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Erneuerbare Energien : Nach Ökostrom kommt jetzt Ökogas

Die Mainova hat sich über das Unternehmen First Climate einem Projekt des World Wildlife Fund (WWF) angeschlossen Bild: Kai Nedden

Wärme mit einem guten Gefühl: Wer will, kann jetzt bei zwei regionalen Energieversorgern Erdgas beziehen, bei dem der Schaden, den das Heizen dem Weltklima zufügt, anderswo wieder gutgemacht wird.

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          Ökostrom haben die Energieversorger schon länger auf Lager. Aber Öko-Erdgas? Während bei der Stromerzeugung die Umwelt zu ihrem Recht kommen kann, indem die Energie aus Wind-, Sonnen- oder Wasserkraft gewonnen wird, ist eine solche Umstellung beim Erdgas schwierig. Wer damit heizen will, muss es verbrennen, und dabei entsteht Kohlendioxid.

          Manfred Köhler

          Stellvertretender Ressortleiter des Regionalteils der Frankfurter Allgemeinen Zeitung und verantwortlicher Redakteur des Wirtschaftsmagazins Metropol.

          Doch mit der Mainova und der Entega bieten jetzt zwei der größeren regionalen Energieversorger auch eine Art Öko-Erdgas an. Bereits vor zwei Wochen ließ die Darmstädter Entega wissen, sie vertreibe nun auch ein Erdgas-Produkt namens „Natur-Balance“. Jetzt zog die Mainova nach. Sie bietet zu allen ihren Erdgas-Tarifen die Option „Klima plus“ an. Dadurch werde die Verbrennung des Erdgases neutralisiert, heißt es in einer Mitteilung des Unternehmens.

          Forstprojekt in Kanada als Ausgleich

          Die Entega stellt nach eigenen Angaben sicher, dass ungefähr die gleiche Menge Kohlendioxid, die beim Verbrennen des Erdgases entsteht, anderswo der Atmosphäre entzogen wird – durch das Pflanzen von Bäumen, die Kohlenstoff binden. Die Entega hat sich dafür mit einem kanadischen Unternehmen namens Ecosystem Restoration Associates verbunden, das 2006 mit einem Waldsanierungs- und Aufforstungsprogramm bei Vancouver begonnen hat.

          In der nüchternen Sprache der Wirtschaft werden durch das Pflanzen der Bäume Emissionsminderungszertifikate „hergestellt“, die sodann die Heag Südhessische Energie AG, die Muttergesellschaft der Entega, kauft. Bei der Entega wird versichert, dass alles seine Richtigkeit habe und das Aufforsten überprüft werde.

          Gepflanzt werden zum Beispiel Riesenlebensbäume, die Entega zufolge im Laufe von 100 Jahren 4,9 bis 7,2 Tonnen Kohlendioxid binden. Das würde bedeuten, dass für jeden Kunden, der zu dem neuen Entega-Erdgastarif wechselt, jedes Jahr ein solcher Baum gepflanzt werden müsste. Denn nach den Berechnungen des Unternehmens verursacht der Erdgasbezug eines durchschnittlichen Kunden im Jahr Emissionen von 4,8 Tonnen im Jahr.

          Mainova-Kooperation mit WWF

          Während also dank der Darmstädter Kunden nach und nach in den kanadischen Wäldern die Lichtungen zuwachsen dürften, geht die Mainova etwas anders vor. Sie hat sich über das Unternehmen First Climate einem Projekt des World Wildlife Fund (WWF) angeschlossen. Die Umweltschutzorganisation garantiert, dass mit dem von der Mainova überwiesenen Geld diverse umweltgerechte Investitionen erfolgen. Als Erstes soll ein Windkraftprojekt in der Türkei gefördert werden, später ist an nicht näher bezeichnete Vorhaben in Indien und in Senegal gedacht – aussuchen darf das die Mainova selbst.

          In Indien könnte es dereinst um Energieerzeugung mit Biogas gehen, in Senegal um Solarenergie. Auch in diesem Fall wird wie bei der Entega über Emissionsminderungszertifikate verrechnet, wie ein Mainova-Sprecher sagt. Der WWF befasst sich schon länger mit „klimaverträglichem Konsum“ und arbeitet dazu mit verschiedenen Unternehmen zusammen.

          Mit ihren neuen Erdgas-Tarifen dürfen sich Entega und Mainova durchaus als Vorreiter bezeichnen. Erst wenige Unternehmen hätten derlei im Angebot, heißt es bei Verivox, dem auf Preisvergleiche in der Energiebranche spezialisierten Unternehmen aus Heidelberg (www.verivox.de). Noch schneller war allerdings die Eon-Tochter E wie Einfach, die seit einiger Zeit den „Mein Klima Tarif“ anbietet, bei dem ebenfalls ein Teil des gezahlten Geldes in Klimaschutzprojekte investiert wird.

          Mehrkosten liegen bei 70 Euro

          Bei einem Verbrauch von 20.000 Kilowattstunden in Frankfurt fallen beim E-wie-Einfach-Tarif ohne Klimaschutz 1288 Euro an, mit dieser Sonderleistung hingegen 1357 Euro. Die Mainova schlägt auf den üblichen Erdgas-Preis 0,35 Cent je Kilowattstunde auf, so dass bei dem erwähnten Jahresverbrauch die Mehrkosten bei 70 Euro liegen. Bei der Entega liegt der neuartige Tarif jedenfalls in Darmstadt sogar unter dem herkömmlichen Tarif „Clever Gas“; während für 20.000 Kilowattstunden danach 1290 Euro zu zahlen sind, fallen beim Tarif „Natur Balance“ lediglich 1198 Euro an.

          Emissionsminderungszertifikate kommen auch in anderen Branchen zum Einsatz. Relativ bekannt ist das Unternehmen Atmosfair, bei dem es möglich ist, die durch einen Flug entstehende Umweltbelastung auszugleichen. Die bei einem Hin- und Rückflug von Frankfurt nach New York entstehende Menge Kohlendioxid kann bei dem Unternehmen durch eine Zahlung von 93 Euro wettgemacht werden. Das Geld wird nach Unternehmensangaben vor allem in die regenerative Energieerzeugung in Entwicklungsländern investiert.

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