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Über Großbanken und Kunden : Die Sache mit dem gelben Regenschirm

Schleuderkurs: Als die Commerzbank schlingerte und der Allessa den Kredit fällig stellte, sprang die Deutsche Bank ein - wie aber wäre es mit nur einer Großbank? Bild: Reuters

Bei Großfusionen machen Investmentbanker und Berater glänzende Geschäfte. Aber wie ist das aus Sicht von Kunden? Eine Geschichte über zwei Großbanken, einen Frankfurter Mittelständler und einen Kredit.

          Gemeinhin greift der geneigte Mensch zum Regenschirm, wenn es allzu sehr aus den Wolken über ihm tröpfelt. Doch für Unternehmen sieht die Sache anders aus: „Wenn es anfängt zu regnen“ - diese Redewendung bedeutet nicht zu viel Liquidität. Sondern das Gegenteil. In solchen Fällen braucht eine Firma mindestens einen Geldgeber, der seinen Schirm über dem Betrieb aufgespannt lässt. In der Regel macht das ein Kreditinstitut. Womit nun zwei Frankfurter Großbanken und ein Chemieunternehmen vom Main ins Spiel kommen.

          Thorsten Winter

          Wirtschaftsredakteur und Internetkoordinator in der Rhein-Main-Zeitung.

          Diese Geschichte spielt im Jahr 2009: Nach der Pleite der amerikanischen Investmentbank Lehman Brothers stürzt auch die deutsche Wirtschaft in eine Rezession. Auch und gerade die Banken bekommen den Abschwung zu spüren, vor allem solche, die sich mit Wertpapieren verspekuliert haben. Vor diesem Hintergrund schlüpft die Commerzbank unter den staatlichen Rettungsschirm. Also jene Bank, die im Fernsehen mit gelben Schirmen für sich geworben hat. Nach dem Motto: Mit uns steht der Kunde nicht im Regen. 

          Blau statt gelb

          In Folge der Rezession steht in jenen Wochen auch das Frankfurter Chemieunternehmen Allessa ziemlich im Regen. Der Auftragseingang geht runter, da kann die Allessa als Kunde der Commerzbank deren gelben Regenschirm gut gebrauchen. Doch dann klappt sie ihn plötzlich zu: Sie stellt der knapp 1100 Mitarbeiter zählenden Firma den Kredit fällig, wie der ehemalige Hoechst-Pharmavorstand Karl-Gerhard Seifert berichtet, Allessa-Besitzer in dieser Zeit.

          Er wendet sich an den Ministerpräsidenten Roland Koch, und auf dessen Vermittlung springt Allessa-Großkunde Clariant kurzfristig als Darlehensgeber ein. Und noch einer hält zu dem Mittelständler: die Deutsche Bank.

          „Dann machen Sie ein dummes Gesicht“

          Was aber, und damit zurück in die Zukunft, wenn aus der gelben und der blauen Bank eine blau-gelbe werden sollte? Dann verdienen beteiligte Investmentbanker und Berater auf jeden Fall gutes Geld. Etwa Firmenkunden aber haben dann weniger Auswahl unter möglichen Kreditgebern. Auf jene Tage im Jahr 2009 gemünzt meint Unternehmer Seifert heute: „Dann machen Sie ein dummes Gesicht.“

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