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„Entrepreneur des Jahres 2008“ : Natur-Arznei schlägt Bio-Limonade

Der große Sieger bei der Wahl zum „Entrepreneur des Jahres 2008”...
          3 Min.

          Nach ein paar Blicken in die Runde meint der Mann von der Allianz: „Das ist ein ganz anderes Deutschland als da, wo ich sonst so bin.“ Sonst trifft er meist Investmentbanker bei Gala-Abenden wie diesem hier in der Frankfurter Alten Oper. Die Smokingträger und Frauen in den Abendkleidern, die sich vor dem Großen Saal tummeln und Sekt oder Selters nippen, „haben eine ganz andere Physiognomie – das ist der produktive Teil“. Auf Widerspruch stößt er nicht, ist die Alte Oper doch fest in der Hand von Mittelständlern – und fünf von ihnen werden das Parkett als „Entrepreneur des Jahres“ verlassen.

          Thorsten Winter
          Wirtschaftsredakteur und Internetkoordinator in der Rhein-Main-Zeitung.

          Ob der jugendlich wirkende Vierziger mit dem kurzen mittelblonden Haar zu jenen zählen wird? Er, der der ein paar Plätze neben dem Allianz-Mann sitzt, hat es zumindest unter die 65 Finalisten geschafft, die aus 300 Unternehmern ausgewählt worden sind. Unter die Unternehmer, die zusammen für einen von zehn Milliarden Euro im Jahr stehen und etwa 48 000 Mitarbeiter beschäftigen. Wobei die Erlöse zuletzt um durchschnittlich 38 Prozent und die Belegschaften um beinahe ein Drittel gewachsen sind, wie es heißt. Eine Chance darf sich der Mittelblonde wohl schon deshalb ausrechnen, weil sein Produkt unter Limonade-Trinkern Kult-Status genießt und sein Unternehmen stark wächst. Ein bisschen Nervosität kann er auch nicht verbergen: Kaum hat er Platz genommen, dreht er den dunklen Stein, den er wie jeder Gast auf seiner Serviette vorgefunden hat, zwischen den Fingern hin und her. Handschmeichler werden solche Kiesel genannt – aber auch Sorgenstein.

          „Der Unternehmer will nützlich sein“

          Von Sorgen will an diesem Abend trotz der Panik an den Börsen niemand reden. Einmal nimmt Moderatorin Carola Ferstl der Wort Krise in den Mund – damit es für diesen Abend das erste und das letzte Mal gesagt ist. Bei dem einen Mal bleibt es dann zwar nicht, weil Herbert Müller von der Finanzkrise spricht. Doch der Vorstandschef des Veranstalters Ernst & Young philosophiert nicht länger über die Talfahrt der Märkte und die befürchteten Folgen für die Realwirtschaft: „Es macht mitten in der Finanzkrise Sinn, zu zeigen, wie wichtig solche Unternehmer für unsere Volkswirtschaft sind“, sagt er vielmehr unter dem Beifall der Gäste. Auch der Mittelblonde hebt die Hände zum Applaus, während sein Stein nach den ungezählten Rotationen auf dem Tisch ruht.

          ...Götz Werner, Gründer und Chef der Drogeriekette dm
          ...Götz Werner, Gründer und Chef der Drogeriekette dm : Bild: Felix Seuffert

          Auch Florian Henckel von Donnersmarck ist nicht nach Trübsal zumute. Der Regisseur des Oscar-prämierten Films „Das Leben der anderen“, redet an dem Ort, an dem er einst im Chor des Frankfurter Lessing-Gymnasiums Carl Orffs „Carmina Burana“ sang, lieber über den Stolz, den ihm sein Vater eingeimpft hat. Den Stolz, den Unternehmer wegen ihres mit Zahlen belegten Erfolgs fühlen könnten. Und die Gemeinsamkeit, die er bei Filmemachern und Entrepreneuren sieht: Sie interessierten „sich mehr für den Erfolg eines Films oder den Umschlag im Lager als für die Maße ihrer Sekretärin“, sagt er unter zahlreichen Lachern aus den Reihen vor sich. Der von Angst und Ehrgeiz gehobene Adrenalinspiegel „hat längst den Testosteronspiegel überholt“.

          Dabei gilt alle Energie einem Ziel, wie Donnersmarck fast inbrünstig meint: „Der Unternehmer will nützlich sein“ – für die Gesellschaft. Der Mittelblonde sitzt fast die gesamte Rede über wie eine Eins auf dem Stuhl und hört zu, bevor er sich bei Harfenklängen mit Perlhuhnbrust und Algengemüse für die Preisvergabe stärkt. Ob er wohl auf dem Treppchen landet?

          Finalisten-Trophäe als Trost

          Zumindest zählt er in der Kategorie „Industrie“ zu den drei Unternehmern, aus denen der Spartenspieger gekürt wird. Er sieht sein Gesicht auf der Leinwand. Dort laufen Porträts über die besten Drei – neben ihm sind das die Chefs eines Solarenergieunternehmens und eines Naturarnei-Herstellers. Nun lässt der Vierziger den lange unangetastet gelassenen Stein wieder in der Hand kreisen. Der Sprecher im Porträtfilm verkündet, dass der jugendlich wirkende Unternehmer den Umsatz in den vergangenen Jahren verhundertfacht hat und bald die erste Abfüllanlage in den Vereinigten Staaten anfahren will.

          Kurz darauf wirkt der Mittelblonde ganz ruhig, als F.A.Z-Herausgeber Holger Steltzner den Sieger verkündet: „And the winner is: Michael Popp“ – der Chef des Naturmedizin-Herstellers Bionorica. Der Vierziger braucht einen Wimpernschlag, dann klatscht auch er. Er, Peter Kowalsky, Chef von Bionade. Befreiter klatscht er dann, als der Gründer der Drogeriekette DM, Götz Werner, zuerst zum Gewinner in der Kategorie „Handel“ und später zum Gesamtsieger gekürt wird. Kolwasky bleibt immerhin die gläserne Finalisten-Trophäe. Und der Stein.

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