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Europaweite Aktion : Piloten demonstrieren gegen Überlastung

  • Aktualisiert am

Nach EU-Richtlinien dürfen Pilotenschichten bis zu elf Stunden und 45 Minuten dauern - zu lange, wie sie meinen Bild: dpa

Dutzende Piloten haben in Frankfurt gegen zu lange Arbeitszeiten demonstriert. Die derzeitigen EU-Regelungen zu Flugdienst- und Ruhezeiten begünstigten eine gefährliche Übermüdung und Erschöpfung, warnte die Vereinigung Cockpit.

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          Dutzende Piloten haben am Montag gegen zu lange Arbeitszeiten demonstriert. Die derzeitigen EU-Regelungen zu Flugdienst- und Ruhezeiten begünstigten eine gefährliche Übermüdung und Erschöpfung, teilte die Vereinigung Cockpit in Frankfurt mit. Der Flugverkehr wurde durch die Aktion nicht beeinträchtigt.
          Bis zu 50 Piloten verteilten am Rhein-Main-Flughafen „EU-Flugtickets“ an Passagiere mit Zielort „Sleeping Island“ („Schlafinsel“). Auf Spruchbändern hieß es: „Übermüdung kann tödlich enden“. Die europäische Pilotenvereinigung ECA hatte europaweit zu Aktionen aufgerufen. Sie rechnete mit Hunderten von Teilnehmern.

          In Deutschland gelten derzeit noch schärfere gesetzliche Regelungen als die EU als Mindestmaß vorschreibt, sagte der Sprecher der Pilotengewerkschaft, Jörg Handwerg. Auch die derzeit geltenden Tarifverträge garantierten ein höheres Niveau. Die Gewerkschaft befürchtet allerdings, dass die deutschen Regelungen zugunsten einer Vereinheitlichung gelockert werden.

          Piloten verweisen auf Moebus-Studie

          Übermüdung sei genauso gefährlich wie Alkoholkonsum, sagte Handwerg. Während Alkohol strikt verboten sei, würden die erlaubten Arbeitszeiten jedoch ausgeweitet. Dadurch steige das Unfallrisiko. Die Vereinigung Cockpit schätzt, dass bei fast einem Fünftel aller Flugunfälle Übermüdung eine Rolle spielt.

          Die Piloten fordern daher, die Ergebnisse der sogenannten Moebus-Studie umzusetzen. Wissenschaftler stellten die Ergebnisse der von der EU in Auftrag gegebenen Studie vor rund einem Jahr vor. Für einen Nachtflug empfiehlt die Studie beispielsweise eine Schichtdauer von höchstens zehn Stunden. „Die EU-Richtlinien erlauben allerdings elf Stunden und 45 Minuten“, sagte Handwerg.

          Streit um Arbeitszeiten der Piloten in der EU

          Seit Ende des vergangenen Jahres hat der Streit zwischen Piloten und Fluggesellschaften um die Arbeitszeiten im Cockpit zugenommen. Auslöser war ein Gutachten vom November 2008, das im Auftrag der in Köln ansässigen „Europäischen Agentur für Flugsicherheit“ (EASA) erstellt worden war. Darin ging es um einen möglichen Zusammenhang zwischen Müdigkeit von Piloten und der Gefahr von Unfällen.

          Die Gutachter schlugen unter anderem eine Verringerung der in drei Wochen erlaubten Dienstzeit von 180 Stunden vor. Sie plädierten auch für eine Reduzierung der erlaubten Höchst-Dienstzeit von 13 Stunden pro Tag. Zudem forderten sie eine Reihe von anderen Verbessrungen bei der Berechnung von Ruhe- und Bereitschaftszeiten. Die Studie war vom Verband der Europäischen Fluggesellschaften (AEA) scharf kritisiert worden. Sie halte wissenschaftlichen Anforderungen nicht Stand und unterstütze „Rosinenpickerei der Gewerkschaften“. Der Europäische Verband der Cockpitbesatzungen (ECA) hingegen warf den Fluggesellschaften vor, angesichts wissenschaftlicher Bedenken „den Kopf in den Sand zu stecken“.

          Im April war in der EU der fünf Jahre dauernde Versuch gescheitert, eine allgemein geltende Richtlinie über die Arbeits- und Bereitschaftszeit zu beschließen. Zwischen dem Ministerrat und dem Europaparlament gab es keine Einigung über den Fortbestand einer Ausnahmeregelung, wonach in Ausnahmefällen auch 65 Stunden Arbeit pro Woche erlaubt sein können. Auch über die Anerkennung von „inaktiver Bereitschaftszeit“ als Arbeitszeit gab es keine Einigung.

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