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Digitale Aktionärsversammlung : Nur eine Notlösung

Digitale Hauptversammlung: Für Aktionäre keine dauerhafte Lösung (Symbolbild). Bild: dpa

Aufgrund der Corona-Pandemie finden viele Hauptversammlungen nur digital statt. Die Aktionäre fürchten deswegen um ihr Mitspracherecht. Das aber darf nicht geschehen.

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          Viele Unternehmen scheinen sich damit anfreunden zu können, ihren Aktionären auf Hauptversammlungen nicht mehr einmal im Jahr Auge in Auge, sondern virtuell zu begegnen. Schließlich führten die Generaldebatten über die Unternehmenspolitik, Bilanzen und Dividenden in den vergangenen Jahren dazu, dass sich hochbezahlte Vorstände und Aufsichtsräte vor Hunderten Zuschauern bisweilen harte Worte und unangenehme Fragen anhören mussten. Dass im Zuge der Covid-19-Pandemie die Rechte von Aktionären eingeschränkt wurden, ist zunächst nachvollziehbar und den Konzernen nicht anzulasten. Eine Hauptversammlung als Präsenzveranstaltung durchzuführen ist undenkbar, es brauchte also eine schnelle Lösung.

          Doch so, wie es jetzt ist, darf es auf keinen Fall bleiben. Auch wenn das neue Gesetz nur für die Pandemiezeit gilt, befürchten Aktionärsvertreter, die Rechte der Anteilseigner könnten dauerhaft eingeschränkt werden. Physische Hauptversammlungen mit all ihren Reden, Fragen, mit Applaus und Buhrufen sind jedoch ein unersetzliches Mittel der Teilhabe. Vielen Konzernen wird heute schon vorgeworfen, die Nähe zur Basis bisweilen zu verlieren. Würden Hauptversammlungen künftig häufiger in die virtuelle Welt verlegt, würde das genau diese Entfremdung forcieren.

          Das aber darf nicht geschehen. Zudem sollten Konzerne zeigen, dass sie die aktuelle Gesetzgebung mitsamt der Entrechtung der Aktionäre nicht bis ins Letzte ausreizen. Und sobald die Pandemie zu Ende ist, muss es wieder Präsenzveranstaltungen geben. Daran geht kein Weg vorbei.

          Daniel Schleidt

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

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