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TheOneGroup aus Dreieich : In der Pandemie den Umsatz zweimal verdoppelt

Textilexperten: Sascha Fussmann (r.) und Christian Yaglioglu Bild: Unternehmen

Zu Beginn der Corona-Krise stand TheOneGroup kurz vor der Pleite. Mittlerweile ist das Unternehmen aber zu einem wichtigen Lieferanten für Medizinprodukte und Mode geworden.

          3 Min.

          Umsatzanstieg von 40 auf 100, gerechnet in Millionen. So steht es nun unter der Jahresbilanz des Unternehmens The-OneGroup aus Dreieich, das bis vor einigen Wochen noch als Textile One firmiert hat. Im zweiten Jahr der Pandemie hat sich das 2008 gegründete Unternehmen derart verändert und vergrößert, dass die beiden Gründer und Geschäftsführer, Sascha Fussmann und Christian Yaglioglu, auch eine namentliche Neuausrichtung für sinnvoll hielten. Schließlich sei aus dem Lieferanten für individualisierte Arbeitskleidung inzwischen ein Anbieter für Medizinprodukte und ein Textilhersteller mit eigener Fabrik in Istanbul geworden.

          Inga Janović
          Redakteurin im Regionalteil der Frankfurter Allgemeinen Zeitung und verantwortliche Redakteurin des Wirtschaftsmagazins Metropol.

          Letzteres hatten Fussmann und Yaglioglu geplant, die Produktionsstätte am Bosporus war mit anfangs 40 Mitarbeitern gerade eröffnet, als der Beginn der Corona-Pandemie ihr Geschäftsmodell über den Haufen warf. Ursprünglich wollten die Südhessen im eigenen Werk Teile der Arbeitskleidung nähen lassen, die sie in für die Kunden individualisierten Onlineshops anbieten. Die Unternehmen aber stornierten im Zuge des ersten Lockdowns Anfang 2020 reihenweise ihre Bestellung für T-Shirts, Schürzen, Jacken und Ähnliches.

          Dafür tat sich Fussmann und Yaglioglu eine neue Chance auf, verursacht durch die Lieferschwierigkeiten asiatischer Hersteller: Die mittlerweile 150 Mitarbeiter in Istanbul nähen nun Jacken und Anoraks für Handelsmarken wie Lacoste. Weil die Lieferketten weiterhin gestört und Ansprüche der Kundschaft im Wandel begriffen seien, schwenkten immer mehr Auftraggeber nach Europa um, berichtet Fussmann. Die stark gestiegenen Transportkosten machten die höheren Lohnkosten in den hiesigen Fabriken längst wett. Liefersicherheit und natürlich Qualität seien den Modeunternehmen wichtiger als der Preis. Deshalb gelang der Aufbau der eigenen Produktion deutlich schneller als gedacht: „Inzwischen sind unsere Auftragsbücher schon weit ins Jahr 2022 ausgebucht, das hatten wir so nicht erwartet“, sagt Fussmann.

          Vom Notnagel zum Hauptgeschäft

          Dabei ist die Sparte TheOneFashion nicht der Unternehmensbereich, in den laut Fussmann im vergangenen Jahr die meisten Investitionen geflossen sind. Stärker noch ausgebaut habe man die zweite Untermarke TheOneMedical, den Handel mit Medizinprodukten – der damit vom Notnagel zum Hauptgeschäft geworden ist. Als es im Jahr 2020 in der Bundesrepublik und ihren Nachbarländern an Masken und Schutzanzügen mangelte, nutzten die hessischen Unternehmer ihre guten Kontakte zu chinesischen Herstellern und beschafften viel von der heiß begehrten Ware, um Kliniken und Verwaltungen in Deutschland und Österreich zu beliefern.

          Kurz vor Weihnachten 2020 hatte das mit rund 30 Mitarbeitern eher kleine Unternehmen sogar fünf Passagiermaschinen gechartert, deren Sitze vollgepackt waren mit Kisten voller Schutzausrüstung für die gerade im Aufbau befindlichen Impfzentren in Bayern.

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          2020 hatte sich der Jahresumsatz das erste Mal verdoppelt – von 20 auf 40 Millionen Euro. Zudem waren die Verbindungen geknüpft, aus denen TheOne-Group nun langfristige Geschäftsbeziehungen machen will, das Sortiment der Hessen ist auf OP-, Chirurgie- und Stationsbedarf, medizinische Schutzkleidung und In-vitro-Diagnostika, also medizinische Tests, angewachsen.

          Pläne mit Arbeitskleidung und Medizinprodukten

          Das nächste Ziel ist es, eigene beziehungsweise von Start-ups entwickelte neuartige Medizinprodukte selbst auf den Markt zu bringen. Dafür ist Raphaël Murswieck als Fachmann und Leiter der Entwicklungsabteilung zum Unternehmen gestoßen, er ist Mitgründer des Heydelberger Instituts, das sich seit Jahren mit Wissenschafts- und Innovationsmanagement auf dem Feld der Medizintechnik beschäftigt.

          „Die Pandemie hat natürlich auch dazu beigetragen, dass wir uns umorientieren mussten“, sagt Fussmann rückblickend. Inzwischen seien die Lager von Kliniken und auch die des Staates gut gefüllt, weswegen er damit rechne, dass die Bestellmengen im kommenden Jahr runtergehen. Mittelfristig wolle man die Hundertermarke beim Umsatz aber halten.

          Dazu werde auch das ursprüngliche Standbein, die Arbeitskleidung, beitragen. Nach wie vor bietet TheOneGroup T-Shirts, Schürzen, Hosen und andere Kleidungsstücke etwa für Restaurantketten, Kliniken oder Handwerksbetriebe an, die durch Aufdrucke oder Stickereien individualisiert und über eine selbst entwickelte Onlineplattform verteilt werden. Dass sie ihren Kunden nicht nur die Kleidung anbieten, sondern auch eigene Onlineshops einrichten, in denen die Mitarbeiter dann je nach Bedarf ihre Berufskleidung bestellen, war vor gut zehn Jahren die Anfangsidee des Unternehmens. Daran wollten er und sein Partner Yaglioglu auch weiterhin festhalten, betont Fussmann. Aber man werde auf dem Feld der Arbeitskleidung nicht nur Händler bleiben, in naher Zukunft wollen die Partner eine Kollektion für den sogenannten Workwear-Markt herausbringen – Jacken sollen es sein, gefertigt natürlich in der Istanbuler Fabrik. Bis die ersten im Shop sind, werde es noch etwas dauern, sagt Fussmann, denn: „Das muss phantastisch werden.“

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