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Erneuerbare-Energien-Gesetz : Stürmische Zeiten für Windenergie-Unternehmen

  • -Aktualisiert am

Die Windkraftbranche wird durch die Reform des Erneuerbare-Energien-Gesetzes durcheinander gewirbelt. Bild: dpa

Die Reform des Erneuerbare-Energien-Gesetzes wirbelt die Windkraftbranche durcheinander. Parkentwickler versuchen, durch mehr Auslandsgeschäft die Auswirkungen zu mildern.

          „Der deutsche Markt für Windkraftanlagen wird durch die Reform des Erneuerbare-Energien-Gesetzes kleiner werden. Wir gehen jedoch davon aus, dass wir unseren Marktanteil vergrößern können“, sagt Alexander Koffka, Sprecher des Wiesbadener Unternehmens Abo Wind AG.

          Seiner Einschätzung nach wird sich die Änderung des EEG erst in den Jahren 2018 und 2019 voll auf die Unternehmen der Windkraftbranche auswirken, weil die Anlagen in diesem Jahr noch zu den alten Regeln gebaut werden dürfen. Meldungen, wonach Abo Wind keine neuen Mitarbeiter einstellen werde, widerspricht er: „Von einem Einstellungsstopp kann keine Rede sein. Wir stellen weiterhin fleißig ein.“ In Deutschland will Abo Wind sein Projektvolumen halten und zudem international expandieren. „Unser Wachstum wird primär im Ausland stattfinden“, stellt Koffka klar.

          Regeln gelten für Windkraftanlagen an Land

          Das Wiesbadener Unternehmen beschäftigt derzeit rund 400 Mitarbeiter. In diesem Jahr werden noch 30 bis 40 Windkraftanlagen in Deutschland von Abo Wind errichtet. „Wir sind nun auch in Iran aktiv, und in Argentinien verzeichneten wir im vergangenen Jahr große kommerzielle Erfolge“, skizziert der Unternehmenssprecher die jüngsten Aktivitäten. Zudem sei Abo Wind in Finnland und den Vereinigten Staaten von Amerika tätig.

          Auch bei beim Windpark- und Solarstromentwickler Juwi aus Wörrstadt geht man davon aus, dass der deutsche Markt für Windkraftanlagen in den nächsten Jahren schrumpft. „Das liegt allein schon daran, dass das Ausbauvolumen von 4,4 Gigawatt auf 2,8 Gigawatt reduziert wird“, erklärt Juwi-Sprecher Christian Hinsch. Diese Reduzierung ist laut Hinsch das vorrangige Problem.

          Nach Mitteilung des Bundeswirtschaftsministeriums gilt die Ausbaugrenze in Höhe von 2,8 Gigawatt für die Jahre 2017 bis 2019. Von 2020 an dürfen Anlagen bis zu einem Volumen von 2,9 Gigawatt geplant werden. Die Übergangsregel gilt für Anlagen, die 2016 geplant und 2017 und 2018 errichtet werden. Zudem wird die Vergütungshöhe für erneuerbaren Strom nicht mehr wie bisher staatlich festgelegt, sondern durch Ausschreibungen am Markt ermittelt. Diese Regeln gelten für Windkraftanlagen an Land – Off-Shore-Anlagen und Sonnenenergie-Anlagen unterliegen anderen Regeln.

          Erfolg in den USA und in Asien

          Die Auswirkungen der Reform werden auch die Mitarbeiter von Juwi zu spüren bekommen. „Unsere Geschäftsführung befindet sich derzeit mit dem Betriebsrat in Gesprächen über einen Stellenabbau“, erläutert Hinsch. Dessen Größenordnung ließe sich zwar noch nicht exakt beziffern, man gehe jedoch von einer mittleren zweistelligen Zahl in Deutschland aus. Juwi beschäftigt alles in allem rund 1000 Mitarbeiter, davon etwa 650 in Deutschland.

          Schon 2014 hat Juwi Hinsch zufolge etwa 500 Stellen abgebaut. Vor dem Verkauf an MVV aus Mannheim sei das Unternehmen „radikal umgebaut“ worden; man habe sich auf weniger Geschäftsfelder konzentriert. Allerdings geht auch Hinsch davon aus, dass die Juwi-Gruppe in Zukunft neue Jobs schaffen wird – aber eben im Ausland. „Deutschland ist nach wie vor unserer Kernmarkt, daher können wir auch mit einem weiteren Wachstum im Ausland die Auswirkungen der EEG-Reform nicht eins zu eins kompensieren“, stellt Hinsch klar und begründet damit den in Deutschland zu erwartenden Stellenabbau.

          In den Vereinigten Staaten und in Asien ist der Wörrstadter Projektentwickler schon erfolgreich – das weitere internationale Wachstum stellt einen Teil der künftigen Unternehmensstrategie dar. Aber auch in Nordamerika wird das Geschäft schwieriger, weil sich Hinsch zufolge dort ebenfalls die Förderrichtlinien für Windkraftanlagen ändern sollen.

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