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Genossenschaft : Eine Wohnung auf Lebenszeit

Mit gewissem Charme: Wohnungen der Frankfurter Wohnbaugenossenschaft in der Nähe des Zoos Bild: F.A.Z. - Fricke

Wohnen in der Genossenschaft ist günstig, und das Nutzungsrecht gilt auf Lebenszeit. Wer seine Traumwohnung sucht, muss jedoch lange Wartezeiten in Kauf nehmen.

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          Wer eine Vier-Zimmer-Wohnung in guter Lage, möglichst Altbau mit Parkett, sucht, muss schon ein paar Jahre einkalkulieren. Wer weniger anspruchsvoll ist, etwa auch ein Obergeschoss ohne Aufzug und Balkon in einem Fünfziger-Jahre-Wohnblock akzeptiert, kommt schneller zum Zuge – und genießt ein Nutzungsrecht auf Lebenszeit. Wer will, kann seine Anteile auch vererben. Dies ist mit ein Grund, warum nur wenig Bewegung in Genossenschaften ist. Wer eine gute, günstige Wohnung ergattert hat, gibt sie so schnell nicht mehr her.

          Petra Kirchhoff

          Redakteurin in der Rhein-Main-Zeitung.

          Alteingesessene Genossenschaften wie der Volks-Bau- und Sparverein oder der Wohnungs-Beamten-Verein, die beiden größten Einrichtungen in Frankfurt, haben ihren Bestand über Jahrzehnte aufgebaut und bieten ein breitgefächertes Portfolio, das grundsätzlich jedermann offensteht, wie Ulrich Tokarski, Vorstandschef des Volks-Bau- und Sparvereins, betont.

          4,70 Euro Kaltmiete pro Quadratmeter

          „Wir richten uns nicht an den Highend-Mieter, haben aber durchaus auch finanziell potente Mitglieder in unseren Reihen.“ Nur knapp ein Drittel der 3500 Wohnungen des Vereins in Frankfurt werden öffentlich gefördert und von der Stadt an sozial Schwache vergeben. Beim Wohnungs-Beamten-Verein sind es noch etwa ein Achtel der rund 1300 Wohnungen.

          Bei der Vergabe der frei finanzierten Wohnungen achten die Genossenschaften gleichwohl auf die familiäre, finanzielle und berufliche Situation, da sie dem Sozial- und Solidargedanken verpflichtet sind. „Wir stecken sicherlich keinen Single in eine Hundert-Quadratmeter-Wohnung“, heißt es beim Volks-Bau- und Sparverein. Günstig sind die Wohnungen deshalb, weil Genossenschaften nicht auf Gewinnmaximierung aus sind. Der Beamten-Wohnungs-Verein beziffert die durchschnittliche Netto-Kaltmiete pro Quadratmeter mit 4,70 Euro. „Das ist deutlich unter dem Frankfurter Mietspiegel“, sagt Vorstandschef Andreas Elliesen. Die Spanne beim Volks-Bau und Sparverein liegt zwischen drei Euro und 7,70 Euro.

          Hinzu kommt, dass die Mieter finanziell an ihrem Zuhause beteiligt sind. Das Genossenschaftsmodell ist eine Zwischenform von Miete und Eigentum. Um in den Genuss einer Wohnung zu kommen, muss ein Interessent Mitglied werden, indem er Genossenschaftsanteile kauft. Beim Beamten-Wohnungs-Verein etwa beträgt der Pflichtanteil 1278 Euro, das entspricht fünf Genossenschaftsanteilen plus 102 Euro Aufnahmegebühr. Kommt es zum Mietvertrag, werden noch einmal 50 Euro pro Quadratmeter fällig. Beim Volks-Bau- und Sparverein wird man mit einem Geschäftsanteil in Höhe von 631 Euro Mitglied und kann vier weitere hinzukaufen, wenn es zum Mietverhältnis kommt.

          „Generationenübergreifendes Wohnen“

          Bei der Wohnbaugenossenschaft Frankfurt, die 625 Wohnungen im Bestand hat, ist man schon mit 320 Euro dabei, maximal 14 Anteile à 160 Euro sind möglich. Das Geld wird gewinnbringend angelegt. Vier Prozent Dividende zahlt die Genossenschaft im Jahr. „Das ist eine gute Sparanlage“, heißt es. Der Beamten-Wohnungs-Verein investiert die Gewinne dagegen seit Jahren – mit Zustimmung der Mitglieder – in die Modernisierung seiner Wohnungen.

          Die Bautätigkeit traditioneller Genossenschaften hält sich dagegen in Grenzen, wenngleich der Beamten-Wohnungs-Verein zur Zeit am Parlamentsplatz ein Wohn- und Geschäftshaus mit 21 großen und kleinen Wohnungen errichtet. Der Volks-Bau- und Sparverein plant für 2009 einen Neubau mit zunächst 30 Wohnungen für Jung und Alt. „Generationenübergreifendes Wohnen“ heißt das Zauberwort, das auch neue Genossenschaftsmodelle wie den Frankfurter Verein Fundament ins Leben ruft. Dieser baut am Frankfurter Bogen und will auch auf dem Naxos-Areal zum Zuge kommen.

          Die Fundament-Mitglieder sind nicht nur finanziell gefragt – mit mindestens 5000 Euro Anteilskauf –, sondern müssen auch beim Bauen mit anpacken. Rudolf Ridinger, Vorstandssprecher des Verbands der Südwestdeutschen Wohnungswirtschaft, der rund 200 Wohnungsgenossenschaften und -gesellschaften in Hessen und Rheinland-Pfalz vertritt, sieht darin einen interessanten Ansatz, der allerdings – vor allem wegen seines basisdemokratischen Gedankens – an Grenzen stoße.

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