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Edel-Secondhand in Frankfurt : Wie an der Goethestraße, nur günstiger

Sind so schöne Kleider: ein Prada-Modell bei Secondelle an der Ecke Schweizer Straße/Kaulbachstraße Bild: ©Helmut Fricke

Teure Designermarken finden Kunden oft günstig secondhand. Frankfurt zum Beispiel hat ein paar gute Adressen. Dort finden sich Chanel-Kostüme für 500 Euro oder Seidenkleider von Prada für 340 Euro. Bei Kleidergröße 40 wird es aber schon eng.

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          Bei Secondelle an der Schweizer Straße in Sachsenhausen geht es sehr vornehm zu. Hier muss der Kunde klingeln und steht dann in einer kleinen, feinen Boutique, die als Stammadresse für betuchte Lerchesberg-Bewohnerinnen gilt. Prada, Aigner, Chanel, Jil Sander - hier sind die Label aus der Goethestraße alle beisammen. 500 Euro kostet noch das Chanel-Kostüm, 150 Euro der Jil-Sander-Pullover und 340 Euro das Seidenkleid von Prada.

          Petra Kirchhoff

          Redakteurin in der Rhein-Main-Zeitung.

          Über die Damen, die diese Kleider vorbeibringen, spricht man wie auch bei den anderen angesagten Adressen in der Stadt - etwa Aschenputtel an der Kleinmarkthalle, Aurum in der Schillerpassage und Bonne Chance an der Schillerstraße - nicht. Nur so viel: In Frankfurt wie im Vordertaunus gebe es viele reiche Damen mit vollen Kleiderschränken. Viele stünden im gesellschaftlichen Mittelpunkt und könnten es sich nicht leisten, ein Kostüm zweimal zu tragen. Manche bekämen von ihren Männern verrückte Kleider von unterwegs mitgebracht, die nicht gefielen oder nicht passten.

          Exklusive Designermode als Zugpferd

          Außerdem: Wo viel Geld ist, greift man auch mal etwas leichtherziger daneben. Die Secondhand-Boutique sagt Dank. Exklusive Designermode wird mit Kusshand genommen. Sie ist das Zugpferd bei den Kunden.

          Überregional beliebte Adresse: Aschenputtel an der Frankfurter Kleinmarkthalle

          Bei Mode gewöhnlicherer Marken indes sind die Händler sehr wählerisch. Wer einmal versucht, eine Tasche mit ausrangierten Kleidungsstücken von Esprit, s.Oliver oder Cinque in diesen Boutiquen loszuwerden, kann sein persönliches Waterloo erleben. Ohne vorherige Terminabsprache sollte man das ohnehin nicht versuchen, da Secondhand-Boutiquen mitunter so gut besucht sind wie ganz normale Geschäfte und die Begutachtung der Kleidung wie die Festsetzung der Preise verständlicherweise etwas Zeit benötigen.

          Ohnehin hängt alles von der jeweiligen Tagesform ab. Bei Escatira am Merianplatz, wo auch gebrauchte Zara-Blüschen für 15 Euro an der Stange hängen, wurden wir kurz abgefertigt, als wir dort einen älteren, aber noch recht gut erhaltenen René-Lezard-Mantel in Kommission geben wollten. „Wir nehmen nur Ware aus der letzten Saison“, hieß es schnippisch. Ein anderes Mal war man freundlicher.

          Beim Angebot ist es nicht anders. Die Kollegin, die bei Bonne Chance ein Staatsstück von Mantel, an dem noch das Original-Etikettenschild hing, für kleines Geld erstand, ist vom Angebot der Boutique begeistert, das wir in dieser Woche dagegen nicht so überzeugend fanden. Schon besser gefallen haben Aurum und Aschenputtel, wo die Kleidungsstücke hübsch nach Farben zusammengestellt sind. Bei Aschenputtel hätten wir gleich mehrere Sachen mitnehmen können: einen Burberry-Kurzmantel für 158 Euro oder ein dreiteiliges Windsor-Kostüm für 190 Euro, zum Beispiel.

          „Die Reichen sind die Dünnen“

          Auffällig ist, dass Kleidungsstücke in Größe 42 in Secondhand-Shops kaum zu finden sind. Größe 40 hat im Prinzip schon Seltenheitswert. Die Verkäuferinnen in den Boutiquen erklären sich das so: Frauen mit Größe 36/38 finden auch firsthand ein besseres Angebot. Ihnen steht viel, also kaufen sie auch viel und haben später wieder mehr herzugeben. Eine andere drückt es so aus: „Die Reichen sind die Dünnen.“ Und so kommt es, dass auch das hübsche Prada-Kleidchen bei Secondelle - rosa Seide mit schwarzen Pünktchen -, dessen Größenangabe „42“ so wohlwollend ins Auge springt, sich als Größe 36 entpuppt, weil 42 in diesem Fall die italienische Konfektionsgröße ist.

          Auch enttäuscht wird, wer glaubt, als privater Verkäufer in Secondhand-Boutiquen das große Geschäft zu machen. Denn mit neuer Kleidung ist es nicht anders als mit neuen Autos. Einmal getragen oder gefahren, bedeutet gleich einen enormen Wertverlust. Etwa zehn Prozent vom Neupreis - so viel bekommt der Anbieter in der Regel noch für das gebrauchte Kleidungsstück, das er im Secondhand-Laden abgibt. Die Betreiber schlagen - quasi als Kommissionsgebühr - in der Regel dieselbe Summe drauf plus Mehrwertsteuer.

          An einem konkreten Beispiel durchgerechnet, heißt das: Für einen im vergangenen Herbst gekauften Cordanzug (Marke Cinque, Kosten: 350 Euro) bekommt man noch zwischen 30 und 40 Euro angeboten. Im Geschäft würde der Anzug um die 95 Euro kosten.

          Felltaschen für 1699 Euro

          Ausnahmen bestätigen die Regel. Für ein gutes Designerstück zahlen Geschäfte auch mal mehr. Bei Aschenputtel zum Beispiel, wo im Januar Eta Ronder-Phelps als langjährige Mitarbeiterin die Geschäfte von Anne Fitzwilliam-Reitbauer übernommen hat, hing am Montag ein recht auffälliger Prada-Mantel mit Strassapplikationen und Felltaschen für 1699 Euro. Ursprünglich hatte er 4000 Euro gekostet.

          Im Schnitt verbleiben Secondhand-Sachen vier Wochen im Laden. Was in dieser Zeit nicht verkauft wird, muss der Kunde wieder abholen. Dann gibt es schon mal enttäuschte Gesichter, wie bei der Dame, die vergeblich versucht hatte, ihren Pelzmantel (Polarfuchs) für 400 Euro bei Bonne Chance zu verkaufen. „Sie waren zu spät dran“, tröstet eine Verkäuferin. „Pelze gehen jetzt gar nicht mehr.“

          Die Zeichen stehen auf Frühling. Das sollte bedenken, wer jetzt seinen Kleiderschrank aussortiert, um Platz zu machen für neue Sachen. Angenommen werden zurzeit nur Kleidungsstücke für Frühling und Sommer. Sie sollten nicht älter als ein, zwei Jahre sein.

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