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: Erste Erfahrungen mit dem digitalen Antennenfernsehen

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Das digitale Antennenfernsehen erfreut sich im Rhein-Main-Gebiet offenbar großer Beliebtheit. Vier Wochen nach dem Sendebeginn seien im Ballungsraum Frankfurt bereits etwa 50000 Empfangsgeräte verkauft ...

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          Das digitale Antennenfernsehen erfreut sich im Rhein-Main-Gebiet offenbar großer Beliebtheit. Vier Wochen nach dem Sendebeginn seien im Ballungsraum Frankfurt bereits etwa 50000 Empfangsgeräte verkauft worden, teilte jetzt auf Anfrage Sascha Bakarinow, Leiter des "DVB-T Projektbüros Rhein-Main" in Wiesbaden, mit. DVB-T ist die offizielle Bezeichnung für die neuartige Ausstrahlungstechnik, die nach einer Übergangszeit am 6. Dezember die herkömmliche, analoge Ausstrahlung über Antenne ablösen soll. Wer im Rhein-Main-Gebiet auch künftig nur mit einer Antenne Fernsehprogramme empfangen will, muß sich bis zum Nikolaustag einen Receiver gekauft haben, sonst sieht er nur noch Schnee auf dem Bildschirm.

          Wie eine Umfrage dieser Zeitung bei Fernseh- und Radiogeschäften der Region ergab, sind viele Menschen unsicher, ob sie sich ein solches Gerät anschaffen müssen oder nicht. Tatsächlich ändert sich für alle, die einen Kabelanschluß nutzen oder ihre Fernsehbilder über Satellit empfangen, überhaupt nichts. Es geht also im Grunde lediglich um den kleinen Kreis jener Haushalte, die sich bisher mit dem überschaubaren Programmangebot zufrieden geben, das über Antenne zu empfangen ist.

          Nach der Umstellung am 6. Dezember werden sehr viel mehr Programme über Antenne zu sehen sein als bisher (siehe Kasten). Das Angebot bleibt aber weiterhin hinter dem im Kabel und allemal hinter dem über Satellit verbreiteten zurück. Gleichwohl heißt es in den Fernseh- und Radiogeschäften der Region, daß mitnichten nur jene Menschen Receiver kauften, die bisher auf den Antenenempfang angewiesen waren. Offenbar nutzen viele Kabel- oder Satellitenkunden das digitale Antennenfernsehen für weitere Empfangsgeräte in der Wohnung. Hans-Georg Knoppik, stellvertretender Geschäftsführer des Fernsehhauses Knös in Wiesbaden, berichtet, ein Kunde habe gleich vier Receiver gekauft. Solche Menschen wollen sich offenbar das Verlegen von Kabeln zu ihren Zwei- und Drittgeräten in der Wohnung sparen. Die Receiver werden von ungefähr 80 Euro an angeboten. Daß Kunden gleich ganz auf den Kabelanschluß verzichten, kommt bisher offenbar nicht oder nur selten vor. Beim Kabelnetzbetreiber Iesy hieß es, es gebe "keine signifikant höheren" Abmeldeungen.

          Zum Empfang ist neben dem Receiver selbstredend auch eine Antenne notwendig, wobei die vorhandenen weiterhin genutzt werden können. Die Kunden, die sich eine kaufen, wählen offenbar in der Mehrzahl Zimmerantennen mit Verstärker, die ungefähr 40 Euro kosten. Wie Ernst Schmid, geschäftsführender Gesellschafter der Hifi-Profis GmbH in Frankfurt, berichtete, reicht eine solche Antenne in ganz Frankfurt aus, um alle Programme gut zu empfangen. Das meldete auch Roland Ladendorf, der in Bad Homburg ein Fachgeschäft betreibt. Angesichts der Nähe des Feldbergs, wo die digitalen Signale ausgestrahlt werden, reiche in der Kurstadt selbst für einen Fernseher, der im Keller stehe, eine solche Antenne aus. Friedhelm Blecher, Inhaber eines Fernseh- und Radiogeschäfts in Usingen, berichtete, wer mit Feldbergblick wohne, komme sogar ohne Verstärker aus.

          Hingegen äußerte Hans Dieter Mutschall, Inhaber eines Geschäfts in Königstein, in diesem Ort sei der Empfang uneinheitlich. In seinem eigenen Ladenlokal reiche im Schaufenster eine einfache Zimmerantenne aus, um ein Bild zu bekommen, nur wenige Schritte weiter in der Ladenmitte hingegen komme er selbst mit einem Verstärker nicht hin. "Es kommt drauf an." Etwas besser als in Königstein seien die Verhältnisse nach seinen Erfahrungen in Kronberg.

          Besonders schlecht ist der Empfang offenbar in Darmstadt, was nach den Worten von Schmid zur Folge hat, daß sich in seiner dortigen Hifi-Profis-Filiale der Absatz von Receivern und Antennen in Grenzen hält. Zimmerantennen brächten dort kein gutes Bild, sagt Schmid. Auf das digitale Antennenfernsehen stiegen deshalb vor allem diejenigen um, die noch eine alte Dachantenne hätten. Bevor sich jemand jetzt eine solche kaufe und installieren lasse, wechsele er lieber gleich zum Satellitenempfang, äußerte Schmid gestern weiter.

          Generell berichten die Geschäftsinhabe, daß die Nachfrage zwar im Moment nicht mehr so hoch sei wie Anfang Oktober, als die digitale Ausstrahlung begonnen habe und in den Zeitungen viel darüber zu lesen gewesen sei, aber nach wie vor rege. Der eigentliche Höhepunkt wird für Anfang Dezember erwartet, wenn die analoge Ausstrahlung abgeschaltet wird und den Fernsehzuschauern, die bisher auf die Antenne vertraut haben, gar keine andere Möglichkeit bleibt, als einen Receiver zu kaufen.

          Wie berichtet, werden derzeit acht Programme digital ausgestrahlt, später sollen es etwa 20 sein. Über die Neuerungen kann man sich im Internet unter www.rhein-main.ueberallfernsehen.de informieren, außerdem telefonisch unter der Nummer 01805/255525. Der Antruf kostet je Minute zwölf Cent. Außerhalb des Rhein-Main-Gebiet werden auch weiterhin einige Fernsehprogramme auf herkömmliche Weise ausgestrahlt, allerdings nur öffentlich-rechtliche. Wann in den anderen Teilen Hessens das digitale Antennenfernsehen eingeführt wird, ist offen. Immerhin fallen beachtliche Investitionskosten an. Die Umrüstung der Sendeanlagen auf dem Frankfurter Fernmeldeturm, dem Feldberg und der Hohen Wurzel bei Wiesbaden kostete mehr als sieben Millionen Euro. MANFRED KÖHLER

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