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Einzelhandel : Am Autobahndreieck 30 Prozent Rabatt

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Gute Lage: In Kirchheim setzen Sportartikel- undTextilhersteller auf den Direktverkauf nahe der Autobahn. Bild: Dieter Rüchel

In Kirchheim, wo sich die Autobahnen 4, 5 und 7 treffen, entsteht schon das zweite große Geschäft eines Sportartikelherstellers - leicht erreichbar vom Rhein-Main-Gebiet aus. Doch auch wenn es sich um nichts anderes als Fabrikverkauf handelt - dieses Reizwort vermeidet man am Ort sorgfältig.

          Am Kirchheimer Autobahndreieck bei Bad Hersfeld werden der Sportartikelhersteller Puma und ein namhafter Anbieter von Herrenschuhen vom Sommer an einen Direktverkauf betreiben. Der Sportausrüster Trigema hat dort schon eine Verkaufsstelle eingerichtet, nachdem ihm sein bisheriger Standort an der etwa zehn Kilometer nördlich gelegenen Autobahnabfahrt Hersfeld-West neben der A 7 (Würzburg–Hamburg) zu klein geworden war.

          Der Geschäftsführer der Wirtschaftsförderung Hersfeld-Rotenburg, Erhard Berleth, betont, es handele sich nicht um ein „Factory-Outlet-Center“ mit einer Vielzahl unterschiedlicher Werksverkäufe auf mehreren tausend Quadratmetern Verkaufsfläche, obwohl Nordhessen wegen seiner zentralen Lage für Verkaufsflächen ideal geeignet sei und bei seiner Gesellschaft rege Nachfrage nach Gewerbeflächen herrsche.

          Zentral in Deutschland

          Für Autofahrer liegt Bad Hersfeld zentral in Deutschland, aber auch in Europa. In Kirchheim trifft die A 4, von der polnischen Grenze kommend, auf die A 7, die Deutschland in Nord-Süd-Richtung durchzieht. Wenige Kilometer südlich zweigt am Hattenbach-Dreieck die A 5 in Richtung Frankfurt–Basel von der A 7 ab. Die A 7 bei Kirchheim passieren am Tag 107 000 Fahrzeuge.

          Der Abschnitt der A 7 vom Hattenbacher Dreieck im Süden bis Kassel im Norden gilt als am dichtesten befahrene Autobahn Deutschlands außerhalb eines Ballungsraumes. In letzteren – wie auf der A 5 um Frankfurt – mischen sich lokale Verkehre mit dem Fernverkehr.

          Neue Jobs in der Logistik

          Rund um Bad Hersfeld entstanden seit der Wende 6000 neue Arbeitsplätze in der Logistik, und die Arbeitslosenquote am früheren Zonenrand sank um mehr als ein Drittel auf etwa sieben Prozent. Eine solch positive Entwicklung vollzog sich überall in Nordhessen, sofern die Verkehrsinfrastruktur vorhanden war. Schon vor Jahren wiesen die Logistiker das Wirtschaftsministerium auf ihren Bedarf hin, den Flughafen Kassel-Calden mehr als bisher in ihr Distributionsnetz einzubeziehen.

          Es gibt wohl keinen namhaften Logistiker, der rund um Hersfeld nicht einen zentralen Umschlagplatz hätte. Zu den Ansiedlungen, die am bekanntesten sein dürften, gehören der Buchgroßhandel Libri und Amazon. Der Internetanbieter Amazon erweitert seine Flächen an der A 4 bei Hersfeld derzeit um 105 000 Quadratmeter. Die Zahl der Arbeitsplätze wird sich allein dort von gegenwärtig 1100 auf 2500 mehr als verdoppeln.

          Langwierige Diskussion

          Die Diskussion um ein „Outlet-Center“ sei in Nordhessen schon vor Jahren geführt und beendet worden, sagt Berleth. Als Standorte seien vor allem Kirchheim und Diemelstadt im Gespräch gewesen. Diemelstadt liegt an der A 44 Kassel–Dortmund ebenfalls verkehrsgünstig und zudem relativ nahe am dichtbesiedelten Ruhrgebiet.

          Berleth sagt, vor allem wegen der Proteste aus Kassel als dem Zentrum der Region sei der Bau eines „Outlets“ außerhalb der Stadt von den politischen Gremien ausgeschlossen worden. Die Innenstadtkaufleute fürchteten den Abfluss von Kaufkraft in einen Werksverkauf an der Autobahn.

          Ständiger Schlussverkauf

          Die Regionalversammlung habe die Ansiedlung von Trigema am Kirchheimer Dreieck gestattet, sagt Berleth, da es sich um eine Verlagerung innerhalb des Landkreises handelte und die Verkaufsfläche auf 400 Quadratmeter begrenzt worden sei. Im Übrigen werde außerörtlich kein Werksverkauf zugelassen. Puma werde sich in Kirchheim aber auf einem innerörtlichen Gelände ansiedeln. Nach Angaben von Puma soll der Standort in Kirchheim dem örtlichen Einzelhandel keine Konkurrenz machen. Puma erwartet dort zu 75 Prozent „Impulskäufer“, die an der Autobahn einen Stopp einlegen, um zu tanken, eines der Schnellrestaurants zu besuchen und künftig obendrein Sportartikel zu kaufen.

          Ein Vertreter von Puma sprach von einem „ständigen Schlussverkauf“ in Kirchheim. Dort werde Ware aus Überproduktion oder Restposten angeboten. Die Ware sei mindestens ein halbes Jahr alt. Der Preisvorteil betrage etwa 30 Prozent für den Kunden. Puma will schon im Ferienreiseverkehr dieses Sommers in Kirchheim gute Geschäfte machen. Berleth sagt: „Wir freuen uns über das Erreichte und harren der Dinge, die da noch kommen mögen.“

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