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Europäische Zentralbank : Vor zehn Jahren fiel die Entscheidung für Frankfurt

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Der Mißerfolg ist ein Waisenkind, heißt es, der Erfolg dagegen hat viele Väter. Zu den in diesem Sinn besonders elternreichen Institutionen in Frankfurt gehört die Europäische Zentralbank. Zehn Jahre ...

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          Der Mißerfolg ist ein Waisenkind, heißt es, der Erfolg dagegen hat viele Väter. Zu den in diesem Sinn besonders elternreichen Institutionen in Frankfurt gehört die Europäische Zentralbank. Zehn Jahre ist es jetzt her, daß in Brüssel die Entscheidung für die Ansiedlung der Notenbank der Europäischen Währungsunion am Main fiel. Bis zum Schluß wurde heftig gerungen. Paris und London waren interessiert, Luxemburg, Bonn und Lyon auch und sogar Karlsruhe und Freiburg. Kurz vor der Entscheidung brachte der frühere rheinland-pfälzische Finanzminister und spätere Bundesbanker Edgar Meister noch Mainz ins Gespräch. Die Deals jener Zeit waren abenteuerlich: In die Waagschale geworfen wurden nicht nur andere europäische Institutionen wie die Europäische Arzneimittelagentur oder die Europol-Drogenbekämpfungsstelle für möglicherweise leer ausgehende Städte - selbst die Nachfolge des Kommissionspräsidenten Jacques Delors galt als handelbares Gut bei der Suche nach einem tragfähigen Kompromiß.

          Die heutige Frankfurter Oberbürgermeisterin Petra Roth (CDU) hält sich zugute, sich beim damaligen Bundeskanzler, ihrem Parteifreund Helmut Kohl, für Frankfurt stark gemacht zu haben. Gabriele Eick, seinerzeit Chefin der Frankfurter Wirtschaftsförderung, und der damalige Oberbürgermeister Andreas von Schoeler (SPD) investierten einen Großteil des Jahreshaushalts der Wirtschaftsförderung (angeblich mehr als sechs Millionen Mark) in die Zentralbank-Kampagne "Frankfurt - the natural choice". Walter Wallmann (CDU) soll das Verdienst gebühren, als hessischer Ministerpräsident verhindert zu haben, daß nicht schon vorher die Bundesbank nach Berlin verlegt wurde, wie es das Bundesbankgesetz für den Fall der Wiedervereinigung Deutschlands ursprünglich vorsah. Hilmar Kopper, seit der Ermordung Alfred Herrhausens Chef der Deutschen Bank, gehörte in der Wirtschaft zu den Frankfurt-Protagonisten. Bei der Verleihung der Ehrenbürgerschaft in der Paulskirche sprach Kohl später von einem "zähen Ringen". Die Einigung mit Francois Mitterrand - Frankreich behält das Europaparlament, Deutschland bekommt die Zentralbank - gilt als wichtiger Schritt. Englands Premierminister John Major soll zuletzt den Satz gesagt haben, es spreche alles gegen Frankfurt, also sei er jetzt dafür.

          "Ham wer se? Hurra mer ham se!" ist als Reaktion einer Grünen-Mitarbeiterin jener Tage auf die Entscheidung für Frankfurt überliefert - dabei hatten gerade die Grünen Bedenken geäußert, die Anwesenheit der europäischen Spitzenbanker in der Stadt könnte Mieten und Lebenshaltungskosten weiter nach oben treiben.

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