassen. „Unsere Ambition ist, dass wir der führende Anbieter in Deutschland und Europa werden“, sagt Reckeweg-Lecompte.

          Falk Heunemann
          Wirtschaftsredakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Das mag ambitioniert klingen, doch die Voraussetzungen dafür sind gegeben. Der Markt für Medizinalcannabis ist noch jung. Seit 2017 dürfen Ärzte das Rauschmittel legal an Patienten verschreiben, bei denen keine anderen Medikamente mehr anschlagen, beispielsweise bei chronischen Schmerzen, Spastiken, Mi­gräne oder nach einer Chemotherapie. Bislang erhalten diese Patienten hauptsächlich Blüten, deren Wirkstoffe sie dann etwa mithilfe von Verdampfungsgeräten inhalieren können. „Blüten gehören nicht in die Apotheken“, findet jedoch Ko-Gründer Babel. Der THC-Gehalt schwanke von Ernte zu Ernte, eine exakte Dosierung über eine längere Zeit sei darum nahezu unmöglich. Außerdem enthielten die Blüten andere unerwünschte Wirkstoffe, deren Nebenwirkungen schwer berechenbar seien. „Die Blüte ist nur ein Ausgangsstoff, aber kein Arzneimittel.“

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