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Edle Blasinstrumente : Die Klarinetten für die Profis

  • -Aktualisiert am

Mit höchstem Anspruch: Instrumentenbauer Thomas Keilwerth (links) mit seinem Vater Adolf Keilwerth in der Werkstatt des Familienbetriebs Bild: Rainer Wohlfahrt

Thomas Keilwerth lebt für die Musik. In einer Band spielt er zwar nicht mehr, dafür fertigt er aber im Familienbetrieb in vierter Generation aus Ebenholz edle Blasinstrumente.

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          Mit sechs Jahren wollte Thomas Keilwerth nicht Fußballprofi, sondern Instrumentenbauer werden. Inzwischen hat er sich seinen Kindheitstraum erfüllt und fertigt Klarinetten – im Gegensatz zu manch anderen, die von einer Fußballerkarriere träumten, den Ball aber heute nur mehr im Fernsehen sehen. Keilwerths Berufswunsch kommt allerdings nicht von ungefähr: Seine Familie betreibt seit 1920 die von Johann Baptist Keilwerth gegründete und nach Thomas’ Großvater benannte Richard Keilwerth Musik-GmbH & Co. KG – ein echter Familienbetrieb. Bislang haben alle männlichen Nachfahren im Unternehmen gearbeitet, alle Mitarbeiter wurden im eigenen Haus ausgebildet. In drei Jahren wird die Keilwerth Musik-GmbH auf 100 Jahre Firmengeschichte zurückblicken.

          Die Familie baut nicht nur Instrumente, es herrscht dort auch eine große Begeisterung fürs Musizieren: Von der Großmutter bis zum Enkel spielt jedes Familienmitglied der Keilwerths mindestens ein Instrument. „Der Beruf passt nur auf Leute, die Leidenschaft haben und auch mit dem musizieren können, was sie herstellen“, sagt der Siebenundvierzigjährige Chef des Hauses. Der kräftige Mann mit kurzen schwarzen Haaren beherrscht nicht weniger als sieben verschiedene Instrumente: Klavier, Schlagzeug, Orgel, Flöte, Saxophon, Keyboard und natürlich Klarinette. Thomas Keilwerth ist in den achtziger und neunziger Jahren regelmäßig mit einer Band aufgetreten, die in der Region Tanz- und Volksmusik spielte. „Jazz ist mir am liebsten“, sagt er von sich.

          Viele Arbeiten werden noch in Handarbeit erledigt

          In rustikaler Handwerkerkleidung und Sicherheitsschuhen präsentiert Keilwerth dem Besucher in seiner Werkstatt stolz eine seiner auf Hochglanz polierten Klarinetten. Dort wird sonst anscheinend schwer gearbeitet: Um die einzelne Bauteile liegen Holzspäne und es riecht nach Lack und Farbe.

          Leicht bedrohlich, aber immer auch verspielt kündigt die Klarinette im musikalischen Märchen „Peter und der Wolf“ die Katze an. Mit der Klarinette können 48verschiedene Tönen erzeugt werden: Mal quirlig, mal eher sanft oder eben wechselhaft, launisch, wie im musikalischen Märchen, in dem sich die Katze anpirscht, um den Vogel auf dem Baum zu schnappen. Für Berufsmusiker und Amateure mit einem gut gefüllten Portemonnaie fertigt Keilwerth den Instrumenten-Korpus aus naturbelassenem Königsgrenadillholz, auch afrikanisches Ebenholz genannt, versilbert die Griffe und fertigt daraus ein Instrument nach individuellem Wunsch. Manche Keilwerth-Klarinette kostet mehr als 4000 Euro. Viele Arbeiten werden noch in Handarbeit erledigt – auch wenn die Firma längst im 21. Jahrhundert angekommen ist und über eine Fräsmaschine verfügt, die computergesteuert ist. So kommt es, dass hochmoderne Maschinen neben Werkbänken stehen, die den Eindruck erwecken, als stünden sie von Beginn an – seit der Firmengründung vor 97 Jahren – in der Werkstatt.

          In den Vitrinen stehen weitere Schätze, alles Klarinetten aus eigener Herstellung. Thomas Keilwerth kennt sie sehr genau: Von den zirka 1000 Klarinetten, die im Jahr in seiner Werkstatt von fünf Mitarbeitern, seinem Vater und ihm gebaut werden, spielt der Firmenchef jede, bevor sie an den Kunden geht. Für ihn ist es nicht bloß ein Handwerk, sondern eine Passion: „Ich habe früh angefangen Instrumente zu spielen und mein Hobby zum Beruf gemacht“, sagt Thomas Keilwerth. Um Klarinetten auf höchstem Niveau zu produzieren, hält Keilwerth den Kontakt zu Profi-Musikern, die helfen, das Instrument zu perfektionieren.

          Meister im Holzblasinstrumentenbau wird man nicht überall

          Die anderen Instrumente im Musikfachgeschäft Keilwerth, das direkt neben der Werkstatt liegt, sind Handelswaren. Bis vor zehn Jahren hat Keilwerth aber auch noch Saxophone und Flöten selbst hergestellt, doch inzwischen gibt es zu viel Konkurrenz. Die Saxophone, die unter dem Markennamen Keilwerth vertrieben werden, stammen aus der Fertigung der Firma Julius Keilwerth, die einst einem Bruder von Richard Keilwerth gehörte, aber inzwischen in der Hand eines französischen Großproduzenten ist.

          Zielbewusst hat Thomas Keilwerth direkt nach der Schule die dreijährige Ausbildung im Familienbetrieb absolviert und danach den Meister gemacht. Dafür nahm er fast ein Jahr lang jedes Wochenende eine Tour zur Berufsschule nach Chemnitz auf sich. Freitagmorgen um acht war Unterrichtsbeginn – da hatte er schon sechs Stunden Autofahrt hinter sich. Meister im Holzblasinstrumentenbau wird man eben nicht überall. Im Nachhinein habe sich das Fahren, Musizieren und Arbeiten gelohnt: 1996 übernahm er den Betrieb von seinem Vater.

          Die Band und auch die Nebentätigkeit als Musiklehrer hat er aufgegeben, als sein heute 16 Jahre alter Sohn mehr Zeit einforderte. Immerhin hofft er als Vater darauf, dass eines Tages die fünfte Generation der Familie die Leitung des Unternehmens übernimmt. „Aber alles zu seiner Zeit. Die Jugend hat im Moment anderes im Kopf.“ Er scheint dennoch zuversichtlich: Klarinetten seien zwar nicht unbedingt in Mode, dennoch sei der Absatz in den vergangenen Jahrzehnten kaum zurückgegangen.

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