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Einzelhandel : Galeria Kaufhof innen und außen nobler

Renoviert: die Galeria Kaufhof an der Hauptwache Bild: F.A.Z. - Daniel Pilar

Auf Blech folgt Kunstsandstein. Das Frankfurter Kaufhaus an der Hauptwache hat seine weiße Metallfassade endgültig abgelegt. Geschäftsleitung und AG-Vorstand präsentierten das neue Konzept. Mehr Marken heißt die Devise.

          Der Umbau der Galeria Kaufhof auf der Frankfurter Zeil ist bis auf Detailarbeiten abgeschlossen. Das weiße, ziemlich in die Jahre gekommene Metallkleid ist einer Kunststeinfassade gewichen, die an Sandstein erinnert und von einer drei Etagen hohen Glasgalerie durchbrochen wird. Das neue Äußere sieht weit nobler aus als das alte und nimmt damit vorweg, was sich auch im Inneren verändert hat: Das neue Konzept der Kaufhof Warenhaus AG setzt auf umsatzträchtige Marken und will ein eher höherwertiges Sortiment präsentieren als bisher, wie der Vorstandsvorsitzende der Kaufhof Warenhaus AG, Lovro Mandac, bei der Vorstellung des außen wie innen neu strukturieren Hauses sagte.

          Jochen Remmert

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung, zuständig für Flughafen und Offenbach.

          Rund 70 etablierte und gut nachgefragte Marken hat das Unternehmen neu ins Sortiment genommen, viele davon präsentiert das Frankfurter Haus in sogenannten Markenshops, wie die Kaufleute die einer Marke vorbehaltenen Verkaufsinseln auf der jeweiligen Etagen nennen. Zu den neu aufgenommenen Marken gehören beispielsweise Hugo Boss, Jacques Britt und die Trendmarke Wellensteyn für den Herren. Frauen finden dort neuerdings Lederwaren von Coccinelle oder Mandarina Duck und Garderobe der Marken Blacky Dress, Jean Paul, Airfield, Jette und anderen. Kleidung dominiert das Gesamtangebot, im Erdgeschoss überwiegen jedoch - entsprechend dem Kaufverhalten der Kunden - Uhren, Schmuck, Parfümeriewaren, Sonnenbrillen und Lederwaren und sonstige Accessoires.

          Lichtintensität nahezu verdoppelt

          Im Frankfurter Haus hat bei der Markenauswahl auch die Nähe zum Bankenviertel und der entsprechende Bekleidungsbedarf der dort arbeitenden Männer und Frauen eine erhebliche Rolle gespielt, wie Norbert Richter, Geschäftsführer der Frankfurter Dependance, sagte. Um das alles ins rechte Licht zu rücken, seien Tausende neue Strahler montiert, die die Lichtintensität im gesamten Haus nahezu verdoppelt habe, erläuterte Peter Rentsch, im Vorstand der Kaufhof Warenhaus AG für den Verkauf und das Baumanagement verantwortlich.

          Mit der Neugestaltung des Hauses, dessen zehn Verkaufsetagen rund 25.000 Quadratmeter messen, wächst Richter zufolge auch der Personalbedarf. Zu den derzeit rund 650 Mitarbeitern sollen alsbald weitere 35 kommen. Denn mit dem höheren Preissegment steige auch der Bedarf, dem Kunden zu erläutern, weshalb die Ware den höheren Preis rechtfertige.

          Einen Übergang zu dem nebenan entstehenden Einkaufs- und Bürozentrum Frankfurt Hoch Vier, das neuerdings Palais Quartier heißt, wird es vorerst nicht geben, wie Richter weiter sagte. Ein solcher Übergang sei zwar nicht ohne Reiz, würde aber im Moment die Logistik innerhalb des Hauses, vor allem den Wareneingang, zu sehr stören.

          Kaufhof geht auf das Warenhaus Leonhard Tietz zurück

          Für eine „super Idee“ halten es die Leute von Kaufhof, die Große Eschenheimer Straße vor dem Haupteingang ihres neuen Hauses in eine Fußgängerzone umzuwandeln. Damit werde einer der attraktivsten Plätze Frankfurts entstehen, über den das Gros der Besucher und potentiellen Einzelhandelskunden strömen werde. „Die Musik wird an der Hauptwache spielen“, resümierte Richter zuversichtlich.

          Ein Kaufhaus gibt es an dieser Stelle in Frankfurt schon seit 1929. Warenhaus Leonhard Tietz hieß es damals noch, und die „runde Ecke“ an der Großen Eschenheimer Straße und der Zeil galt als eine architektonische Sehenswürdigkeit. Die heutige Kaufhof Warenhaus AG geht im Kern auf ein kleines Geschäft in Stralsund zurück, das der Kaufmann Leonhard Tietz dort 1879 eröffnet hatte und in dem er Garne, Knöpfe, Wollwaren und Artikel für Damen- und Herrenschneider verkaufte. Tietz wandelte später als erster deutscher Warenhausbetreiber sein Unternehmen in eine Aktiengesellschaft um, in die Leonard Tietz AG, zu der einmal 43 Kaufhäuser und eigene Fabrikationsbetriebe gehören sollten.

          Nach Enteignung durch die Nationalsozialisten 1933 und Emigration begann die jüdische Familie Tietz nach dem Krieg neu. Das Unternehmen hieß von 1953 an Kaufhof AG, seit 1989 Kaufhof Warenhaus AG, die heute zur Metro Group gehört. Mit mehr als 25.000 Mitarbeitern in gut 140 Filialen in Deutschland und Belgien erwirtschaftete das Unternehmen zuletzt einen Umsatz von 3,6 Milliarden Euro. Wie dieser aktuell aussieht, wollte die Unternehmensleitung ebenso wenig mitteilen, wie den Betrag, mit dem die Kompletterneuerung des Kaufhauses an der Hauptwache zu Buche schlägt. Sein Haus lege demnächst die Bilanz vor, und das Aktiengesetz schreibe für diese Phase vor, was die Geschäftszahlen betreffe, zu schweigen, sagte Vorstandschef Mandac. Und das tat er denn auch.

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