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Erfolgreich : Heraeus legt zu und stellt auch in Rhein-Main ein

Helmut Eschwey, Vorsitzender der Heraeus-Geschäftsführung, vor der Vergrößerung eines Motorradkatalysators Bild: dpa

Hohe Goldpreise und die kraftvolle Konjunktur verschaffen Heraeus ein Rekordergebnis – und allein in Rhein-Main gut 160 Menschen neue Jobs in dem Hanauer Familienunternehmen.

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          Wenn es darum geht, die Kapazität von Computerfestplatten mit Hilfe hauchdünner Trägerschichten aus dem Metall Ruthenium auf ein Terabyte zu steigern, was etwa der Datenmenge von 1800 Filmstunden entspricht, dann ist das Knowhow des Hanauer Edelmetall- und Technologiekonzerns Heraeus meist im Spiel. Geld verdient das weltweit aktive Familienunternehmen aber nicht nur mit dem Handel und der Verarbeitung von Edelmetallen wie Platin, Gold, Palladium und eben Ruthenium. Sensoren, die die Temperatur von flüssigem Stahl genau bestimmen, und Speziallichtquellen wie UV-Lampen, die Keime in Trinkwasser abtöten, gehören ebenfalls zum Portfeuille.

          Jochen Remmert

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung, zuständig für Flughafen und Offenbach.

          Im vergangenen Jahr haben die gute konjunkturelle Entwicklung in der Elektronikindustrie, der Stahlindustrie, der chemischen Industrie und die stark gestiegenen Edelmetallpreise Umsatz und Ergebnis noch einmal deutlich im Vergleich zum Jahr davor steigen lassen, wie der Vorsitzende der Geschäftsführung der Heraeus Holding GmbH, Helmut Eschwey, gestern bei der Bilanzvorlage in Frankfurt mitteilte. Der Überschuss ist um gut 19 Prozent auf 210 Millionen Euro gestiegen, der Produktumsatz um acht Prozent auf 2,9 Milliarden Euro. Der Edelmetall-Handelsumsatz ging leicht um ein Prozent zurück auf 9,3 Milliarden Euro, wobei die hohen Edelmetallpreise dazu beitrugen, dass das Ergebnis stieg, wie Eschwey weiter ausführte. Die Zahl der Mitarbeiter ist dabei weltweit um fünf Prozent auf 11 875 gestiegen. Von den 600 neu eingestellten Männern und Frauen entfielen auf Asien 234, in Deutschland sind 168 Stellen neu entstanden.

          Flexibilität und Wettbewerbsfähigkeit des Hauses deutlich gestärkt

          In Rhein-Main, wozu bei Heraeus neben dem Stammsitz in Hanau die Standorte Wehrheim und Kleinostheim zählen, arbeiteten zum 31. Dezember 4045 Männer und Frauen, 2006 waren es 3884 und im Jahr davor 3847. Als besonderen Erfolg des abgelaufenen Geschäftsjahres bezeichnete Eschwey den Übergang von 3000 Mitarbeitern vom Metalltarifvertrag zum Tarifvertrag der chemischen Industrie vom 1. Januar 2008 an. Für den einzelnen Mitarbeiter ist dabei zwar eine Mehrarbeit von 2,5 Stunden in der Woche ohne vollen Lohnausgleich verbunden, das Unternehmen hat aber zugleich einer Entgelterhöhung um mindestens 1,4 Prozent zugestimmt.

          Die neue Tarifstruktur soll den Wechsel von Mitarbeiter von einer Sparte des Konzerns in eine andere, wo mehr Leute gebraucht werden, erleichtern. Damit sieht die Unternehmensleitung die Flexibilität und die Wettbewerbsfähigkeit des Hauses deutlich gestärkt. Eschwey lobte in diesem Zusammenhang ausdrücklich die Rolle der Gewerkschaften, die konstruktiv bei diesem Schritt mitgewirkt hätten. Insbesondere für die IG Metall sei es wohl kein leichter Schritt gewesen, auf ein Branchenflaggschiff wie Heraeus zu verzichten, vermutete Eschwey, der zum 1. September sein Amt aufgeben und künftig Beirats- und Aufsichtsratsfunktionen übernehmen will.

          Belastungen durch den steigenden Euro-Kurs

          Sein designierter Nachfolger im Amt des Vorsitzenden der Geschäftsführung und derzeitiger Stellvertreter, Frank Heinricht, wies gestern darauf hin, dass der Konzern 2007 seinen Umsatz zu einem Viertel mit Produkten erwirtschaftet habe, die jünger als drei Jahre seien, was einmal mehr die Innovationskraft des Konzerns belege.

          In das Jahr 2008 ist Heraeus Heinricht zufolge „kraftvoll gestartet“. Gleichwohl rechnet er mit Belastungen durch den steigenden Euro-Kurs, die Finanz- und Immobilienkrise in den Vereinigten Staaten und einer zyklischen Abschwächung des Halbleitergeschäfts.

          Finanzchef Jan Rinnert, der im vergangenen Jahr für den ausgeschiedenen Jürgen Truxius in die Geschäftsführung aufrückte, sieht den Konzern dennoch gut gerüstet, die Präsenz auf den Märkten auszubauen. Eine auf 55 Prozent gesteigerte Eigenkapitalquote erscheint dem Schwiegersohn von Aufsichtratschef Jürgen Heraeus dafür „eine gute Basis“.

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