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Dienstleister : Wisag will auch mit Flughafen-Diensten wachsen

Die Gebäudereinigung ist Keimzelle und tragende Säule des Frankfurter Wisag-Konzerns Bild: dpa

Die Wisag-Gruppe aus Frankfurt, zweitgrößter Gebäudedienstleister Deutschlands, wächst stark und stellt ein. Nach einem Zukauf in Berlin will Wisag das Geschäft mit Flughafen-Diensten ausbauen, sich aber mit weiteren Übernahmen vorerst zurückhalten.

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          Der Mann mit dem kurz gestutzten silbrigen Vollbart, Glatze und freundlichen Augen begrüßt jeden per Handschlag und stellt sich auch noch mit Namen vor. Das macht Claus Wisser immer so, wenn die Wisag, die er augenzwinkernd als sein zweites Kind neben Sohn Michael bezeichnet, über ihre neuesten Taten und Pläne berichtet. Dabei hätte Wisser die Vorstellungsrunde gar nicht nötig. Schließlich zählt die Wisag Service Holding hierzulande zu den ganz Großen der Facility-Management-Branche, die sich um den Betrieb und Erhalt von Gebäuden und um technische Anlagen kümmert. Und der Dienstleistungskonzern mit Sitz in Frankfurt wächst zudem kräftig, wie die Bilanz des Jahres 2007 zeigt und die neueste Übernahme nahelegt.

          Thorsten Winter

          Wirtschaftsredakteur und Internetkoordinator in der Rhein-Main-Zeitung.

          So steigerte Wisag den Umsatz im Inland gegenüber 2007 um ein Fünftel auf 695,4 Millionen Euro, während die Belegschaft im Jahresmittel von 22 600 auf 24 000 Männer und Frau wuchs. Auch mit dem Gewinn ging es spürbar aufwärts, wenn auch nicht so stark wie mit den Erlösen: Das Ergebnis vor Zinsen und Steuern stieg um 10,9 Prozent auf 25,6 Millionen Euro. Zum Vergleich: Vor fünf Jahren hatte es noch 17,1 Millionen Euro betragen.

          Auch Gartenpflege im Angebot

          Die Umsatzrendite, also das Verhältnis des Gewinns zu den Erlösen, verringerte sich jedoch binnen Jahresfrist von 4,2 auf 3,9 Prozent. Als Grund führt das Unternehmen die Übernahme der Thyssen-Krupp Hi-Serv, die noch nicht so profitabel sei wie andere Unternehmensteile. Dessen ungeachtet hat der in die Technik-Sparte eingebaute Zukauf dem Segment zu einem Umsatzschub verholfen: Einschließlich der gut 94 Millionen Euro von Hi-Serv kletterten die Erlöse von 133,8 Millionen Euro auf knapp 239 Millionen Euro; ohne diesen Sondereffekt wären die Technischen Dienste um 8,2 Prozent gewachsen, wie es hieß.

          Sozial engagierter Unternehmer: Wisag-Gründer Claus Wisser
          Sozial engagierter Unternehmer: Wisag-Gründer Claus Wisser : Bild: Wonge Bergmann

          Auch die anderen Konzernteile trugen zum Wachstum bei. Der Umsatz mit dem Facility Management stieg um 16 Prozent auf 128,3 Millionen Euro, die Erlöse mit Reinigungsdiensten verbesserten sich um 3,5 Prozent auf 181,6 Millionen Euro, und die Sicherheitsservices legten um 7,5 Prozent auf 111,4 Millionen Euro zu. Mit knapp 20 Millionen Euro steht die Sparte Garten- und Landschaftspflege zwar nur für den kleinsten Teil der Umsätze, doch lobte Finanzvorstand Michael Wisser die Mitarbeiter. Denn die haben es geschafft, die Erlöse aus eigener Kraft um gut ein Drittel binnen Jahresfrist zu steigern.

          Versteckte Zuwächse beim Catering

          Zur Wisag-Holding gehört auch ein Catering-Betrieb, der 29 Millionen Euro erlöste und damit auf den ersten Blick genauso viel wie im Vorjahr. Allerdings enthält diese Zahl nicht die Umsatzbeiträge einer Catering-Firma, die die Wisag im Verein mit einem Krankenhaus gegründet hat und an der der Wisser-Konzern nur eine Minderheitsbeteiligung hält. Ansonsten hätte auch dieser Konzernteil ein Plus beigesteuert, wie Michael Wisser sagte.

