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Mobilfunk : Drillisch-Vorstand hält höhere Mobilfunktarife für „vorstellbar“

Drillisch AG in Maintal: Mit verschiedenen Mobilfunkmarken sehr erfolgreich. Bild: Rainer Wohlfahrt

Der Vorstand des Maintaler Mobilfunkanbieters hat ehrgeizige Ziele. Jährlich sollen 500.00 Kunden dazugewonnen werden.

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          Sie gehört nicht gerade zu den bekannten an der Börse gelisteten Unternehmen. Doch die Dienste der Drillisch AG mit Sitz in Maintal im Main-Kinzig-Kreis kennen und nutzen Millionen Menschen in Deutschland. Schließlich gewinnt der Mobilfunkanbieter mit Marken wie Maxxim, McSim, Hellomobil, Deutschlandsim, Winsim und Smartmobil seit Jahren hierzulande Kunden, die gerne kostengünstig mit dem Handy telefonieren. Drillisch-Marken belegen in Preisvergleichsportalen im Internet regelmäßig vordere Plätze. Vorstandschef Vlasios Choulidis setzt sich vor diesem Hintergrund ehrgeizige Ziele: Zu den 3,5 Millionen Bestandskunden will Drillisch mehr als 500.000 gewinnen – und zwar jährlich. Das sagte er gestern , in Frankfurt aus Anlass der Vorlage der Bilanz 2016 vor Journalisten und Analysten, die das Unternehmen und die im TecDax gelistete Aktie bewerten. Choulidis ließ dabei durchblicken, er sehe Luft nach oben bei den Tarifen.Die Zahlen für das vergangene Jahr fielen gemischt aus. Der Umsatz stieg um fast 13 Prozent auf 710 Millionen Euro und der Betriebsgewinn um 16 Prozent auf 120,2 Millionen Euro.

          Thorsten Winter

          Wirtschaftsredakteur und Internetkoordinator in der Rhein-Main-Zeitung.

          Doch wegen Abschreibungen auf den Firmenwert des Händlers The Phone House rutschte der Überschuss von 46,1 Millionen Euro auf 26,4 Millionen Euro ab. Die seit einigen Wochen nach einer Delle wieder im Aufwind befindliche Aktie legte gleichwohl um mehr als zwei Prozent zu. Die Anleger honorierten den Ausblick, nach dem der Umsatz weiter steigen und der Betriebsgewinn auf 160 Millionen bis 170 Millionen Euro zunehmen soll. Zudem verspricht der Vorstand eine aktionärsfreundliche Politik: Die Dividende soll für 2016 um 1,80 Euro je Aktie angehoben werden, das wären fünf Cent mehr als 2015. Im Verhältnis zum Aktienkurs errechnet sich daraus eine hohe Dividendenrendite von vier Prozent. Hoch ist allerdings auch die Bewertung der Aktie. Das Kurs-Gewinn-Verhältnis beträgt 29,8. Käufer der Aktie zahlen also fast das Dreißigfache des je Aktie erwarteten Gewinns. Zum Vergleich: Der Konkurrent Freenet ist mit 14,8 bewertet und an der Börse in den vergangenen Monaten ähnlich erfolgreich gewesen – bei einer Dividendenrendite von annähernd sechs Prozent. 500.000 Kunden muss Drillisch laut Choulidis jedes Jahr gewinnen, um Netzkapazitäten auszuschöpfen.

          Warum die Tarife weiter steigen könnten

          Dies folgt nach seinen Worten aus der Übereinkunft mit Telefonica Deutschland über die Netzmiete. Kunden der Marken der Maintaler telefonieren über das Telefónica-Netz. Drillisch erwirbt von der deutschen Tochter des spanischen Telekom-Konzerns Telefonieminuten ein, die es in eigenen Angeboten verpackt weiterverkauft. Mit der Partnerwahl fühlen sich die Hessen wohl wie Finanzvorstand Andre Driesen und Choulidis hervorhoben. Drillisch habe mit Telefónica Deutschland „den besten und langfristigsten Vertrag“, der bis 2030 laufe. Das sei eine „sehr gute, einmalige Position“. Drillisch könne aber auch mit anderen Netzbetreibern kooperieren. Wie Choulidis weiter erläuterte, gewinnt das Unternehmen neue Kunden aus allen Netzen und von allen Konkurrenten. Die Maintaler bieten laut Vorstand die schnelle LTE-Technik für die Internetnutzung per Smartphone an und sehen sich dadurch im Vorteil gegenüber anderen Mobilfunk-Discountern: Konkurrenten könnten nur maximal 21 Megabit je Sekunde bieten und nicht bis zu 50 Megabit.

          Und anders als noch vor ein paar Jahren schauten Kunden nicht nur auf den Preis, sie legten auch Wert auf die Technologie, sagte der Vorstandschef. Zwei Millionen Kunden nutzen LTE – 170 Prozent mehr als vor einem Jahr. Mit Blick auf die 5G-Technik, die in einigen Jahren der Standard sein soll, hieß es, Drillisch habe keine Zweifel, dass Telefónica Deutschland als Betreiber des größten Mobilfunknetzes hierzulande mit der besten Technologie aufwarten wolle. Drillisch werde „ein Netz auf Augenhöhe mit den anderen Netzbetreibern haben“. Mit Blick auf jüngsten Preisrunden im Mobilfunk sagte Choulidis, er könne sich weiter steigende Tarife bei Neukunden vorstellen. „Wir gehen mit dem Markttrend und haben nichts zu verschenken.“ Schließlich muss Drillisch unter anderem das geplante EU-Verbot für Roaming-Gebühren ausgleichen. Von Juni an brauchen die Mobilfunknutzer aus der EU in anderen Mitgliedsländern nicht mehr zahlen als daheim.

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