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Einzelhandel : Main-Taunus-Zentrum: In die Höhe statt in die Breite

Bild: F.A.Z.

Das Main-Taunus-Zentrum in Sulzbach soll wieder einmal größer werden. Doch gegen die Pläne regt sich Protest. Können die Gegner die Erweiterung noch stoppen?

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          Der Ball liegt jetzt offenbar bei Berthold Gall (CDU). Der Landrat des Main-Taunus-Kreises hat eine sogenannte Bauvoranfrage für eine Erweiterung des Main-Taunus-Zentrums vorliegen. Der Mehrheitseigentümer will das Einkaufszentrum auf der Gemarkung Sulzbachs vergrößern:

          Christian Siedenbiedel

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Ein beachtlicher Teil der Parkplätze soll bebaut werden, und zwar offenbar mit Einzelhandelsfläche im Erdgeschoß und zwei Lagen Parkdecks darüber, wie man hört. Dadurch soll die Verkaufsfläche des Zentrums von 79 000 auf mehr als 90.000 Quadratmeter steigen, außerdem dürfte sich die Zahl der Parkplätze zumindest in diesem Abschnitt praktisch verdoppeln.

          „Wir haben noch kein Baurecht“, sagt Robert Heinemann, Sprecher der Hamburger ECE Projektmanagement GmbH & Co. KG, die Mehrheitseigentümerin des Zentrum ist. Zu Details wollte er sich gestern noch nicht äußern. In der Region wird vermutet, die Zentrumsbetreiber hätten „einen Stein in Wasser werfen“ und erst einmal abwarten wollen, wieviel Protest es gebe.

          Bei Konsumenten beliebt, bei den Händlern der umliegenden Orte gefürchtet: das Main-Taunus-Zentrum

          Widerstand formiert sich

          Offenbar solle das Projekt nach Paragraph 34 Baugesetzbuch durchgezogen werden - gleichsam als Behebung einer Baulücke, ohne Bebauungsplan und damit ohne die aufwendige Anhörung des Planungsverbands, der in der Vergangenheit schon Einkaufszentren einen Strich durch die Rechnung gemacht hatte.

          Als das Main-Taunus-Zentrum Ende der neunziger Jahre auf dem Gelände des früheren Sulzbacher Autokinos seine Fläche hatte vergrößern wollen, war an dieser Frage sogar die große Koalition im damaligen Umlandverband zerbrochen. Der damalige Frankfurter Planungsdezernent Martin Wentz (SPD) hatte von einem „Anschlag auf die westlichen Stadtteile Frankfurts“ gesprochen. Vor allem in Höchst hatte man seit dem Bau des Main-Taunus-Zentrums Anfang der sechziger Jahre über eine schleichende Verödung der eigenen Einkaufsstraßen geklagt.

          Auch jetzt, da das Zentrum gleichsam „in die Höhe“ gehen will, scheint sich der Widerstand schon zu formieren, wiewohl vieles noch verdeckt läuft. „Wir haben gegenüber dem Main-Taunus-Kreis unsere Bedenken formuliert“, verriet der Bürgermeister von Bad Soden, Norbert Altenkamp (CDU). Man sei in „großer, großer Sorge“, daß die zusätzliche Einzelhandelsfläche für die umliegenden Gemeinden einen weiteren Kaufkraftabfluß bedeuten könnte.

          Gemeinde ist beunruhigt

          Auch der Bürgermeister von Liederbach, Gerhard Lehner (CDU), äußerte Bedenken. In seiner Brust wohnten zwar „zwei Seelen“, weil die Bürger von Liederbach schließlich auch von verbesserten Einkaufsmöglichkeiten im Main-Taunus-Zentrum profitieren könnten - und man sich ohnehin keinen Illusionen hingebe, was die Bindung von Kaufkraft an Liederbach betreffe. Die Gemeinde sei aber beunruhigt, daß das Verkehrsaufkommen steigen könnte. „Schon jetzt staut es sich zu den Spitzenzeiten an der Anschlußstelle der Bundesstraße 8 zur Autobahn 66“, so Lehner.

          Wenn das Angebot und die Zahl der Parkplätze im Main-Taunus-Zentrum ausgeweitet würden, bedeute das noch mehr Verkehr, der sich einen Schleichweg über die Höchster Straße durch Liederbach suchen könnte. In Schwalbach hatten sich die Grünen gegen die Erweiterung des Zentrums ausgesprochen. Sie meinten, man solle lieber Geschäfte fördern, die man auch gut zu Fuß oder mit dem Rad erreichen könne. Sie konnten die Mehrheit der Schwalbacher Stadtverordnetenversammlung jedoch nicht überzeugen.

          Bei der Stadt Frankfurt soll man etwas verärgert sein, daß man nicht stärker in das Planungsverfahren einbezogen wurde. Anscheinend ist umstritten, ob der Weg über den Baulücken-Paragraphen nach der jüngsten Novellierung des Baugesetzbuches überhaupt noch gangbar ist - oder ob nicht doch ein Bebauungsplan mit der daran hängenden Einbeziehung der Nachbarkommunen der angezeigte Weg wäre.

          Wider die Stärkung der Innenstädte

          In einem solchen Verfahren wurde beispielsweise ein neuer Einkaufsmarkt für Oberursel von Planungsverband gestoppt, obwohl die Gemeinde selbst ihn wollte. Vermutlich waren Bedenken von Nachbarkommunen ausschlaggebend, die Konkurrenz für den eigenen Handel befürchteten.

          „Wir müssen erstmal genauer prüfen, ob für die Erweiterung eine Genehmigung notwendig ist oder nicht“, meinte der Vorsitzende des Frankfurter Einzelhandelsverbands, Frank Albrecht. So sehr man sehe, daß Einkaufszentren sich modernisieren können müßten, wie das etwa auch beim Nordwestzentrum geschehen sei, so sehr habe man Bedenken gegen eine Ausweitung über die bestehenden Grenzen hinaus: „Das würde allen Bestrebungen zur Stärkung der Innenstädte zuwiderlaufen.“

          Beim Main-Taunus-Kreis hieß es gestern, die Prüfung der vor rund drei Wochen eingegangenen Bauvoranfrage könnte knapp zwei Monate dauern. Das wäre bis nach den Kommunalwahlen.

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