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Dresdner Bank / Commerzbank : Das grüne Band der Nostalgie

Untergang einer Marke: Nach dem Neustart mit der Commerzbank wird das grüne Logo weichen Bild: AP

Die Übernahme durch die Commerzbank wird die traditionsreiche Dresdner Bank nach und nach verschwinden lassen. Die Mitarbeiter schwanken zwischen Wehmut und Optimismus.

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          Normalerweise tagt hier oben der Aufsichtsrat der Dresdner Bank, doch an diesem Mittwochabend haben sich in der 30. Etage des Silberturms Sponsoren und Freunde des FSV Frankfurt versammelt, um sich von der Mannschaft bekochen zu lassen – eine alljährliche Tradition, die nun zumindest vorläufig ein Ende findet.

          Tim Kanning
          Redakteur in der Wirtschaft.

          „Sie sind eine der letzten Gruppen, die hier oben noch einmal den Charme der siebziger Jahre genießen darf“, begrüßt Sabine Schmittroth die Gäste. Von Ende November an wird der Hauptsitz, das Herzstück der Dresdner Bank, für zwei Jahre renoviert. „Danach wird mit Sicherheit nicht mehr das grüne Logo an den Turm kommen, sondern wahrscheinlich das gelbe einer neuen großen Bank.“

          Abschied vom „Jürgen-Ponto-Auge“

          In den Begrüßungsworten Schmittroths, die den Vertrieb der Dresdner Bank in Hessen und Rheinland-Pfalz leitet, schwingt der Zwiespalt der Emotionen mit, der in der Belegschaft der Dresdner Bank derzeit so viele umtreibt: neben der Hoffnung auf einen erfolgreichen Neustart zusammen mit der Commerzbank eben auch die Nostalgie und das Bedauern über den Untergang einer Marke, die viele ihr Leben lang begleitet hat.

          Schmittroth selbst hat bei der Dresdner Bank gelernt, seit 24 Jahren steht sie nun im Dienste des grünen Logos, das vielen noch aus der Werbung als grünes Band der Sympathie bekannt ist. „Diesen Abend werde ich mir merken“, habe sie sich gedacht, als sie zu der Veranstaltung in den Silberturm gekommen sei, erzählt sie nach ihrer Ansprache – das letzte Mal in diesem Rahmen, in diesem Raum und im Namen der Dresdner Bank Gäste zu begrüßen sei schon ein einschneidendes Erlebnis.

          Hier oben scheint die Zeit stehengeblieben zu sein. Die abgerundeten Ecken, eine Telefonzelle neben den Toiletten – alles sieht noch aus wie zu Zeiten des 1977 ermordeten und immer noch hoch verehrten Vorstandschefs Jürgen Ponto. Nach ihm ist nicht nur der Turm selbst offiziell benannt, sondern auch der Platz, an dem er steht, sogar das grüne Logo heißt unter Dresdner Bankern immer noch Jürgen-Ponto-Auge. Wer damals hier stand, war ganz oben. Mit seinen 166 Metern war das Hochhaus in den Jahren nach seiner Eröffnung 1978 lange das größte in Europa.

          Wanderausstellung zeigt Zeichnungen von G. Bri

          Während oben der Charme der siebziger Jahre genossen wird, gehen unten nur einen Block weiter in der Prunkfiliale Fürstenhof die Archivare der Dresdner Bank gemeinsam mit deren Geschichtsverein Eugen-Gutmann-Gesellschaft noch ein Stück weiter zurück. Eine neue Wanderausstellung zeigt Werbezeichnungen von Gerhard Brinkmann, besser bekannt als G. Bri, aus den sechziger Jahren. Reisefieber, Ermunterungen, Aktionär zu werden oder Sparbücher für die Kinder anzulegen – in den Jahren, nachdem die grüne Bank 1957 ihren Sitz nach Frankfurt verlegte, hat G. Bri ihren Geschäftsfeldern die strahlenden Gesichter des Wirtschaftswunders zugezeichnet. Und wohl dazu beigetragen, dass die Dresdner für viele die sympathische Bank ist. Auch Zeichnungen für die Mitarbeiterzeitung – die damals noch „Wir“ hieß und vor einigen Jahren in „Der Dresdner Banker“ umbenannt wurde – vermitteln ein Familienidyll, das heute wohl nur noch in wenigen Unternehmen zu finden ist.

          Hans-Ulrich Cyriax, der das Strategische Marketing leitet und als „Hüter der Marke“ vorgestellt wird, tut sich nicht leicht mit seinen einleitenden Worten zur Ausstellungseröffnung. Als er vor Monaten angefragt worden war, sei von der Fusion noch keine Rede gewesen, heute müsse er schon viel Courage aufbringen, um als „Hüter der Marke“ in der Öffentlichkeit zu sprechen. So fällt seine Ansprache eher knapp, nüchtern aus – und fernab der eigentlichen Marke Dresdner Bank. In kleinerer Runde spricht er hinterher von einem schmerzhaften Verlust der Marke, fügt dem aber optimistisch hinzu, dass der Zusammenschluss ja auch eine Chance böte, etwas Neues aufzubauen.

          Auch der ältere Herr mit grauem Schnurrbart, der seit dem Jahr 1967 bei der Bank ist, dort gelernt hat und inzwischen in der Investmenttochter Dresdner Kleinwort arbeitet, scheint versöhnt mit dem Verlust der grünen Marke. Natürlich tue es weh, sagt er, aber letztlich sei die Dresdner Bank ja selbst erst durch mehrere Übernahmen groß geworden. Und der Rückzug habe ja schon 2002 begonnen, als das Haus von der Allianz übernommen wurde. Schmittroth weiß ebenfalls von Optimismus in ihrer Abteilung zu berichten. Seit Jahrzehnten ist Drumbo – ein Spar-Elefant in unterschiedlichen Farben – eines der liebsten Werbegeschenke des Hauses. Viele Mitarbeiter hätten sich inzwischen einen grünen und einen gelben zusammen auf den Tisch gestellt.

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