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Entwicklung der Deutschen Bank : Sewings schwierige Mission

Christian Sewing ist entschlossen, trotz des Kursstuzes von 30 Prozent während seiner Amtszeit. Bild: Wolfgang Eilmes

Christian Sewing, Vorstandschef der Deutschen Bank, meint, es gehe aufwärts mit Deutschlands größtem Geldhaus. Dass das stimmt, darf bezweifelt werden. Ein Kommentar.

          Wer Aufbruchstimmung erzeugen will, braucht einen Impuls, irgendein Signal, an dem man sich festhalten kann. Insofern hat Christian Sewing sein erstes Ziel erreicht: Weil sich die Deutsche Bank, wenn auch im internationalen Vergleich nur in marginalem Umfang, wieder in der Gewinnzone befindet, kann der Vorstandsvorsitzende nun tief in die Motivationskiste greifen und Sätze formulieren wie jenen, man sei auf dem richtigen Weg. Genau das brauchen Mitarbeiter, Aktionäre und Investoren zu diesem Zeitpunkt: etwas, das sie wirklich daran glauben lässt, dass dem einst so stolzen Frankfurter Geldhaus die Wende zum Guten gelingen könnte.

          Doch die Bilanz der Deutschen Bank muss in zwei Teile gegliedert werden. Da sind einerseits die Hoffnungsschimmer: der Abbau von Altlasten, die Reduktion der Kosten, die Integration der Postbank. Doch der genaue Blick in die Zahlen gibt andererseits auch weiterhin Anlass zur Sorge. Denn Wachstum lässt sich langfristig nicht durch sinkende Kosten erzeugen, sondern nur durch Investitionen. Doch genau hier liegt das Problem. Bei der Deutschen Bank sind in Zeiten, in denen amerikanische Großbanken längst wieder zweistellige Milliardengewinne einfahren, Ertragsbringer von Gewicht kaum auszumachen.

          Insofern steckt die Deutsche Bank immer noch in einer gefährlichen Abwärtsspirale. Solange die Kosten gesenkt werden müssen, um positive Ergebnisse präsentieren zu können, stellt sich die Frage, woraus sich das Wachstum speisen soll. Ein gutes Beispiel dafür ist die Digitalisierung, die in den nächsten Jahren auch unter Banken Opfer fordern wird. Wer jetzt nicht in die digitale Transformation investiert, dem droht eines Tages ein böses Erwachen. Der Deutschen Bank muss diese Gratwanderung zwischen Kostendisziplin und Investitions- und Innovationsfreude gelingen.

          Auch wenn Sewing von einem stabilen Fundament spricht: Auf welch wackligen Beinen die Bank nach wie vor steht, hat das letzte Quartal 2018 gezeigt, in dem die Bank wieder in die roten Zahlen rutschte. Sewing ist trotzdem überzeugt, mit harter Arbeit auf den Wachstumspfad zurückkehren zu können und das Schicksal selbst in der Hand zu haben. Ob er damit richtigliegt, darf man bezweifeln. Denn in ihrer derzeitigen Verfassung ist die Deutsche Bank nicht nur ein Sorgenkind der deutschen Wirtschaft, sondern womöglich ein Übernahmekandidat.

          Daniel Schleidt

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

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