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Doppelspitze der DZ Bank : Konzentration auf das Wesentliche

Die zwei: Seit Jahresbeginn 2019 führen Uwe Fröhlich (links) und Cornelius Riese Deutschlands zweitgrößte Bank. Bild: Wonge Bergmann

Die neue Doppelspitze von Deutschlands zweitgrößter Bank, der DZ Bank, legt eine durchwachsene Bilanz vor. Die Diskussion um eine Großbankenfusion sehen sie skeptisch.

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          Ob die Terminierung ein Zeichen war? Am heutigen Aschermittwoch enden die närrischen Tage und beginnt mit der Fastenzeit die Phase von Entbehrung und Verzicht. Nun sollte man der DZ Bank nicht unterstellen, die Bilanzpressekonferenz zur Vorstellung der Geschäftszahlen 2018 absichtlich auf Fastnachtsdienstag gelegt zu haben, aber einer gewissen Symbolik entbehrt dieser Termin trotzdem nicht. Denn das genossenschaftliche Spitzeninstitut hat 2018 deutlich weniger Gewinn gemacht als im Vorjahr. So verringerte sich das Ergebnis vor Steuern auf 1,37 Milliarden Euro, 2017 hatte es noch bei 1,81 Milliarden Euro gelegen, wie das Zentralinstitut in Frankfurt mitteilte. Nach Steuern verdiente die Gruppe 918 Millionen Euro gegenüber 1,1 Milliarden Euro im Vorjahr. Die beiden Neuen an der Spitze des Hauses mit Sitz am Platz der Republik in Frankfurt gehen damit nicht unbedingt mit einem närrischen Kater, aber doch mit einer Hypothek in ihre Amtszeit.

          Daniel Schleidt

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Ende vergangenen Jahres hatte sich Vorgänger Wolfgang Kirsch nach zwölf Jahren an der Spitze der genossenschaftlichen Zentralbank in den Ruhestand verabschiedet. Bei seiner letzten Pressekonferenz hatte Kirsch in weiser Voraussicht wissen lassen, dass man für 2018 mit einem Wert am unteren Ende der angepeilten nachhaltigen Ergebnisspanne von 1,5 bis 2 Milliarden Euro rechne – und dass es selbst damit knapp werden könne. So ist es gekommen, wenngleich sich seine Nachfolger dennoch zufrieden zeigten: So habe man trotz Gegenwinds von den Kapitalmärkten ein ordentliches Ergebnis erzielt, hob Cornelius Riese hervor. Neben Riese steht seit Jahresbeginn mit Uwe Fröhlich der ehemalige Präsident des Bundesverbandes der Volks- und Raiffeisenbanken an der Spitze des Zentralinstituts.

          Wie andere Finanzhäuser leidet die DZBank, unter deren Dach mehr als 900 Volks- und Raiffeisenbanken zusammengefasst sind, unter den von der Europäischen Zentralbank vorgegebenen Niedrigzinsen. Folgerichtig verringerte sich der für das Ergebnis von Banken wichtige Zinsüberschuss der Gruppe – die Spanne zwischen den Einnahmen aus Krediten und den Vergütungen für die Kundeneinlagen – um 4,8 Prozent auf 2,8 Milliarden Euro. Zudem lasten Sondereffekte auf der Bilanz, zum Beispiel Abschreibungen bei der DZ Privatbank und Verluste beim Transportfinanzierer DVB Bank. Um die Kosten zu senken, plant das Institut der Abbau von knapp 500 Stellen bis zum Jahr 2023. Zugleich soll der Aufwand für externe Dienstleister verringert werden. Für das Geschäftsjahr 2019 erwartet die DZ Bank abermals ein Ergebnis am unteren Ende der Spanne von 1,5 bis 2 Milliarden Euro vor Steuern.

          Doppelspitze mit klarer Trennung der Aufgaben

          Das Modell einer Doppelspitze ist, auch in großen Konzernen wie der DZBank, die von der Bilanzsumme her das zweitgrößte Geldhaus des Landes ist, nicht neu, trifft aber auf geteilte Meinungen. Während Befürworter argumentieren, die Komplexität von Konzernen mache es heutzutage fast notwendig, sie kollegial im Team zu führen, sind Kritiker der Meinung, dass bei zwei Chefs Entscheidungen bisweilen langsamer getroffen würden. Der letzte Versuch, eine Großbank mit einer Doppelspitze zu führen, scheiterte: Das Duo Jürgen Fitschen und Anshu Jain war bei der Deutschen Bank nicht wirklich erfolgreich.

          Riese und Fröhlich dagegen machten zu Beginn ihres Auftritts vor Journalisten klar, dass sie die Aufmerksamkeit für die gemeinsame Führung der DZ Bank amüsiere. Riese hob hervor, dass es eine klare Trennung der Aufgaben gebe. So ist der 44 Jahre alte Manager für die Weiterentwicklung der DZ-Bank-Gruppe verantwortlich und insbesondere für die Konzerngesellschaften Union Investment, die Bausparkasse Schwäbisch-Hall und die R+V Versicherung. Der 58 Jahre alte Fröhlich verantwortet primär die Verbund- und Geschäftsbankaktivitäten.

          Nun wollen sich die Ko-Chefs darauf konzentrieren, in einem schwierigen wirtschaftlichen Umfeld die Bank zukunftsfähig aufzustellen. Dabei wünschen sie sich mehr Freiheiten von Seiten der Politik, wie Riese sagte. Zwar sei es positiv, dass das politische Interesse am Finanzplatz Frankfurt zunehme – Finanzminister Olaf Scholz und Staatssekretär Jörg Kukies machen sich offenbar für eine Fusion von Commerzbank und Deutscher Bank stark. Doch statt auf eine Diskussion um Protektionismus und über nationale Champions solle sich die Politik lieber auf Themen wie Entbürokratisierung, Digitalisierung, die Zukunft der Arbeit und Infrastrukturprojekte konzentrieren. Diese Forderung der Doppelspitze wird man in Berlin sicher nicht als Fastnachtsscherz verstehen.

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