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Digitale Transformation : Experten warnen vor Ungleichheiten durch Digitalisierung

Hightech-Pionier aus Frankfurt: Chris Boos will mit Künstlicher Intelligenz die Unternehmenswelt verändern. Bild: Wonge Bergmann

In Frankfurt diskutieren Fachleute über die Folgen der digitalen Transformation. Und warnen davor, dass durch die Digitalisierung zu große Ungleichheiten entstehen könnten, die gesellschaftliche Probleme nach sich ziehen könnten.

          Es ist eine Angst, die viele Menschen umtreibt, und das hat nicht nur mit Kino-Filmen wie dem „Terminator“ mit Arnold Schwarzenegger zu tun: dass Maschinen eines Tages intelligenter als Menschen sein und die Menschheit sogar beherrschen könnten. „Totaler Quatsch“, sagt Chris Boos, und 250 Männer und Frauen hören ihm gebannt zu. Beim 16. Forum Innovation der Plattform für Innovation in Deutschland im Frankfurter House of Logistics steht der Pionier für Künstliche Intelligenz, der in Frankfurt die aufstrebende Firma Arago mit 250 Mitarbeitern führt, auf der Bühne und philosophiert über die Folgen der Digitalisierung für die Menschen.

          Daniel Schleidt

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Boos ist erst kürzlich von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) in deren Digitalrat berufen worden, und er ist ein auffälliger Mensch: weiße Haare, schwarzes Rocker-Shirt, goldene Gürtelschnalle, rote Slipper. Der Mann versteht es wie kein Zweiter, die Innovation, die mit der zunehmenden Verbreitung Künstlicher Intelligenz im Alltag der Menschen einhergeht, mit klaren Worten und treffenden Bildern zu erklären und damit gleichzeitig zu entdämonisieren. Er, der selbst an der Intelligenz von Maschinen arbeitet, sagt: „Der Roboter wird nie besser sein als das menschliche Gehirn.“ Denn im Gehirn verbrauchten 85 Milliarden Neuronen gerade 20 Watt Leistung. „Eine Maschine braucht für eine Million Neuronen ein halbes Atomkraftwerk.“

          Vor knapp einem Jahr wurde in Frankfurt die Plattform für Innovation in Deutschland ins Leben gerufen, um Unternehmen untereinander zu vernetzen. Die Idee: Neues entsteht in der Regel im Austausch von Unternehmen und Unternehmern verschiedener Branchen. Die Plattform will die Schnittstelle für dieses Netzwerk sein und hat es inzwischen schon auf 200 Unternehmen gebracht, die sich Mitglied nennen dürfen und von Veranstaltungen, Workshops und anderen Möglichkeiten zum Austausch profitieren.

          Bei der Jahreskonferenz der Plattform war es nur logisch, dass die Digitalisierung das prägende Thema der 50 Referenten war. Die Plattform-Ökonomie nämlich bringt neue Geschäftsmodelle und Unternehmen hervor, die alles Althergebrachte hinterfragen und die dafür sorgen könnten, dass sich die Wirtschaft in Deutschland in den nächsten Jahren stark verändern wird – mit allen Chancen wie auch Risiken für den Standort und seine Arbeitgeber wie -nehmer. Umso wichtiger sei es, diese neue Form des Wirtschaftens so zu organisieren, „dass keine zu großen Ungleichheiten entstehen, weil das zu Unzufriedenheit und zu Problemen in der Gesellschaft führen kann“, sagte Jan Fischer, Gründer der Innovationsberatung Innosabi, in einer vom Chefredakteur Digitales dieser Zeitung, Carsten Knop, moderierten Eröffnungsrunde. Johann Hofmann, Geschäftsführer der mittelständischen Maschinenfabrik Reinhausen, sagte, das wichtigste Element, um die digitale Transformation zum Erfolg zu bringen, sei es, die Menschen, also vor allem die eigenen Mitarbeiter, auf diesem Weg einzubinden. Da die Halbwertzeit von Dienstleistungen und Produkten immer kürzer werde und damit Innovationen in immer höherer Geschwindigkeit vonnöten seien, sei dies eine echte Herausforderung.

          Dass es immer auch einer Portion Mut bedürfe, Neues auszuprobieren, erläuterten die beiden Gründerinnen Nina Rümmele und Ekaterina Bozoukova, die mit einem anfangs ausgezeichneten und hochgelobten Restaurantkonzept schließlich doch Insolvenz anmelden mussten. Ihr Beispiel machte deutlich, dass zu Innovation nicht nur Ideen und gute Prozesse gehörten, sondern noch etwas anderes: manchmal auch zu scheitern.

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