          Nach dem Kauf der Berliner Flughafen-Servicegesellschaft Globe-Ground kann sich die Wisag gut vorstellen, vermehrt Dienste für die Luftfahrtbranche zu erbringen. Hatte die bisher schon Kabinenreinigung und -ausstattung im Angebot, kann sie mit der 1970 Mitarbeiter starken Globe-Ground nun die gesamte Palette vom „Follow me“-Fahrzeug auf dem Vorfeld über die Passagierabfertigung bis hin zur Enteisung von Flugzeugen aufwarten. Auch Facility Management an Flughäfen ist zumindest mit Potenzial verbunden, da die Flughafenbetreiber diese Arbeiten bisher meist in Eigenregie erledigen und der Prozess, Aufgaben nach an Dritte zu vergeben, noch nicht angestoßen ist, wie Wisag-Geschäftsführer Ralf Hempel sagte.

          Angesichts der anstehenden Globe-Ground-Integration in den Konzern wird sich die Wisag mit Akquisitionen bis auf weiteres zurückhalten: „Wir wollen uns mehr auf uns selbst besinnen“, kündigte Michael Wisser an. Zuvor hatte schon sein Vater, der Aufsichtsratsvorsitzender der Aveco Holding AG ist, eine entsprechende „Bitte“ an das Management gerichtet; zur Aveco zählen Wisag und die GTE Gebäude- & Eletrotechnik GmbH.

          Imagekampagne mitgestaltet

          Wie der Vorsitzende der Geschäftsführung, Bernd Jacke, sagte, ist die Wisag weiter die Nummer zwei im deutschen Facility-Management-Markt nach dem Konkurrenten Dussmann, der nach Daten eines Branchendienstes zuletzt einen Umsatz von 853 Millionen Euro erzielt hat und nicht annähernd so stark zugelegt hat wie Wisag. Auf Platz drei habe sich Voith Industrial Services vorgearbeitet. Auf den Rängen folgen dem Branchendienst zufolge die Servicegesellschaften der Baukonzerne Bilfinger Berger und Hochtief. „Die Branche ist in Bewegung“, stellte Jacke fest, der weitere Übernahmen in diesem Wirtschaftszweig erwartet.

          Jacke beklagte das mäßige Image der Facility-Management-Unternehmen und zunehmenden Mangel an Fachpersonal. Um selbst Abhilfe zu schaffen, gestalte Wisag eine „Die Möglichmacher“ genannte Imagekampagne mit (im Internet unter www.fm-die-moeglichmacher.de).

          Sohn des Konzerngründers rückt ganz an die Spitze

          Stühlerücken an der Spitze der Wisag: Zum Jahreswechsel übernimmt Michael Wisser, der Sohn des Konzerngründers Claus Wisser, den Vorsitz der Geschäftsführung der Wisag von Bernd Jacke. Der 1947 geborene Jacke wird dem Konzern aber verbunden bleiben - als Berater. Er gehört seit 1994 dem Unternehmen an. Bis 1998 war er Holding-Geschäftsführer der Wisag-Gebäudereinigung. Ein Jahr darauf übernahm er zusätzlich die Leitung der Sicherheitsdienste, 2001 den Vorsitz der Geschäftsführung. Seine künftige Rolle dürfte es ihm erlauben, „mit der Zeit in dem Gefühl loszulassen, der Wisag in den vergangenen 14 Jahren nicht geschadet zu haben“, sagte er mit einem Schmunzeln.

          Claus Wisser meinte rückblickend zu Jacke: „Du solltest mich ersetzen. Dann habe ich gesehen, Du bist ganz anders als ich. Und dann ist eine ganze Weile vergangen, bis ich gemerkt habe: Wir passen doch gut zusammen.“ Der 1971 geborene Michael Wisser zählt seit 2001 zur Konzernleitung. Dort kümmert sich der Diplom-Kaufmann, Steuerberater und Wirtschaftsprüfer vor allem um die Finanzen und Informationstechnologie. (thwi.)

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