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Direktbanken : Das Phänomen Diba

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Sie geht auf eine Idee zurück, die der SPD-Politiker Leber in den sechsziger Jahren ausbrütete. Sie begann als kleine Klitsche im Frankfurter Bahnhofsviertel. Mittlerweile ist die ING-Diba die größte deutsche Direktbank. 4.000 Konten eröffnet sie täglich.

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          Es klingt fast etwas nach Spott. "Die Sparkassen und Volksbanken denken über eigene Direktbanken nach", sagt Ben Tellings. "Wir empfinden das nicht als Kampfansage. Sondern als Kompliment." Wie gut ein Geschäftsmodell sei, zeige sich spätestens dann, wenn Wettbewerber es kopieren wollten, meint der Vorstandsvorsitzende der ING-Diba.

          Die Frankfurter Direktbank hat einen beispiellosen Erfolgsweg hinter sich. Gegründet 1965 als kleine Klitsche am Frankfurter Hauptbahnhof auf Anregung des SPD-Politikers und Gewerkschaftsfunktionärs Georg Leber, wuchs sie unter dem unkonventionellen Bankchef Bernhard Hafner zur größten Direktbank Deutschlands. Vor zwei Jahren wurde sie von der niederländischen Finanzgruppe ING übernommen, der Nummer 13 unter den Banken weltweit.

          Der Aufstieg ging weiter. Als sich die Situation vieler Geldinstitute krisenhaft zuspitzte, baute die Diba kräftig aus und arbeitete profitabel. Und stellte ein, bis selbst das neue Gebäude an der Frankfurter Messe wieder zu klein wurde. 2088 Mitarbeiter waren zum Ende des abgelaufenen Geschäftsjahres bei der ING-Diba tätig. Im Jahr 2000 waren es 584 gewesen. Der Personalbestand stieg um fast 260 Prozent, während die Großbanken Tausende von Arbeitsplätzen abbauten. In diesem Jahr will das Unternehmen wieder 70 bis 100 Mitarbeiter einstellen.

          Was ist das Geheimnis der Diba? Seit Hafners Zeit lockt sie mit hohen Zinsen auf Tagesgeldkonten. Mit drei Prozent hatte man 1999 angefangen. 2001 gab es einmal kurze Zeit 4,5 Prozent, dann 3,5 Prozent, 3,0 Prozent. Seit Juli 2003 liegt der Zinssatz bei 2,5 Prozent - ein vergleichsweise hoher und stabiler Wert, wie eine Untersuchung der FMH-Finanzberatung in Frankfurt bestätigte, die verschiedene Tagesgeldkonto-Anbieter miteinander vergleicht. Die Diba sei nicht ständig auf dem Spitzenplatz - aber anders als so mancher Lockvogelanbieter verändere sie den Zinssatz nicht laufend.

          Das sprach sich rum, unterstützt von Fernsehwerbung. Allein im vergangenen Jahr kletterte die Zahl der Tagesgeldkonten bei der Diba um 823000 auf 3,4 Millionen. Für dieses Jahr rechnet die Bank mit 500000 neuen Kunden. Allein im Januar und Februar dieses Jahres gab es keinen Arbeitstag, an dem die Diba nicht mindestens 4000 neue Konten eröffnete - ein Phänomen. Das Geld auf diesen Konten stieg im abgelaufenen Geschäftsjahr um 33 Prozent auf 42,2 Milliarden Euro. Damit lag sie nach Unternehmensangaben bei den Spareinlagen privater Kunden auf Platz eins in Deutschland. Bei der Zahl der Kunden sieht man sich auf Platz vier in Deutschland nach der Postbank, der Deutschen Bank und der Dresdner Bank, noch vor der Commerzbank.

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